Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 107

Die Entstehung des Mondes.

01] (Der Herr:) »Vor vielen tausendmal Tausenden von Erdjahren war sie (die Erde) körperlich noch bedeutend schwerer, und ihre Geister wurden sehr gedrückt. Da ergrimmten aber die ärgeren Geister und trennten sich mit sogar viel gröbstmaterieller Masse von ihr und schwärmten viele Jahrtausende hindurch in einer sehr ungeordneten Bahn um diese Erde.
02] Da aber alle die Teile dennoch bis auf einige Klumpen ganz weich und zur Hälfte flüssig waren und die ganze Masse in einem beständigen Rotieren war, so gestaltete sich endlich die ganze Masse zu einer großen Kugel, deren Achsenumschwingung für ihren kleinen Durchmesser viel zu langsam war, um auf ihrer dennoch nicht ganz unbedeutenden Oberfläche die Flüssigkeit gleichmäßig zu erhalten, weil deren Umlauf um diese Erde dagegen ein sehr geschwinder war, demzufolge alles Flüssige stets auf der der Erde entgegengesetzten Seite den Aufenthalt nehmen mußte, vermöge der alten Wurfschwere.
03] Dadurch aber ward dieses runden Klumpens eigentlicher Schwerpunkt stets mehr nach jener Seite hin verschoben, wo sich gleichfort sämtliche Flüssigkeit aufhielt, und so mußte mit der Zeit dieses Klumpens eigene, zu langsame Achsenrotation endlich - als der Klumpen selbst kompakter war, durch den das Wasser nicht mehr so schnell durchsickern konnte und die mitgenommenen Wogen an den gewordenen hohen Bergwänden zu schwer und widerhaltig anbrandeten - ganz aufhören, und der ganze Klumpen fing dann an, der Erde, von der er ausgeworfen ward, nur ein und dasselbe Gesicht zu zeigen.
04] Und das war auch gut, auf daß dessen zu hartnäckige Geister genießen können, wie gut es ist, in einer trockensten und nahe aller Nahrung baren Materie zu stecken. Und zugleich dient dieser Mondesteil (denn der in der Rede stehende Klumpen ist eben unser Mond), seit diese Erde von Menschen bewohnt ist, auch dazu, daß die allerweltliebigsten Menschenseelen dorthin beschieden werden und sich von dort aus, mit einer luftig-materiellen Umhäutung versehen, ihre schöne Erde von einer über hunderttausend Stunden langen Weges weiten Ferne etliche Tausende von Jahren hindurch recht sattsam ansehen können und sich selbst bedauern, daß sie nicht mehr ihre geizigen Bewohner sind. Daß sie aber trotz aller ihrer Begierde nicht wieder herab zur Erde gelangen können, dafür ist schon allerbestens gesorgt. Aber etliche Äonen von Erdenjahren werden nach und nach auch die Allerhartnäckigsten zur Besinnung bringen!
05] Ihr habt nun denn gesehen, wie die ganze materielle Weltenschöpfung entstanden ist, bis zu den Monden der Planeten, die fast überall, wo sie bestehen, auf dieselbe Weise entstanden sind, dieselbe Natur haben und nun zum selben Zwecke dienen.
06] Wie aber und aus welchem Grunde ursprünglichst aus in sich selbst hineingefallenen Geistern die gesamte materielle Weltenschöpfung, bis zu den Monden herab, hervorgegangen ist, auf eben dieselbe Weise sind mit der Zeit auf den harten und schweren Weltkörpern die Berge, als die ersten Riesenpflanzen einer Welt, und nachher allerlei Pflanzen, Tiere und zuletzt der Mensch selbst hervorgegangen.
07] Bessere Geister entwinden sich gewaltsam dem stets zunehmenden Drucke der Materie, ihre eigene auflösend mit der Kraft ihres Willens. Sie konnten sogleich in die Ordnung der reinen Geister übergehen; aber der alte Reiz übt noch immer auch seine alte Gewalt aus. Die Eigenliebe wird gleich wieder wach, die Pflanze saugt, das Tier frißt, und des Menschen Seele sucht, kaum von neuem in die alte Gottform eintretend, gierigst materielle Kost und ein gleiches, träges Wohlbehagen; sie muß sich darum gleich wieder mit einem materiellen Leibe umgeben, der aber dennoch zarter ist als die alte, sündige Materie. Trotz des zarteren Leibes aber nimmt im selben die pure Seele doch so sehr in der Eigenliebe zu, daß sie ganz wieder zur härtesten Materie würde, so Ich in ihr Herz nicht einen Wächter, ein Fünklein Meines Liebegeistes gesteckt hätte.«


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