Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 164

Der Schlüssel zum Verständnis geistiger Schriften.

01] Sage Ich: »Ja, Mein Freund Kornelius, eine Regel und eine Anleitung dafür gibt es nicht in der Außenweltsphäre; das einzige, was dir den Schlüssel gibt und zum Verständnisse des Geistes der Schrift verhilft, ist dein eigener, aus Mir und Meiner Lehre wiedergeborener Geist. Solange du im Geiste nicht wiedergeboren bist, nützt dir keine Regel irgend etwas; bist du aber einmal das, dann bedarfst du keiner Regel mehr, denn dein geweckter Geist wird seinesgleichen auch ohne eine allgemeine Regel gar leicht und gar geschwinde finden.
02] Willst du aber wenigstens den naturmäßigen Sinn der Schrift besser fassen, als es bis jetzt der Fall war, so mußt du dich mit der Sprache der Illyrier sehr vertraut machen, die da die größte wurzelrechte Ähnlichkeit mit der altägyptischen Zunge hat, und diese ist nahe eins mit der urhebräischen. Ohne die Sprachkenntnis wirst du die Schrift Mosis nie ganz richtig lesen und daher auch selbst den Wortlaut nicht richtig verstehen. Verstehst du aber schon die darin vorkommenden irdischen Bilder nicht, wie möchte es dir wohl mit dem darin verborgenen geistigen Verständnisse gehen, selbst mit vielen tausend Regeln und Anleitungen?!
03] Die gegenwärtige Judenzunge ist nahezu eine ganz fremde gegen die einstige geworden, die Abraham, Noah und selbst Adam geredet haben. Bleibe du aber in Mir im Glauben und in der Liebe, so wird dir das rechte Verständnis schon von selbst hinzugegeben werden, und das in einer nicht gar zu langen Zeit! Im übrigen aber wird es dir nicht schaden, so du zu öfteren Malen liesest in der Schrift; denn dadurch wird deine Seele in der suchenden und denkenden Tätigkeit erhalten werden. - Bist du mit diesem Bescheide zufrieden?«
04] Sagt Kornelius: »Allerdings, Herr und Meister! Eine gerechte und auf einem sichern Grunde ruhende Hoffnung ist mehr wert als der volle Besitz dessen, was man erhoffet. Und so will ich mich nun dessen freuen, was ich von Dir besitze. Nimm meines Herzens wärmsten Dank dafür!«
05] Als damit unser Kornelius befriedigt ward, trat sogleich der alte, gewesene Oberste Stahar zu Mir und sagte: »Herr und Meister, das, was wir alle nun aus Deinem Munde vernommen haben, ist eine Lehre, die wir wohl jetzt verstehen;, aber wird sie auch ein anderer verstehen, so wir sie ihm mitteilen? Was haben wir alles erfahren, gehört und gesehen, damit wir nun auch das zu fassen imstande waren; denen wir aber dieses auch mitteilen sollen, die haben zuvor noch nichts erfahren, gehört und gesehen! Wie werden diese das mit Nutzen fassen?«
06] Sage Ich: »Freund, wo hattest du denn deine Ohren, als Ich gleich im Anfange sagte und sogar euch allen dahin ein Gebot gab, das, was ihr diese Nacht hindurch hier alles sehen und erfahren würdet, keinem andern Menschen zu verraten?! Dies bleibe vor aller Welt verborgen! Wer im Geiste wahrhaft wiedergeboren wird, dem wird ohnehin alles offenbar werden; wer aber in seiner Weltäußerlichkeit verharrt, dem müßte das als eine Torheit zu seinem großen Ärger werden, so er davon etwas erführe. Darum ist es denn besser, daß die Welt davon nichts erfährt; euch aber ist es eurer Stärkung wegen notwendig, des Reiches Gottes Geheimnisse zu verstehen, und das genügt für alle Welt!
07] Was ihr zu lehren habt in Meinem Namen, das wisset ihr bereits zum größten Teile; alles andere ist ein Segen für euch, die ihr mehr oder minder zu Volkslehrern erwählt seid, auf daß ihr selbst ungezweifelt glaubet, daß Ich allein der Herr und Meister von Ewigkeit bin. Denn habt ihr den rechten und unwandelbar festen Glauben, so werdet ihr auch leicht in euren Jüngern den festen und lebendigen Glauben erwecken dadurch, daß ihr zuvor ihnen zeiget eure eigene Glaubensstärke. Damit ihr aber diese in aller ihrer Kraft zeigen könnet, war es notwendig, daß ihr Mich zuvor erkanntet, daß Ich vom Vater ausgegangen bin, um in eurem Fleische euch allen zu zeigen den Weg des Lebens.
08] Wenn du das nun hoffentlich doch begriffen hast, da wirst du nun wohl auch wissen, was ihr alle zur Zeit, wenn ihr von Mir ausgesendet sein werdet, den Völkern zu predigen habt. Liebet Gott, euren ewigen Vater, über alles und euren Nächsten wie euch selbst und haltet die Gebote, die Gott durch Moses allen Menschen gegeben hat, dann habt ihr Meine Lehre, die ihr den Völkern zu predigen habt, schon beisammen; eines mehreren bedarf es nicht.
09] Alles andere aber, das ihr hier erfahret, gehört für euch, wie Ich es dir soeben wiederholtermaßen erklärt habe. Nun weißt du hoffentlich, was du für alle Zukunft zu tun und zu beachten hast, und kannst dich darum abermals auf deinen Platz begeben!« - Mit dem geht Stahar auf seinen Platz.
10] Der König Ouran aber erhebt sich und fragt Mich, sagend: »Herr, Meister und Gott! du weißt es, weshalb ich eine Reise unternahm! Was ich suchte, das habe ich auch gefunden. Mir tut dieser Fund überaus wohl; er wird aber sicher gar jedermann wohltun, der ihn gleich mir wird gefunden haben! Ohne Lehre kann ihn aber niemand finden! Es fragt sich darum, wer da lehren soll, und was dazu gehört, um als ein Volkslehrer fähig dazustehen! Sollen die Lehrer als Boten von Ort zu Ort reisen und ziehen von Land zu Lande, oder wäre es etwa besser, zu errichten öffentliche Schulen, sie zu versehen mit den tauglichsten Lehrern und der Menschheit Gesetze vorzuschreiben, diese Schulen zu besuchen? Herr und Meister und Gott, ich bitte Dich, mir darüber allergnädigst eine Anleitung zu erteilen; denn ich will und werde alles tun, was Du willst und wünschest, das ich tun soll!«


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