Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 2


Ein denkwürdiges Protokoll (13.06.1843)

   00] Teils nach mündlicher Erzählung, teils nach kleinen Niederschriften Jakob Lorbers niedergeschrieben von Anselm Hüttenbrenner. schrieb und an die Stelle gelangt war, wo die Naeme zu Jehova spricht: »Ich aber bin ja ohnehin eine traurige Frucht der Nacht und der Sünde und trage, als der Sünde allzeit sichere Strafe, schon in mir den ewigen Tod« (jl.hag1.159)- da erschien dem Schreiber des Wortes Gottes sein am 15. September 1841 in einem Alter von 75 Jahren verstorbener musikalischer Freund, der Kapellmeister und Orchesterdirektor Ed. H., sehr düster und blaß aussehend, ärmlich gekleidet, und sprach zu Jakob Lorber:
   02] »Lieber Bruder, mir geht es schlecht! Ich und noch mehrere, die mit mir sind, wir gleichen herrenlosen Hunden. Wir müssen gewaltig Hunger leiden. Ich lebe von alten, harten Stückchen Brotes, die ich in meiner Rocktasche finde, so oft mich hungert. Anderen geht es noch viel schlechter, die verzehren faules Holz, ja manche essen sogar ihren eigenen Unrat.« (Die in ungeläutertem Zustande von der Welt abgeschiedenen Seelen gelangen zunächst in einem traumartigen, seelisch-geistigen Innenleben zur Weiterentwicklung. Was sie dabei in sich schauen und erleben, ist nicht objektive Wirklichkeit, sondern eine von den belehrenden Schutzmächten beeinflußte Vorstellung ihrer Phantasie. (Vgl. »Unsterblichkeit und Wiedersehen«, S.19ff; »Großes Evangelium Johannes«, Band 7, Kap.66,11ff. jlev07.066,11 ff). Von diesem Gesichtspunkte aus sind auch die Angaben des Geistes E.H. zu verstehen.)
   03] Jakob Lorber ermahnte seinen Freund, daß er sich nur an den Herrn Jesus wenden solle, dann werde er schon mehr und bessere Kost bekommen.
   04] Tags darauf, am 19. Februar 1842, kam E. H. wieder zu Jakob Lorber und erzählte ihm, daß er auf einer Schaubühne ein mit einem lieblichen Antlitze versehenes Frauenzimmer von kolossaler Größe erblickt habe. Ihre Füße seien beinahe so dick wie ein Halbstartinfaß (Startin, steirisches Flüssigkeitsmaß). Anfänglich sei sie ihm bekleidet erschienen, dann aber habe sie sich ihm ganz nackt gezeigt, und er, E. H., sei immer genötigt, sie anzuschauen.
   05] Jakob Lorber bedeutete seinem Freunde, daß er seine Augen nun abwenden solle von dieser entblößten Weibsperson und solle dafür gläubig auf den Herrn sehen. Diese nackte Gestalt sei die aus dem E. H. durch Hilfe des Herrn hinausgetretene fleischliche Begierde.


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