Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 108

Vom Erbübel der Eigenliebe.

01] (Der Herr:) »Ihr habt von dem Erbübel gehört - wenigstens ihr Juden sicher! Was ist dieses, und worin besteht es? Sehet und höret!
02] Es ist die alte Eigenliebe als der Vater der Lüge und aller Übel aus ihr; die Lüge aber ist die alte, sündige Materie, die an und für sich nichts ist als eine lose und sündige Erscheinlichkeit der Eigenliebe, der Selbstsucht, des Hochmutes und der Herrschsucht.
03] Alles das entstand zwar aus dem notwendigen Reize, den Ich wegen der Erkenntnis des eigenen freien Willens in die Geister legen mußte; aber obschon der Reiz notwendig war, so war ihm als Folge die sündige Werdung der materiellen Welten durchaus keine Notwendigkeit. Sie war nur eine aus Meiner Ordnung zugelassene, leider notwendige Folge dessen, daß so viele Geister dem Reize nicht widerstehen wollten, obschon sie es vermocht hätten, - ebensogut wie es sechsmal so viele urgeschaffene Geister vermochten, von denen uns zu Diensten nun einer hier stehet und den Namen Raphael führt.
04] Der Feind, der stets das Unkraut unter den reinen Weizen streute, und noch streut, und noch lange streuen wird, ist demnach die alte Eigenliebe, und ihr euch nun bekanntes Gefolge ist das Unkraut und im weitesten Sinne der Inbegriff aller wie immer gearteten Materie, Lüge, Satan, Teufel.
05] Mein Wort aber ist das edle und reine Weizenkorn, und euer freier Wille ist der Acker, in den Ich als Säemann alles Lebens das reinste Korn Meiner ewigen Ordnung streue und säe.
06] Lasset ihr euch nicht von der Eigenliebe überwältigen, sondern bekämpfet ihr dieselbe leicht und mächtig mit dem glühenden Schwerte der wahren, alleruneigennützigsten Liebe zu Mir und zu euren nächsten Brüdern und Schwestern, so werdet ihr den Acker von allem Unkraute rein erhalten und jüngst selbst als reinste und kostbarste Frucht in Mein Reich eingehen und dort neue und rein geistige Schöpfungen schauen und leiten in Ewigkeit!
07] Aber achtet wohl darauf, daß der Feind, oder die Eigenliebe in euch, auch nicht um ein Atom groß Platz greife; denn dieses Atom ist schon ein Same des wahren Unkrautes, das mit der Zeit euren freien Willen ganz für sich in Beschlag nehmen kann, und euer rein Geistiges geht dann stets mehr und mehr in das Unkraut der Materie über, wo ihr dann selbst zur Lüge werdet, weil alle Materie als das, was sie ist, sichtlich eine allerbarste Lüge ist!
08] Das kleinste Atom Eigenliebe in euch, Meinen Jüngern nun, wird in tausend Jahren zu ganzen Bergen voll des giftigsten Unkrautes, und Mein Wort wird man auf den Gassen und Straßen mit dem schlechtesten Kote einmauern, auf daß sich ja keine Lüge voll Hochmutes und Hasses daran stoße! Bleibet ihr aber rein in Meiner Ordnung, so werdet ihr bald die Wölfe mit den Lämmern aus einem Bache trinken sehen.
09] Ich habe euch nun eine Erklärung gegeben, von der bisher noch keinem Geiste etwas in den Sinn gelegt wurde, auf daß ihr daraus entnehmen könnet, wer Derjenige ist, der allein euch solch eine Lehre geben kann und warum. Der Lehre wegen allein sicher nicht, sondern wegen der wahren Tat danach! Darum aber sollet ihr nicht nur eitle und erstaunte Hörer von Lehren sein, die vor Mir noch nie jemand so offen wie Ich nun zu den Menschen gepredigt hat. Auch ist es nicht genug, daß ihr nun klar erkennet, daß solches Gott Selbst, der Vater von Ewigkeit, zu euch geredet hat, sondern ihr müßt euer Herz streng erforschen, ob in seiner Liebe kein Unkrautsatom rastet. Findet ihr das, so jätet es mit allen noch so kleinsten Würzelchen aus und werdet sodann tätig in Hülle und Fülle nach Meiner euch nicht mehr unbekannten Ordnung, so werdet ihr den wahren Lebensnutzen für ewig daraus ernten!
10] Damit ihr auch sehen möget, wie das alles so ist, was Ich euch nun erklärt habe, so will Ich euch denn für eine kurze Zeit die Augen öffnen, auf daß ihr das alles auch selbsterfahrlich schauen könnet. Gebet darum nun auf alles wohl acht, was ihr sehen werdet!«


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