Jakob Lorber: 'Kindheit und Jugend Jesu'

41. Kapitel: Josephs Voraussage vom Kindermord. Des Cyrenius Grimm über Herodes. Die glückliche Seereise nach Ägypten. Josephs Segen als Fährlohn an die Schiffer und an Cyrenius. Die heilige Familie in Ostrazine (09.10.1843)

01] Darauf sprach Joseph zum Cyrenius: »Edler Freund, gut und edel ist dein Vorsatz; aber du wirst ihn kaum auszuführen imstande sein.

•  Matthäus.02,16a] a Als Herodes nun sah, daß er von den Weisen betrogen war, wurde er sehr zornig und b schickte aus und ließ alle Kinder in Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die zweijährig und darunter waren, (a jl.kjug.033,03 b jl.kjug.033,17; jl.kjug.033,24; jl.kjug.041,02; jl.kjug.047,09-050,27)
02] Denn siehe, noch in dieser Nacht a werden Briefe zu dir gelangen vom Herodes aus, in denen du aufgefordert wirst, b (alle) Kindlein männlichen Geschlechtes von ein bis zwei Jahren längs dem Meeresufer aufzufangen und nach Bethlehem zu schicken, damit sie Herodes dort töten wird! (a  Matthäus.02,16; jl.kjug.033,03; b jl.kjug.033,17; jl.kjug.033,24; jl.kjug.041,02; jl.kjug.047,09-050,27)
03] Du kannst dich aber dem Herodes wohl widersetzen; aber dein armer Bruder muß leider zu diesem bösen Spiele eine politisch gute Miene machen, um sich nicht dem Bisse dieser giftigsten aller Schlangen auszusetzen.

•  Matthäus.02,17] a Dadurch wurde erfüllt, was gesagt ist durch den Propheten Jeremia, der da spricht: (jl.kjug.041,04)
•  Matthäus.02,18] a »Auf dem Gebirge hat man ein Geschrei gehört, viel Klagen, Weinen und Heulen; b Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen.« (a Jeremia.31,15; b1. Mose.35,19; jl.kjug.041,04)
04] Glaube mir, während ich nun bei dir bin, wird a in Bethlehem gemordet, und hundert Mütter zerreißen in Verzweiflung ihre Kleider ob dem grausamen Verluste ihrer Kinder. (a Matthäus.02,17-18)

•  Matthäus.02,16c] ... nach der Zeit, die er von den Weisen genau erkundet hatte. (a jl.kjug.041,05)
05] Und das geschieht alles dieses einen Kindes wegen, von Dem die a drei Weisen Persiens geistig aussagten, daß Es ein König der Juden sein werde. (a  Matthäus.02,16c)
06] Herodes aber verstand darunter einen Weltkönig; darum will er ihn töten, indem er selbst die Herrschaft Judäas erblich auf sich bringen will und fürchtet, dieser möchte sie ihm entreißen - während dies Kind doch nur in die Welt kam, das Menschengeschlecht zu erlösen vom ewigen Tode!«

Schiffsreise nach Ägypten mit der Hl. Familie als Strategie des Cyrenius, seine Benachrichtigung durch Herodes zu verzögern

07] Als Cyrenius solches vernommen hatte, da sprang er auf vor Grimm gegen Herodes und sprach zu Joseph:
08] »Höre mich an, du Mann Gottes! Dieses Scheusal soll mich nicht zu seinem Werkzeuge dingen! Heute noch werde ich mit dir abreisen, und in meinem eigenen dreißigruderigen Schiffe wirst du ein gutes Nachtlager finden!
09] Meinen vertrautesten und bei allen Göttern geschworenen Amtsgehilfen aber werde ich schon die Weisung geben, was sie mit allen Boten zu tun haben, die da mit an mich gerichteten Depeschen hier anlangen.
10] Siehe, nach unseren geheimen Gesetzen müssen sie so lange in Gewahrsam gehalten werden, bis ich wieder hierher komme!
11] Die Briefe aber werden ihnen abgenommen und müssen mir ohne das Wissen der Herodesboten nachgesandt werden, auf daß ich daraus ersehe, wessen Inhaltes sie sind.
12] Ich aber weiß nun schon, wes Inhalts die Briefe sicher sein werden und weiß auch, wie lange ich ausbleiben werde; sollten Nachboten kommen, so wird auch sie der Wartturm aufnehmen auf so lange, bis ich wiederkomme!

Einwöchige Reise der Hl. Familie nach Ostrazine mit Cyrenius

13] Und so laß nun deine Familie reisefertig machen, und sogleich wollen wir mein sicheres Schiff besteigen!«
14] Joseph aber ward nun damit zufrieden, und in einer Stunde befanden sich alle ganz wohl untergebracht im Schiffe; selbst die Lasttiere Josephs wurden wohl untergebracht im Schiff; selbst die Lasttiere Josephs wurden wohl untergebracht. Ein Nordwind blies, und die Fahrt ging wohl vonstatten.
15] Sieben Tage dauerte die Fahrt und alle Matrosen und Schiffsleute beteuerten, daß sie so ganz ohne den allergeringsten Anstand noch nie dieses Gewässer durchrudert hätten, als diesmal, -
16] was sie aber für diese Zeit um so mehr für wunderbar hielten, indem - wie sie ihres Glaubens sagten - der Neptun in dieser Zeit gar wunderlich sei mit seinem Elemente, da er seine Schöpfungen im Grunde des Meeres ordne und mit seiner Dienerschaft Rat halte!
17] Cyrenius aber sagte zu den sich wundernden Schiffsleuten: »Höret, es gibt eine zweifache Dummheit: die eine ist frei, die andere geboten!
18] »Wäret ihr in der freien, da wäre euch zu helfen: aber ihr seid in der gebotenen, welche sanktioniert ist und da ist euch nicht zu helfen.
19] »und so möget ihr ja dabei bleiben, als habe Neptun seinen Dreizack verloren und habe sich nun nicht getraut, mit seiner schuppigen Hand uns zu züchtigen für unsern Frevel, den wir an ihm begangen haben!«
20] Joseph aber sprach zu Cyrenius fragend: »Ist es nicht üblich, daß man den Schiffsleuten einen Lohn verabreicht? Sage es mir, und ich will es tun, wie sich's gebührt, damit sie uns nichts Übles nachreden sollen!«
21] Cyrenius aber sagte: »Laß das gut sein! Denn siehe, diese sind unter meinem Gebote und haben ihren Dienstsold, - daher hast du dich um Weiteres nicht zu bekümmern!«
22] Joseph aber erwiderte: »Das ist sicher und wahr, - aber sie sind doch auch Menschen wie wir; daher sollen wir ihnen auch als Menschen entgegenkommen!
23] »Ist ihre Dummheit eine gebotene, so sollen sie ihre Haut dem Gebote weihen, aber ihren Geist soll meine Gabe ihnen frei machen!
24] »Laß sie daher hierher kommen, auf daß ich sie segne und sie in ihren Herzen möchten zu gewahren anfangen, daß auch für sie die Sonne der Gnade und Erlösung aufgegangen ist!«
25] Hier berief Cyrenius die Schiffsleute zusammen, und Joseph sprach über sie folgende Worte:
26] »Höret mich an, ihr getreuen Diener Roms und dieses eures Herrn! Treu und fleißig habt ihr das Schiff geleitet; ein guter Lohn soll von mir, dem diese Fahrt galt, euch dargereicht werden!
27] »Aber ich bin arm und habe weder Gold noch Silber; aber ich habe die Gnade Gottes im reichen Maße, und das ist die Gnade jenes Gottes, den ihr den ,Unbekannten' nennet!
28] »Diese Gnade möge euch der große Gott in eure Brust gießen, auf daß ihr lebendigen Geistes werdet!«
29] Auf diese Worte kam über alle ein endloses Wonnegefühl, und alle fingen an, den unbekannten Gott zu loben und zu preisen.
30] Und Cyrenius erstaunte über diese Wirkung des Segens von Joseph und ließ sich dann selbst segnen von ihm.


voriges Kapitel Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers nächstes Kapitel