Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 126

Die Folgen der falschen Erziehung.

01] (Der Herr:) »Man findet zwar die Gesetze Gottes höchst gut und gerecht; aber man findet auch Menschen, die von solchen Gesetzen der Tat nach nichts wissen wollen, sondern rein und pur der Welt leben. Mit solchen Menschen ist natürlich kein Geschäft oder höchstens nur ein schlechtestes von der Welt zu machen. Wer mit ihnen in eine geschäftliche Verbindung tritt, der ist schon gleich von vornherein der weidlichst Betrogene und Überlistete. Jener aber, der sich mit solchen Weltmenschen einließe, um von ihnen etwas zu gewinnen, müßte schon sehr blöde sein; denn sonst hätte er seine Verbündeten sicher schärfer durchschaut, bevor er sich mit ihnen noch in ein Geschäft einließ.
02] Solch ein wenigstens halbblöder Mensch ist aber immer noch besseren Herzens, obschon stets etwas gewinnsüchtig, aber dabei eben wegen der Blödheit schwachgläubig und auf Gott wenig vertrauend. Er denkt sich zwar immer und sagt: "Laßt mich nur einmal recht reich werden! Dann erst werde ich der beste Mensch von der Welt werden und mir auch alle Mittel anschaffen, durch die es mir möglich wird, das mystische Gottwesen besser und heller kennen zu lernen! Ich werde dann alle erdenklichen Wohltaten der armen Welt gegenüber verrichten, und Jahrtausende noch sollen meinen Namen im Munde führen! Aber lasset mir die reichen Weltmenschen einmal dienstbar werden, dann wird sich alles andere plötzlich geben!"
03] Mit solch blinden Hoffnungen treibt sich solch ein Blödling herum, macht sich Pläne und Versuche und nähert sich mit seinen Plänen den Großen und Reichen, die aus seinen Erfindungen mit ihrem scharfen Weltverstand bald irgendwo einen Nutzen für sich herausschauen. Der blöde Spekulationsmensch sitzt ihnen auf und wird dabei auf eine himmelschreiende Weise betrogen und hinter alles Licht geführt.
04] Nun steht er mit all seinen Plänen und Hoffnungen total ausgeplündert und völlig mittellos da und weiß sich keinen Ausweg zu verschaffen. Der Glaube an Gott und ein festeres Vertrauen auf Gottes Macht, Güte und Hilfe waren bei ihm von jeher nahe gleich einer Null. Mit der Welt hat er durch den Betrug, der ihn um alles brachte, allen Zusammenhang verloren. Sein Verstand ist zu blöde und kann trotz alles Suchens und trotz alles Anstrengens keinen Ausweg finden.
05] Was ist nun die Folge davon? Die Verzweiflung und mit ihr der brennendste Überdruß des Seins, weil sich für dasselbe keine auch nur halberträgliche Aussichten irgend zeigen wollen! In solch einer Fieberhitze nimmt sich dann gewöhnlich so ein Blödling das Leben und wird zum Selbstmörder. Daß er dadurch seiner Seele nicht selten einen unbegrenzten Schaden zufügt, könnet ihr aus dem klar und deutlich entnehmen, daß solch ein Mensch noch gar lange hin sich immer mehr und mehr zerstören will, weil er schon einmal gegen das Sein doch sicher den allertödlichsten Haß geschöpft hat, ohne den er nicht ein Selbstmörder geworden wäre. Die bewußte Blödigkeit aber ist ja niemand angeboren, sondern allein die Folge einer schlechten und verkehrten Erziehung.
06] Wer seine Kinder wahrhaft liebt, dem muß ja doch vor allem daran gelegen sein, ihre Seelen so zu ziehen, daß sie nicht von der Materie verschlungen werden. Werden die Seelen in der rechten Ordnung erzogen, so werden sie ehest fähig, den Geist in sich aufzunehmen, und nie blöde werden, und von einem Selbstmord wird da schon nie die Rede sein.
07] Aber bei eurer affenartigen Erziehung der Kinder, besonders in den Städten, kann es nicht anders kommen. Gewöhnet darum eure Kinder schon frühzeitig daran, das wahre Reich Gottes im Herzen zu suchen, und ihr habt sie dadurch mehr denn königlich geschmückt und habt für sie das größte und beste Erbteil erworben für zeitlich und ewig!
08] Aus den verzärtelten Kindern aber wird nie und nimmer etwas Lebensgroßes! Wenn mit ihnen schon sonst auch nichts Arges geschieht oder sie in sonst nichts Arges übergehen, so bildet sich mit der Zeit bei ihnen doch so eine gewisse schwache Seite heraus, die kein Mensch beleidigen, ja nicht einmal antasten darf. Wird so eine schwache Seite angerührt und angetastet oder gar beleidigt, dann ist es schon aus mit solch einem Menschen. Er wird ganz rasend und grimmig werden und sich sicher an dem Beleidiger auf jede erdenkliche Art zu rächen suchen oder ihm wenigstens dahin eine ganz entsetzlich ernste Drohung machen, solchen Scherz in aller Zukunft zu meiden, da im Gegenteil ihm das ganz entsetzlich üble Folgen zuziehen würde.
09] Solch eine schwache Seite ist im Grunde eigentlich nichts aus dem freien Willen und Erkennen hervorgehend Schlechtes; aber sie ist dennoch ein Leck in der Seele, an dem sie stets verwundbar bleibt, und das nicht nur hier, sondern auch noch lange während jenseits.
10] Darum sollet ihr bei euren Kindern auch darauf sehr sehen, daß sich in ihnen keine sogenannten schwachen Seiten herausbilden, denn sie werden der Seele das, was die sogenannten chronischen, halbvernarbten Krankheiten sind. Ist es gleichfort schönes Wetter und geht dabei ein guter Wind, so schweigen sie, und der Mensch, der sie besitzt, fühlt sich ganz gesund; fängt es aber in der Luft nur an, sich zu einem bösen Wetter vorzubereiten, so fangen solche Lecks im Fleische auch gleich an, sich zu rühren und bringen den Menschen vor Schmerzen oft zur Verzweiflung.
11] Wie es aber für jeden Arzt etwas besonders Schweres ist, solche alte Leibesschäden zu heilen, ebenso schwer und oft nahe noch schwerer ist es, solch alte Seelenlecks zu heilen. Wenn der Schiffer sein Schiff vor den Lecks bewahren will, muß er nicht dahin fahren, wo es im Meere allerlei Klippen und Korallenbänke gibt, sondern nur dahin, wo das Wasser die ganz gehörige Tiefe hat. Und so muß der Erzieher der Kinder als ein wahrhaft lebenskundiger Steuermann seine kleinen Lebensschifflein auch nicht in aller weltlichen klippenhaften Seichtheit herumführen, sondern sich gleich mehr auf die inneren Lebenstiefen wagen, und er wird die kleinen Schifflein vor den gefährlichen Lecks bewahren und sich dadurch die Krone eines wahren Lebenssteuermannes erringen!
12] Wohl jedem, der auch diese Worte beherziget; sie werden nicht ohne Segen für ihn und seine Angehörigen verbleiben!
13] Und nun, da wir diese Nebensache, die sich durch den Auftritt des Jüngers Judas Ischariot ergeben hat, auch nutzbringend besprochen haben, kehren wir wieder zu unseren Betrachtungen des Werdens und nun des scheinbaren Vergehens zurück und wollen nun ganz besonders das letztere in Augenschein nehmen!«


Home  |    Inhaltsverzeichnis Band 4  |   Werke Lorbers