Jakob Lorber: 'Himmelsgaben', Band 2


6. Das Vaterunser bezogen auf »Freiheit«

   53] Was die »Freiheit« an und für sich betrifft, so ist sie ein guter Begriff. Nur ist dieser Begriff gleichbedeutend mit der Zusammenfassung des wahren Liebelebens im Vollbesitze der reinen und tiefen Weisheit, welche alles Leben erst wahrhaft frei macht, wie da der Sohn oder das Wort oder die Wahrheit wahrhaft frei macht den Menschen, der sie lebendig, das ist tätig, in sich aufgenommen hat. - Darnach ist Freiheit, Weisheit, Licht, Wahrheit, der »Sohn« oder das ewige göttliche »Wort« ganz eins und dasselbe.
   54] Wer demnach im (lebendigen) Worte betet, der betet auch in der wahren lebendigen Freiheit. Und es ist demnach eine weitere Abfassung dieses Gebetes völlig unnötig, indem es gerade also, wie im Buche, ebenfalls im lebendigen Worte steht.
   55] Damit es aber der A.H.-W. habe zu seiner Einsicht, so will Ich es ihm geben auch in dem Begriffe! Und so schreibe es denn:
   56] »Unsere Freiheit, die Du wohnest in Deiner ewigen Freiheit! Werde von uns Menschen als solche in aller unserer Demut erkannt!
   57] Komme ewig und lebendig leuchtend zu uns und in uns! Mache uns völlig frei, also wie Du es bist ewig in Dir Selbst!
   58] Sei uns das lebendige tägliche Brot als eine wahre Sättigung des Geistes zum ewigen vollkommenen Leben in Dir!
   59] Befreie uns von unserer Knechtschaft, welche da ist unsere Sünde, also wie wir selbst lebendig streben nach Deinem Worte und wie wir als Brüder uns gegenseitig frei machen durch Deine Gnade!
   60] Laß uns nimmer in die Gefangenschaft der Lüge, der Nacht und alles Truges geraten, sondern befreie uns alle durch Dein lebendiges, heiliges Wort von allem Übel! Amen.«
   61] Solches kann entnommen werden der ganzen Fülle des Wortes Gottes nach sonderheitlich aus dem Texte: »Die Wahrheit wird euch wahrhaft frei machen« (joh.8,32). - Denn solches besagt dieses Gebet in der wahren »Freiheit«.

7. Das Vaterunser bezogen auf »Wahrheit«

   62] Da die »Wahrheit« in sich die allereigentlichste Freiheit ist und daher auch alles völlig frei macht, so ist dieses Gebet in der »Wahrheit« auch ganz vollkommen das, was es ist in der »Freiheit«. Denn wer da betet in der vollen Wahrheit, der betet auch in der vollen Freiheit. Und wer betet in der wahren Freiheit des Geistes, der betet auch in der vollsten Wahrheit und kann demnach sagen:


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