Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 186. Kapitel: Kisehels Auftrag an Lamech, einen Tempel als Aufbewahrungsort für die kostbare heilige Tafel zu bauen.

   01] Als demnach die Tafel ausgegraben war und dem auf ihr gezeichneten allerheiligsten Namen von all den Anwesenden die allertiefste Verehrung und Verherrlichung dargebracht worden war, da nahm der Kisehel die Tafel in seine Hände, drückte sie auf seine Brust und sagte dann, wie zur Tafel redend:
   02] »O du Name, du heiliger Name, du erstes Wort aus dem Munde Gottes, das ehedem war, ehe noch außer Gott ein sich selbst bewußtes, denkendes Wesen da war, - ja, du allerewigstes Wort, du Urgrund aller Wesen und Dinge, welche da erfüllen die ganze Unendlichkeit, wie mild und sanft strahlst du mich an!
   03] Einfach sind zwar deiner Zeichnung Züge, aber sie haben keinen Anfang und kein Ende.
   04] Ja, also ist auch gerecht die Zeichnung; denn Gott hat auch keinen Anfang und kein Ende.
   05] Er ist und wird ewig sein ein unendlicher Gott; also ist diese Zeichnung für uns auch darum ein gerechtes Bild des allerheiligsten Namens und soll darum im Hinblicke auf Den, den es bezeichnet, stets in der größten Verehrung und Verherrlichung gehalten werden!«
   06] Hier wandte sich der Kisehel zum Lamech und sagte ganz gerührt zu ihm: »Lamech, siehe an dies heilige Kleinod; es sollte dir von nun an alles daran gelegen sein, dieses als ein heiligstes Panier deines Herzens, deines Landes und alles deines Volkes zu betrachten!
   07] Ein Haus sollst du erbauen auf dieser Stelle, das soll mit fünf, dann sieben und dann zehn Fenstern und drei Eingangspforten versehen sein; die eine soll gehen vom Abende, die eine vom Mittage und die eine von der Mitternacht.
   08] Der Teil gegen Morgen aber soll in drei Reihen haben die angegebenen Zahlen der Fenster; davon sollen zuoberst sein die fünf, in der Mitte die sieben, und zuunterst die zehn. Das Haus aber soll haben eine völlig runde Form und soll sein zwölf Mannslängen hoch, und sein Durchmesser soll auch soviel haben wie seine Höhe.
   09] Die Wände von innen sollst du überziehen mit Gold und allerlei Edelsteinen. Das Dach soll sein gleich einer halben Kugel und soll von innen wie von außen überzogen sein mit poliertem Golde; über dem Dache aber sollen noch drei Kugeln, eine jede von drei Mannslängen, übereinander, ebenfalls aus Gold angefertigt, sich befinden.
   10] in der Mitte dieses Hauses, das keine Stockwerke haben darf, sollst du aus lauter Rubinen und Diamanten einen Altar errichten, und auf diesem Altare erst soll dann diese Tafel aufrecht stehend angebracht werden.
   11] Wenn du aber alles das wirst nach dieser meiner Vorschrift angefertigt haben, danach sollst du den Platz um dieses Haus weit und breit reinigen, und es soll dann kein anderes Haus mehr in der Nähe dieses heiligen Hauses erbaut werden; denn das Haus soll für geheiligt gehalten werden.
   12] Die goldenen Tore dieses Hauses sollen an den Sabbaten den ganzen Tag hindurch offen stehen; an all den Arbeitstagen aber sollen sie verschlossen sein.
   13] Niemand soll mit bedecktem Haupte in dies Haus treten, und kein Weib unverhüllten Angesichtes.
   14] Wer also reinen Herzens in dieses Haus treten wird und wird Gott die Ehre geben, dem wird in diesem Hause eine große Stärkung werden.
   15] Der Frevler an diesem reinsten Hause aber wird im selben, wie auf seinem Platze, allzeit sein unvermeidliches plötzliches Gericht finden; darum soll auch der Platz mit einer drei Manneslängen hohen Mauer umfangen sein, durch welche nur eine Pforte aus Erz führen soll.
   16] Die äußere Wand des Hauses aber soll in gleichen Höhen von vier Mannslängen, und zwar zuunterst mit roter, in der Mitte mit grüner und zu oberst mit weißer Farbe übertüncht sein.
   17] Durch den Anblick dieser drei Farben soll ein jeder, der sich dem Hause nahen wird, erinnert werden, daß er sich Gott nur zuerst durch die Liebe seines Herzens nahen kann. Hat er sich Gott also genaht, so wird das Vertrauen und des Herzens Treue, welches ist der lebendige Lohn der reinen Liebe, sein Anteil sein; wem aber solches zuteil wird, dem wird auch die dritte, oberste Farbe zuteil, die da bezeichnet die Lebendigkeit des Glaubens, der da ist ein Licht des Geistes, welches der lebendigen Flamme der Liebe zu Gott im Herzen entstammt!
   18] Nun weißt du, lieber Bruder Lamech, alles, was da zu tun ist; nur das hast du bei dem Baue noch zu beachten, daß da ja niemand zu selbem genötigt werden soll, - sondern wer es mit Liebe tun will, der auch soll zur Bauarbeit zugelassen werden! Denn nur liebende Bauleute werden den Segen ihrer Arbeit finden, gezwungene aber den Tod! Darum mußt du solches ja gar wohl beachten!
   19] Es sollen aber darum noch heute nach allen Seiten Boten gesandt werden, damit da schon morgen an diesem Werke begonnen wird.
   20] Die Nacht hindurch aber sollen alle diese Sümpfe, Pfützen und Moräste vollends zum trockenen Lande werden; denn also ist es ja der Wille Gottes.
   21] Und so denn, lieber Bruder Lamech, laß uns die Boten bestellen und sie dann aussenden nach allen Seiten! Amen.«


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