Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 2, Kapitel 22


Heilung eines Gichtkranken. Eifersucht der Nazarener wegen ihrer Kenntnis der Bildung und Entwicklung Jesu.

01] Es brachte aber Borus selbst einen gichtbrüchigen Menschen, dessen Hände und Füße schon ganz verdorrt und derart verdreht und zusammengezogen waren, daß es wohl keinem sterblichen Arzte mit allen Mitteln in der Welt möglich gewesen wäre, ihn zu heilen.
02] Borus aber, als er durch zwei Träger den Gichtbrüchigen in einem Korbe durch das starke Gedränge zu Mir hatte hinbringen lassen, sagte laut vor dem Volke: »Diesem Kranken kann nur Gott allein helfen! Ich bin doch einer der ersten Ärzte in ganz Galiläa, und es kommen Kranke von Jerusalem und Bethlehem zum Arzte Borus, und er hilft ihnen; aber diesem kann er nicht helfen! Ich bitte Dich aber, Du mein heiliger Freund Jesus, da Dir meines Wissens und Glaubens kein Ding unmöglich ist, daß Du diesem Menschen die geraden Glieder wiedergeben möchtest, so es Dein Wille ist!«
03] Sage Ich: »Freund, hier gibt es viel zuviel Ungläubige, und da ist so eine Heilung immer eine schwere Sache! Ich aber werde ihn schon bei dir unter vier Augen heilen.«
04] Darauf fingen einige im Volke an zu murmeln und sagten: »Oh, des Zimmermanns Sohn ist pfiffig! Dieser Kranke ist ihm zu stark, darum möchte er ihn lieber im geheimen heilen, auf daß wir ja nicht merken sollen, ob es mit ihm besser geworden ist oder nicht.«
05] Ich aber vernahm solche Reden und sagte zu den Schimpfern: »O ihr Tollen und Irrsinnigen! Kennet ihr dies Mädchen an der Seite des Jairus? Ist sie nicht dessen Tochter, und war sie nicht tot zwei Male? Wer gab ihr das Leben wieder? - Ihr Toren! So des Menschen Sohn Macht hat, die Toten wieder ins Leben zu rufen, wird Er nicht auch Macht haben, zu diesem Kranken zu sagen: 'Stehe auf und wandle!'? Auf daß ihr aber sehet, daß Ich gar wohl diese Macht habe, so gebiete Ich dir, du gichtbrüchiger Mensch, daß du aufstehest und wandelst mit vollkommen gesunden Gliedern!«
06] In diesem Augenblick fuhr ein Feuer in die Glieder dieses Kranken, und er fühlte sich völlig kräftig, stand auf und wandelte, und seine Glieder waren völlig frisch; er hatte Fleisch und volle Muskeln und wandelte heiter und voll dankbaren Herzens und sagte nach einer Weile seines höchst eignen Staunens: »So etwas kann nur Gott möglich sein! Ohne Arzneien, ohne Händeauflegung, sondern allein durchs Wort eine solche Heilung in einem Augenblick hervorzurufen, das ist noch nie gehört worden! Herr Jesus, ich bekenne und glaube nun vollauf, daß Du entweder Gottes Sohn oder gar der menschliche Form angenommen habende Gott Selbst bist! Es kommt mir gerade vor, als ob ich Dich anbeten sollte!«
07] Sage Ich: »Laß das und mache darob keinen Lärm! Was du aber im Herzen fühlst, das bewahre getreu; es wird eine Zeit kommen, in der du dessen benötigen wirst, und dann magst du beten zum Vater im Himmel, der allein Seinem Sohne gegeben hat solche Macht!« Mit diesen Worten verstummt der Geheilte.

  • Matthäus.13,54b a so aber, daß sie sich entsetzten und fragten: »Woher hat dieser solche Weisheit und Taten? (a = Markus.06,02; = Lukas.04,22;  ⇒ jl.ev02.022,08a*; Vaterbriefe.468)

    08a] a Aber das Volk entsetzte sich und sprach: »Woher kommt dem denn solch eine Weisheit und solche Taten und solche Macht dazu?« (a Matthäus.13,54b; Markus.06,02; = Lukas.04,22

  • Matthäus.13,55] a Ist er nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht seine Mutter Maria? und seine Brüder Jakobus und Josef und Simon und Judas? (a = Markus.06,03; = Lukas.04,22;  ⇒ jl.ev02.022,08b*;  jl.ev01.105,05jl.ev06.059,02jl.ev11.239jl.ev11.241jl.ev11.242)

    08b] a »Ist er nicht des Zimmermanns Sohn? Heißt nicht seine Mutter Maria? Und seine Brüder: Jakob und Joses und Simon und Judas?« (a Matthäus.13,55*; =Markus.06,03; = Lukas.04,22jl.ev01.105,05jl.ev06.059,02jl.ev11.239jl.ev11.241jl.ev11.242)

  • Matthäus.13,56] a Und seine Schwestern, sind sie nicht alle bei uns? b Woher kommt ihm denn das alles? (a = Markus.06,03b Johannes.06,42 Johannes.07,15 Johannes.07,52 ⇒ jl.ev02.022,08b*;  jl.ev01.105,05jl.ev11.239jl.ev11.241jl.ev11.242)

    08b] a »Und seine Schwestern, sind sie nicht alle bei uns? b Woher um des Himmels willen kommt ihm denn das alles?« (a Matthäus.13,56*; =Markus.06,03b Johannes.06,42Johannes.07,15Johannes.07,52jl.ev01.105,05jl.ev11.239jl.ev11.241jl.ev11.242)

  • Matthäus.13,57a] a Und sie ärgerten sich an ihm. (a = Markus.06,03

    09] Und da sie also miteinander redeten und einander fragten, a ärgerten sich viele und sagten: »Das ist gerade zum Wahnsinnigwerden! Unsere Söhne haben studiert zu Jerusalem und sich Kenntnisse in allerlei Künsten und Wissenschaften gesammelt; auch haben sie die noch bestehende Schule der Propheten durchgemacht und die ägyptische Weisheit in der Deutung der Zeichen vollkommen erlernt! Und dieser Zimmermann, der erweislich nie eine Schule besucht hat, den wir nur stets mit Hacke und Säge arbeiten sahen, beschämt nun uns und unsere Kinder auf eine Art, vor der sogar die allerhöchsten Regierungspersonen erstaunen und den sonst mehr tölpelhafsten Zimmermann schon nahe für einen Gott halten! Das ist wahrlich ärgerlich! Er ist alles in allem, spricht alle Zungen, als wäre er darin geboren, er ist ein Prophet ersten Ranges und wirket Zeichen und Dinge, die gewirkt zu haben sich kein Gott schämen dürfte; unsere Söhne aber stehen samt uns, die wir doch unserer Zeit auch etwas gelernt haben, da, als könnten sie nicht einmal ihrer Hände Finger abzählen! Weiß denn niemand von uns irgend etwas, wie dieser Zimmermann das alles sich zu eigen gemacht hat?« (a Matthäus.13,57a*; = Markus.06,03)
    10] Sagen andere: »Wo sollte er sich etwas zu eigen gemacht haben? Er war ja bis auf nunmalige etliche Monde immer zu Hause und baute Häuser bei uns und auch anderswo mit seinem Vater und seinen Brüdern; wir merkten nie eine Spur von etwas Besonderem bei ihm! Er war dazu noch sehr wortkarg, und so man ihn um etwas fragte, da gab er entweder gar keine oder eine allzeit nur sehr einsilbige Antwort, so daß man ihn für eine Art Tölpel hielt, - und jetzt steht er auf einmal als ein Mann da, auf den alle Welt die Augen richten muß! Das ist ja doch allerärgerlichst mehr, als was nur irgendein gesunder Menschensinn fassen kann!
    11] Was ist denn mit diesem Menschen vor sich gegangen? Wir wissen es wohl aus seiner frühesten Jugendzeit her, daß er damals als ein noch nahezu unzüngiger Knabe einige zauberische Fähigkeiten gezeigt haben soll! Vater und Mutter glaubten, daß aus diesem Knaben einst etwas Großes werden würde; aber es hätten sich alle die vielversprechenden Fähigkeiten mit den Jahren so ganz und gar verloren, daß davon aber auch nicht eine leiseste Spur bei irgendeiner Gelegenheit zu entdecken war! Eine Schule hat er schon als Knabe nie besuchen wollen und war somit ohne alle wissenschaftliche Bildung ein höchst einfacher Zimmermann. Ich fragte oft den alten Joseph, wie es mit dem Jesus stehe, ob er denn auch zu Hause so einsilbig wäre. Und die Antwort war: 'Noch einsilbiger als irgendwo außer dem Hause!' Und seine Brüder sagten dasselbe! - Wenn aber also, woher denn nun solche Fähigkeiten?«


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