Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 338. Kapitel: Gottes Gespräch mit Mahal. Mahals herausfordende Fragen an Gott und Gottes weise Antwort. Vom Wesen der Reue Gottes. Die natürlichen Ursachen der Sündflut. (06.08.1844)

   01] Es erschraken aber alle gar gewaltig, als sie den Herrn, Ihn wohl erkennend, nach dem Sturme unter sich stehend ersahen; und Noah selbst hatte eine große Furcht.
   02] Der Herr aber sprach zu Noah: »Noah, fürchte dich nicht vor Mir; denn Ich bin nicht gekommen, um dich, noch jemand andern zu richten! Aber da Mich dein Bruder Mahal gefordert hat vor den Richterstuhl seiner Weisheit und Rechenschaft von Mir verlangt ob Meiner Sünde an seiner Gerechtigkeit, so mußte Ich ja doch wohl kommen, um zu retten Meine Ehre vor dir und deinen Kindern, wie auch vor den Kindern Mahals! Und so laß uns denn mit Mahal reden!«
   03] Hier wandte Sich der Herr an den Mahal und sprach zu ihm: »Mahal, Mein Sohn! Da Ich schon an deiner Gerechtigkeit soll gesündigt haben, da zeige Mir solche Sünde an, wie die am ganzen Volke der Erde, - und Ich stehe völlig bereit, hier alle Meine Sünde an euch tausendfach gutzumachen! Also rede du, Mein Sohn Mahal!«
   04] Hier erhob sich der Mahal und stellte sich gar großen Ernstes dem Herrn gegenüber und sprach: »Herr, rede! Warum reut es Dich, den Menschen geschaffen zu haben? Sahst Du doch von Ewigkeit her, wie der Mensch wird! Wer nötigte Dich, Dir Selbst mit dem Menschen eine Sünde an den Hals zu binden?!
   05] Wäre es nun nicht endlos besser für uns von Dir geschaffene Menschen, so wir nie aus Dir in ein selbständiges Dasein getreten wären, und nicht auch besser für Dich, indem Du da doch sicher nicht nötig zu sagen hättest: Es reut Mich!'?!
   06] Was kann Dich wohl reuen sonst als eine durch die unvollkommene Erschaffung des Menschen an Dir Selbst begangene Sünde, die somit auch eine Sünde an uns Menschen ist - und ganz besonders eine Sünde an mir, der ich mich frei Dir gegenüber stellen kann mit jedem Augenblicke meines Lebens und kann Dich fragen:
   07] »Herr, zeige mir den Augenblick in meinem Lebensgange von der Kindheit an, da ich wider Deine Ordnung gesündigt habe, und ich will von Dir verflucht sein, wie Du dereinst die Schlange verflucht hast! So Du mir aber keine Sünde zeigen kannst, da gib mir den Grund, warum Du mich richten willst, und warum nicht auch meinen Bruder!«
   08] Und der Herr sprach: »O Mahal, wie entsetzlich finster muß es in dir aussehen, daß du also zu Mir redest, wie da noch nie ein Wesen geredet hat!
   09] Sage Mir, wie möglich vollkommener könnte der Mensch wohl gedacht werden, als so er also frei gestellt ist aus Meiner Allmacht hinaus, daß er wie ein zweiter Gott mit Mir, seinem ewig allmächtigen Schöpfer, um seine eigen geschaffene Ordnung rechten kann!? Daß er sein eigener Richter ist und sündigen kann wider Meine Ordnung, in der doch sonst die ganze Unendlichkeit ewig gerichtet ist?!«
   10] Mahal schwieg hier; denn er ersah die unbegreifliche Vollendung des Menschen in dessen höchst freiem Zustande.
   11] Der Herr aber sprach weiter: »Meinst du denn, Meine Reue ist wie die eines Menschen, der da gesündigt hat? O siehe, da auch bist du in großer Irre! Meine Reue ist nur ein Schmerz in Meiner Liebe, die da zusehen muß, wie die von Mir so höchst vollkommen gestellten Menschen sich selbst richten und zugrunde verderben!
   12] Meinst du denn, Ich habe den Plan gefaßt, je einen Menschen zu richten und zugrunde zu verderben? - Siehe, Ich tue stets nur das Gegenteil!
   13] Aber um eben die Menschheit nicht zu richten in Meiner Allmacht, muß Ich es nun leider zulassen, daß sich die Menschen selbst die Schleusen der Erde gewaltsam eröffnen, aus denen mächtige Fluten hervortreten werden und werden alles ersäufen, was da atmet in diesem größten Wohnbezirke der Erde!
   14] Ich sah das lange voraus; darum warnte Ich auch stets die Menschen. Aber nun haben sie einen Krieg sogar gegen Mich unternommen und wollen die ganze Erde mit ihren Sprengkörnern zerstören, wie sie nun auch schon einen Berg um den andern in die Luft sprengen; und das ist ihr eigenes Gericht!
   15] Siehe, unter den Bergen aber sind große Wasserbecken und enthalten über drei Millionen Kubikmeilen Wassers; dieses Wasser aber wird hervorbrechen und wird steigen über die Hochgebirge dieser Wohnbezirke und wird auch in Dünste hüllen den Erdkreis, aus denen es gewaltsam regnen wird!
   16] O sage, tat Ich nicht recht, so Ich den einen Mir noch gehorsamen Noah diesen Kasten bauen ließ zur Rettung seines Lebens wenigstens, wenn schon sonst niemand Mich mehr hören will?!
   17] Nun sage du Mir jetzt, wann Ich dir von dem Kasten Gebrauch zu machen verboten habe; dann werde Ich wieder reden!«
   18] Mahal war wieder stumm; der Herr aber redete weiter, wie da folgt.


Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers