Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 339. Kapitel: Gottes Aufforderung an Mahal. Mahals törichte Einwurfsfragen und Gottes weise und sanfte Antworten über Tod und Unsterblichkeit. Mahals Frage nach dem Ursprung des Satans und seiner Grundbosheit und Gottes klare Antwort. (07.08.1844)

   01] Und also redete der Herr: »Siehe, du Mein Sohn Mahal, der du Mich also streng herausgefordert hast, du bist nun still und magst nicht reden und rechten mit Mir ob Meiner Sünde an dir, wie auch am ganzen Menschengeschlechte! Wenn du aber nun nichts zu reden und zu rechten weißt, wie werde Ich dir denn da einen Schadenersatz bieten können?!
   02] Ich aber sage dir: Stelle es mir aus, was dir an Meiner Schöpfung nicht recht ist, und Ich will es ändern im Augenblicke; nur aber mußt du Mir zuvor gründlich erweisen, daß es da in Meiner Schöpfung wirklich etwas Schlechtes und somit Verwerfliches gibt! - Rede, und Ich will sogleich darnach handeln!«
   03] Hier bedachte sich der Mahal eine Zeitlang, richtete sich dann auf und sprach zum Herrn: »Herr, hältst du den für klug, der ein überaus kunstvollstes Werk mit der größten und tauglichsten Zweckmäßigkeit zuwege bringt, - wenn es aber in seiner höchsten Vollendung dasteht, da bricht er es zusammen, wirft es in eine Grube, allwo es verfault und zunichte wird?!
   04] Und der Herr sprach: »So das ein Werkmeister zwecklos täte, da wäre er ein offenbarer Tor und wäre der Verdammnis wert; aber wenn der Werkmeister damit einen höheren heiligen Zweck verbindet, der ohne einen solchen dir töricht und unklug dünkenden Vorgang durchaus nicht zu erreichen ist, da tut er sicher sehr klug und weise, wenn er solch ein wennschon kunstvollstes Vorwerk vernichtend in eine Verwesungsgrube wirft, - denn er erreicht dadurch ja einen höheren und heiligen Zweck!
   05] Siehe, ein Samenkorn ist gewiß auch ein höchst kunstvolles Werk sowohl in seiner Konstruktion, wie in den substantiellen Teilen, aus denen es zusammengesetzt ist; findest du aber die Einrichtung unklug, daß es in der Erde zuvor verwesen muß, auf daß es dann aus dieser Verwesung hundertfältig wieder erstehe?!
   06] Wenn aber der weise Werkmeister der Dinge schon bei einem gemeinen Samenkorne eine solche Einrichtung getroffen hat, meinst du da wohl, Er wird diese Einrichtung in ihrer höchsten Vollendung beim Menschen auf die Seite gestellt haben und wird dies endlos vollkommenste Werk bloß darum in die Grube der Verwesung stürzen, um Seiner Laune zu genügen?!
   07] O Mahal, wie blind mußt du sein, wenn du an Mir einen so törichten Werkmeister wähnst! Sagt es dir nicht dein eigen Gefühl, daß du ewig leben möchtest und möchtest tiefer beschauen Meine endlos vielen Werke?! Meinst du wohl, daß du dieses Gefühl hättest, so du nur für ein zeitliches Dasein geschaffen wärest? Wahrlich, sage Ich, dein Schöpfer, es dir, da würdest du auch nur einen zeitlichen und keinen ewigen Lebenstrieb haben!
   08] Da du aber einen ewigen Lebenstrieb in dir hast und kannst schauen hinaus ins Unendliche, da trägst du ja schon den lebendigen Beweis in dir, daß du in deiner Grube nicht darum verwesen wirst, um als ein allervollendetstes Werk Meiner Hand zunichte zu werden, sondern eben erst durch dieses dir unklug scheinende Mittel das in Fülle und höchster Vollendung zu erreichen, was du in diesem Vorwerke fühlst und für ewig lebendig begehrst!
   09] Siehe, die Erde ist ein Leib, aus dem vieles geboren wird, und du weißt es nicht, wie das zugeht, daß da also geschieht; also muß ja auch dein irdischer Leib wieder in die Erde gelegt werden, auf daß dein geistiger, unzerstörbarer Leib frei in der Fülle zum ewigen Leben erstehe!
   10] Daß sich aber die Sache also verhält, davon hast du in deinem Leben schon die vielfachsten Beweise erlebt, indem du schon mit gar vielen geredet hast, deren Leib auch in die Erde gelegt ist worden.
   11] Ich meine, daß demnach dein Mir gemachter Vorwurf unbegründet ist; daher schreite zu einem andern, denn damit wirst du Mich zu keinem Schadenersatze nötigen!«
   12] Als der Mahal solche Rede vom Herrn vernommen hatte, da war er überzeugt, daß der Herr vollkommen handle in diesem Punkte; aber er dachte da an den Satan und sprach zum Herrn:
   13] »Herr, ich ersehe, daß da nach Deinem ewig wahren Worte die Einrichtung mit Deinen Werken gut ist, indem Du sicher nur auf diesem Wege mit Deinen Werken die höchsten Zwecke erreichen kannst; wenn aber demnach alles gut und vollkommen von Dir ausgegangen ist und außer Dir in der ganzen Unendlichkeit nichts ist und alles, was da ist, demnach Dir gleich gut und vollkommen sein muß, - o sage, wessen Ursprungs ist demnach der Satan und dessen unbegrenzte Bosheit? Woher nimmt er das, womit er nun alle Menschen gegen Dich aufgewiegelt hat, daß sie Dich verachten und, so es möglich wäre, Dich Selbst mit allen Deinen Werken vernichten möchten? O sage, wer da ist des Satans Schöpfer und Werkmeister?!«
   14] Und der Herr sprach: »O du blinder Verfechter blinder Rechte deiner Selbstsucht, was redest du?! Hast du denn vergessen, wie vollkommen Ich den Menschen geschaffen habe, daß er außer Meiner Allmacht tun kann, was er will, wie ein zweiter Gott, nach einer frei von ihm gestellten Ordnung?! Meinst du, der Satan als ein freies Wesen solle unvollkommener sein als du?! Wenn du Mir gegenüber tun kannst, was du willst, ohne Berücksichtigung Meiner Ordnung, solle das dem freien Geiste unmöglich sein?!
   15] Muß Ich euch nicht handeln lassen, wie ihr wollt, so Ich euch nicht gerichtet haben will in Meiner Allmacht?! Wenn aber also, da sage du, wie Ich den ersten Geist hätte gestalten sollen, daß er nach deinem Sinne handeln müßte in Meiner Ordnung, dabei aber dennoch haben solle eine vollkommene Willensfreiheit! Oder besteht die Vollendung der Wesen nicht in dem nur, daß sie ganz frei wollen und tun können, - ob es nun für oder gegen Meine Ordnung ist!«
   16] Hier ward der Mahal schon wieder stumm und wußte nicht, was er weiter reden solle.
   17] Aber der Herr redete weiter, wie da folgt.


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