Jakob Lorber: 'Kindheit und Jugend Jesu'

192. Kapitel: Das lehrreiche Grübchenspiel. Die Lebensgrübchen und ihre Ordnung. Ein Spiel des Menschentreibens. (24.04.1844 )

01] Darauf wandte sich das Kindlein zu Sixtus, als dem ältesten Knaben von den Cyrenischen Kindern, und sagte zu ihm:
02] »Sixtus, gehe und mache da vorne am abgetretenen Wege zehn Grübchen, ein jedes eine Spanne vom andern entfernt! Was dann damit zu geschehen hat, das weißt du schon. (Anfang des Ergänzungstextes)
03] Dann bringe du die zehn Kügelchen, die der Jakob aus Lehm uns zum Spielen gemacht hat, und wir werden dann ein wenig Kügelchen werfen: - du weißt schon wie, denn du hast es Mich ja gelehrt!«
04] Darauf tat Sixtus sogleich, was das Kindlein verlangte!
05] Als die zehn Grübchen gemacht und die Lehmkügelchen herbeigeschafft waren, da sagte das Kindlein zum Cyrenius:
06] »Nun lasse Mich nur wieder frei, damit Ich dir erklären kann und zeigen, wie dieses Spiel geht; aber ihr anderen Kinder dürft Mir nun nichts einwenden, weil Ich dem Cyrenius selbst die Sache erklären will!«
07] Hier wandte sich das Kindlein ganz pathetisch an den Cyrenius und sprach:
08] »Siehe, das Spiel geht also: Drei Schritte von diesen Grübchen mußt du stehen, dann ein Kügelchen scheiben (rollend bewegen).
09] Bringst du es durch einen gelungenen Wurf ins zehnte und somit letzte und entfernteste Grübchen, so bist du des Spieles König; bringst du es ins neunte, dann bist du ein Minister; im achten bist du ein Feldherr!
10] Im siebten ein Landpfleger, im sechsten ein Richter, im fünften Priester, im vierten ein Landmann, im dritten ein Vater, im zweiten eine Mutter und im ersten ein Kind!
11] Wie dann das Spiel weitergeht, das werde Ich dir schon wieder erklären, wenn die Grübchen besetzt werden.«
12] Hier nahm lächelnd der Cyrenius ein Kügelchen und schob es nach dem Wege, und das Kügelchen rollte sogleich ins erste Grübchen! -
13] Und das Kindlein fragte: »Bist du mit diesem Stande zufrieden? Ansonst kannst du als Anfänger noch zwei Male schieben!«
14] Und der Cyrenius sagte: »Mein herrliches Leben, Mein Jesus! ich bleibe schon, wo ich nun bin!«
15] Und das Kindlein sprach: »Gut, so schiebet ihr nun darauf, einer nach dem anderen. Ich werde dann zuletzt schieben!«
16] Und die Kinder schoben ihre Kügelchen, besetzten aber nicht alle Grübchen, sondern sie kamen oft zu zwei und zu drei in ein Grübchen! -
17] Am Ende schob das Kindlein, und es kam, wie sonst allezeit, ins zehnte Grübchen! -
18] Da hielt sich das Mädchen auf und sprach: »Aber so muß denn der kleine Jesus allzeit ein König sein!«
19] Das Kindlein aber sagte zum Mädchen: »Warum grämst du dich darob, hast (du) doch vor Mir geschoben, warum bist (du) denn so ungeschickt in deiner Hand! -
20] Grolle Mir aber nicht darob, sonst werde Ich gleich wieder eine Maus über dich kommen lassen, vor der du dich so sehr fürchtest!«
21] Darauf sagte das Mädchen nichts mehr, und begnügte sich allein in ihrem zweiten Grübchen! -
22] Es war aber das neunte, achte, siebte und sechste Grübchen unbesetzt, da sagte der Cyrenius zum Kindlein:
23] »Siehe, Du mein Leben! - Nun gibt es noch keinen Minister, keinen Feldherrn, keinen Landpfleger und keinen Richter!
24] Wer wird nun diese Hauptstellungen übernehmen?«
25] »Diese Stellen«, sprach das Kindlein, »muß ich nun selbst versehen, weil sie niemand besetzt hatte; denn alle die unbesetzten Posten müssen von einem, vom Königsgrübchen gerechnet, besetzten übernommen werden! -
26] Wäre der Minister besetzt, da fielen die drei nachfolgenden Posten ihm zu. Da er aber unbesetzt ist, so fallen die 4 Grübchen nun dem König zu! - Da nun aber die Grübchen alle besetzt sind, so gehen wir auf das eigentliche Spiel über!«

192. Kapitel: (25.04.1844)

01a] Und weiter sprach das Kindlein zum Cyrenius: »Nun, da ich der König bin, so muß Mir aus euch auch ein jeder wie einem Könige gehorchen! -
02a] Und so höret nun Meine Gesetze! - Das Grübchen der Priester sei weise, ernst und gut! (Ende des Ergänzungstextes)
03a] Wenn du lachst, wenn jemand anders lacht, dann fehlst du und wirst deines Amtes enthoben und fällst in die Strafe dadurch.
04a] Du Grübchen des Landmanns sei tätig; wenn du lau bist, wirst du hungern müssen!
05a] Du Vatergrübchen sei voll Liebe gegen deine Kinder, und erziehe sie recht und gerecht, sonst wirst du ihnen zum Gespötte werden!
06a] Du Muttergrübchen sei häuslich und voll Gottesfurcht, auf daß deine Säuglinge weise werden!
07a] »Und du, mein gutes, liebes Kindergrübchen, bleibe, wie du bist: ein steter Lehrer der Weisen zur Weisheit in Gott!
08a] Nun, das sind die Gesetze; diese müssen genau befolgt werden! -
09a] Will aber jemand eine Gnade von Mir, der muß knieend zu Mir darum kommen!
10a] Nun gehet und handelt, und lasset Mich allein! Du, Cyrenius, aber mußt mit Vater und Mutter gehen, weil du ein Kind bist!«
11a] Nun gingen ein Mädchen und ein Knabe als Priester ganz ernstlich und gravitätisch davon und stellten sich auf einen etwas erhabeneren Platz.
12a] Dann gingen zwei Mädchen und ein Knabe als Landleute davon und tummelten sich dann recht geschäftig am Boden herum, als hätten sie die wichtigste Arbeit.
13a] Darauf gingen wieder ein Knabe und ein Mädchen, gar ernstlich sich haltend, davon und stellten den Vater dar, weil der Vater in seinem Herzen auch eine Mutter sein soll, um ein rechter Vater zu sein.
14a] Darauf ging die alleinige Mutter und nach ihr das Kind, nämlich Cyrenius; und die Mutter aber scheute sich vor ihrem Kinde und getraute sich nicht, mit ihm zu reden und ihm weise Lehren zu geben.
15a] Sie kehrte darum zum Könige zurück und bat Ihn um die Gnade, daß Er ihr einen andern Posten geben möchte.
16a] Der König aber beschied sie zu den Priestern, und diese fingen an zu lachen, als sie die Mutter auf sich zulaufen sahen.
17a] Da berief der König sogleich die Priester und setzte sie ab, weil sie gelacht hatten, da sie ernstweise hätten sein sollen, und steckte sie unter die Landleute.
18a] Die Landleute aber fingen bald untereinander zu hadern und zu zanken an, und der König berief sie und machte sie recht aus und stiftete Ruhe unter ihnen.
19a] Nun kam wieder die Mutter und begehrte einen anderen Posten.
20a] Der König aber sprach: »Da du die Liebe darstellst in ihrer Weisheit, so sei du der Priester!«
21a] Nun aber kam der Vater und beklagte sich, daß er kein Weib habe, weil die Mutter ein Priester sei.
22a] Und der König sprach: »So nimm das Kind, und gehe hin und werde, was die Mutter ist!«
23a] Und also geschah es; aber der Priester fing an, starke Achtungsforderungen an die Landleute zu machen.
24] Da fing es bald an, darunter- und darüberzugehen, und der König berief daher alles wieder zurück und sprach: »Ich sehe, daß ihr uneins seid; daher wollen wir zu einem neuen Schube schreiten!«


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