Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 4, Kapitel 106

Die Bedeutung und Entstehung der Erde.

01] (Der Herr:) »Ein Teil solcher aufgelösten Geister aber will noch auf irgendeinem Planeten den Weg des Fleisches durchmachen. Einige machen ihn auch in der Sonne durch, auf irgendeinem Gürtel, der ihnen natürlich am besten zusagt; nur auf diese Erde begeben sich höchst wenige, weil ihnen da der Weg des Fleisches zu beschwerlich vorkommt, denn hier müssen sie sogar alle Erinnerung an einen früheren Zustand aufgeben und ganz in ein von Anfang an neues Sein eintreten, was auf den anderen Planeten und Weltkörpern nicht der Fall ist.
02] Denn fürs erste bleibt den eingefleischten Geistern dort stets eine traumartige Rückerinnerung an die früheren Zustände, und die Folge davon ist, daß die Menschen auf den anderen Planeten und Weltkörpern vom Grunde aus schon um vieles weiser und nüchterner sind denn auf dieser Erde. Aber dafür sind sie auch keines Fortschrittes in eine höhere Stufe des freien Lebens fähig. Sie gleichen, wie schon einmal berührt, mehr den Tieren dieser Erde, die schon von Natur aus für ihr Sein die gewisse Instinktbildung haben, worin sie stets eine große Fertigkeit und Vollendung an den Tag legen, so daß ihnen der Mensch mit all seinem Verstande gar manches nicht nachzumachen imstande wäre. Versuchet nun aber, ein Tier darüber hinaus zu unterrichten, und ihr werdet nicht viel Ersprießliches ihm beizubringen imstande sein!
03] Wohl gibt es welche, die so viel Bildung annehmen, daß sie dann für eine höchst einfache und allergröbste Arbeit zur Not verwendet werden können, wie der Ochse zum Ziehen, das Pferd, der Esel und das Kamel zum Tragen, ein Hund zum Aufspüren, Jagen und Treiben; aber darüber hinaus werdet ihr ihnen nicht viel Weiteres beizubringen imstande sein, und mit der Sprache wird es schon gar nicht gehen. Die einfache Ursache liegt auch darin, daß eine stumpfe Rückerinnerung an ihre früheren Zustände die Tierseelen gleichfort noch wie ein Gericht gefangenhält und beschäftigt, und daß sie sonach in einer gewissen Betäubung leben.
04] Allein bei allen Menschen dieser Erde tritt der sonst nirgends mehr vorkommende Fall ein, daß sie aller Rückerinnerung bar werden und daher eine ganz neue Lebensordnung und - bildung vom Anfange an beginnen, die also gestellt ist, daß mit ihr ein jeder Mensch bis zur vollsten Gottähnlichkeit emporwachsen kann.
05] Darum kann aber auch nur eine solche Seele auf dieser Erde eingefleischt werden, die entweder aus einer Sonne, in der noch alle Urelemente beisammen sind, herstammt, alldort aber schon einen Fleischweg durchgemacht hat und somit alle jene Seelenintelligenzspezifika in sich faßt, die für die Vollendung eines höchsten Geisteslebens nötig sind, - oder eine Seele stammt unmittelbar von dieser Erde und hat zuvor alle die drei sogenannten Naturreiche durchgemacht von der plumpsten Steinmaterie durch alle Mineralschichten, von da durch die gesamte Pflanzenwelt und zuletzt durch die ganze Tierwelt im Wasser, auf der Erde und in der Luft.
06] Man nehme aber hier ja nicht den Materienleib, sondern das in dessen Gehülse enthaltene seelisch-geistige Element; denn das Gehülse ist zwar auch seelisch-geistig in der weiteren Analyse, aber es ist in sich noch zu gemein, zu träge und zu plump und ist noch ein zu schwerer Ausdruck der Eigenliebe, der Selbstsucht, des Hochmutes und des trägsten, faulen Genusses der gierigsten, geizigen und todbringend zornigen Herrschsucht. Solche Materie muß erst durch ein vielfaches Verwesen und nur teilweises Übergehen in die reinere Seelenumhäutungs- und -bekleidungssubstanz aufgenommen werden; zur eigentlichen Seelensubstanz wird daraus wohl nie etwas verwendbar sein.
07] Es gibt darum auf dieser Erde aber auch mehr verschiedene Gattungen von Mineralen, Pflanzen und Tieren als auf allen anderen Planeten und Sonnen, natürlich jedes für sich einzeln genommen. Alle zusammen würden wohl eine größere Gattungssumme herausbringen, aber auf einem jeden anderwärtigen Weltkörper einzeln gibt es im ganzen Schöpfungsraume nicht den hunderttausendsten Teil so vieler Gattungen wie hier auf dieser Erde in jedem ihrer drei Reiche. Eben darum ist aber auch nur diese Erde allein bestimmt, im vollwahrsten Sinne Gottes Kinder zu tragen.
08] Wie und warum aber solches? Es hat mit dieser Erde eine höchst eigentümliche Bewandtnis. Sie gehört zwar nun als Planet zu dieser Sonne; aber sie ist, streng genommen, nicht so wie alle die anderen Planeten - mit Ausnahme des einen zwischen Mars und Jupiter, der aber aus gewissen bösen Gründen schon vor sechstausend Jahren zerstört worden ist oder eigentlich durch sich selbst und durch seine Bewohner zerstört wurde - aus dieser Sonne, sondern hat ihre Entstehung ursprünglich schon aus der Urzentralsonne und ist in einer gewissen Hinsicht um's für euch Undenkliche der Zeit nach älter denn diese Sonne. Doch hat sie erst eigentlich körperlich zu werden angefangen, nachdem diese Sonne schon lange als ein ausgebildeter Weltenklumpen den erstmaligen Umlauf um ihre Zentralsonne begonnen hatte, und hat aber dann ihr eigentlich Materiell-Körperliches dennoch hauptsächlich aus dieser Sonne an sich gezogen.«


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