Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 286. Kapitel: Geheime Verschwörung der 70000 Großbürger in einer der früheren Weiberverschönerungsanstalten. (24.05.1844)

   01] Abermals führte Mahal den Fungar-Hellan durch mehrere abseitige Gassen und Straßen und kam dort vor ein altes Gebäude von großer Ausdehnung. Als er allda anlangte, da blieb er stehen und fragte den Fungar-Hellan, was dieser wohl meine, was es sei, das in diesem Gebäude nun vor sich ginge.
   02] Und der Fungar-Hellan sprach: »Freund, wie sollte ich das wissen? Kenne ich doch dieses Gebäude selbst kaum und muß dir offenherzig bekennen, daß ich es jetzt in meinem Leben sicher zum ersten Male sehe! Denn wer sollte da wohl imstande sein, in dieser Stadt alle die Gebäude zu kennen, deren es wahrhaft eine Unzahl gibt?! Daher bitte ich dich, der du Kenntnisse von allen Dingen hast in deiner Seele: gib du mir kund, was hier vor sich geht!«
   03] Und der Mahal sprach: »So höre! Siehe, hier ist ein abseitiger und daher sehr günstiger Versammlungsort von zweimal hunderttausend Meuterern gegen dich und den König Gurat. Dieses übergroße Gebäude war einmal eine schnöde Weiberverschönerungsanstalt; nun aber ist es ein Haus der Meuterei.
   04] Gegenwärtig befinden sich siebzigtausend Großbürger dieser Stadt in den vielen und weiten Gemächern dieses Gebäudes und halten unter siebzig vorsitzenden Delegierten und Deputierten Drohuits und der Agla einen gar schmählichen Rat gegen dich und den König Gurat.
   05] Du möchtest wohl hineingehen und dich von allem selbst überzeugen; aber das würde da wohl nicht geheuer sein!
   06] Darum begeben wir uns in dieses zerfallene Gebäude gegenüber dieser großen Burg, und wir dürfen dort in einem guten Verstecke kaum eine halbe Stunde warten, und du wirst bald die Kongregation aus diesem Gebäude herausziehen sehen und viele Bekannte in ihrer Mitte!«
   07] Auf diese Worte Mahals begab sich die ganze, große Gesellschaft in die Schlupfwinkel der Ruine und harrte dort des Austrittes der Versammlung. Es verlief kaum eine halbe Stunde, da öffnete sich das große Tor, und bei anderthalb Stunden dauerte der Auszug, unter dem der Fungar eine Menge Wohlbekannter zählte, ja sogar mehrere Oberpriester!
   08] Und so im Vorübergehen bemerkte der General, wie da einige Hochgestellte untereinander sprachen und sagten: »Nur einen Punkt noch haben wir zu besiegen: die Macht Fungars, die noch sehr stark auf ihn hält, die muß fallen. Der schlaue Fuchs hat sich bisher zwar in keiner ihm gelegten Falle fangen und töten lassen; aber das tut nichts zur Sache! Denn nun haben wir ihn doch! Die weise Agla brachte es mit ihm so weit, daß er seinen größten Feind selbst zum Könige machte; dieser stellt nun eine Hauptmacht zusammen und in zehn Tagen wird die Sache entschieden sein!«
   09] Als der Fungar-Hellan solches vernommen, da umfaßte er den Mahal und sprach: »Nun erst erkenne ich dich als meinen größten Freund! Nun weiß ich alles und sage nicht mehr: Komme, und siehe meine Staatsverfassung!', sondern ich bitte dich um den besten Rat, was ich nun tun soll!«
   10] Und der Mahal sprach: »Der Rat wird folgen; aber zuvor mußt du noch etwas in Augenschein nehmen! Daher folge mir schnell, und überzeuge dich von allem!«
   11] Und der Fungar ging sogleich wohin ihn Mahal führte.


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