Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 3

Kapitelinhalt 287. Kapitel: Zug in die Burg und in die Generalswohnung. Vergiftete Glassplitter auf dem Fußboden. (25.05.1844)

   01] Wohin ging denn jetzt der Marsch? Wohin mußte denn der Fungar-Hellan nun noch vor der versprochenen Erteilung eines guten Rates dem Mahal noch folgen? - In die Wohnung in der Burg der Priester selbst, und da dann auch in die große Wohnung des Generals!
   02] Als die ganze, große Gesellschaft allda anlangte, da fragte Mahal den Fungar-Hellan: »Dieses Gebäude, an der Größe einem recht weitläufigen Gebirge nicht viel nachgebend, wirst du wohl kennen?!'
   03] Und der Fungar-Hellan sprach, etwas schmunzelnd: »Ja, das dürfte mir so ziemlich bekannt sein! Aber was soll es hier in meinem Hause?'
   04] Und der Mahal sprach: »Gehen wir nun zuerst in die Wohnung der Priester, und zwar zuerst in die der Unterpriester, und du wirst es sogleich einsehen, was es hier soll!«
   05] Auf diese Worte ging die ganze Gesellschaft sogleich in die große Kommunalwohnung der Unterpriester und fand sie sehr tätig.
   06] Worin bestand aber die Tätigkeit? - Sie schärften die Spitzen der Schwerter und Lanzen, wärmten dieselben über einem Kohlenfeuer und tauchten dann die nahezu heiß gemachten Spitzen in das schon bekannte Gift!
   07] Als aber die Unterpriester, die früher - wie bekannt - Oberpriester waren, den Fungar-Hellan erblickten, da überfiel sie eine große Angst, daß sie darob alles fallen ließen.
   08] Und als der General sie mit Donnerstimme fragte: »Was geschieht hier? Wer hat euch das zu tun befohlen?", da konnte keiner ein Wort über seine Lippen bringen; denn ein jeder sah sich nun als verraten und verloren an.
   09] Der Fungar aber fragte sogleich den Mahal, was er hier tun solle.
   10] Und der Mahal sprach: »Hier fange an zu handeln! Laß sogleich Kriegsknechte kommen und gefangennehmen diese ganze Rotte; denn diese ist des Drohuit und der Agla Hauptstütze und hat beide zu deinen größten Feinden zu machen gewußt, und das aus altem Hasse gegen dich, dessen Grund dir wohl bekannt sein wird!
   11] Eben diese Unterpriester haben dir auch schon eine Menge Oberpriester abhold gemacht und sind der geheime Hauptgrund der gegenwärtigen Meuterei! An ihnen kannst du des Gesetzes ganze Strenge vollziehen lassen; doch sei zurückhaltsam mit der Todesstrafe!«
   12] Auf diese Worte ließ der General sogleich etliche tausend Krieger kommen; diese banden sogleich die Unterpriester und warfen sie in die untersten und festesten Kerker.
   13] Und der Fungar ließ darauf alle die vergifteten Waffen sammeln und sie in einen guten Gewahrsam bringen.
   14] Darauf führte ihn der Mahal in seine eigene Wohnung und sprach vor der Türe, die ins erste große Gemach führte:
   15] »Laß zuerst Kammerfeger und Kätzer (Putzer) kommen, daß sie vor unserem Eintritte die Fußböden sorgfältigst reinigen und gar wohl auskätzen (ausputzen), - sonst kostet uns ein jeder Tritt das Leben! Denn einige mit den Unterpriestern verbundene Oberpriester haben den ganzen Boden mit vergifteten Glassplittern übersät, und der kleinste Ritz in die Fußsohlen kostet jedem von uns das Leben!«
   16] Der Fungar-Hellan befolgte sogleich den Rat des Mahal und ließ Feger und Putzer kommen; und diese kamen, mit Holzschuhen an ihren Füßen, und reinigten alle Gemächer des Generals.
   17] Der General aber fragte die Feger und Kätzer: »Warum habt ihr euch denn also beschuht? Wußtet ihr denn, was für ein Unrat in meine Gemächer gestreut wurde?«
   18] Hier verstummten die Feger und Kätzer und fingen an zu beben vor dem General.
   19] Und der Mahal sagte zum Fungar-Hellan: »Diese handelten im Zwange; daher behandle sie gnädig!«
   20] Und der Fungar-Hellan sprach: »Gebet mit der größten Treue mir alles kund, so will ich euer schonen!«
   21] Hier fingen sie an zu reden, daß sich darob des Generals Haare gen Berg zu sträuben anfingen.
   22] Was sie redeten, - davon in der Folge!


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