Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 185. Kapitel: Lamech erkennt und preist Gottes väterliche Liebe und Güte. Nach Reue und Liebe des Bekehrten wird Kot der Sünde in reines Gold verwandelt.

   01] Als der Lamech solches vernommen hatte vom Kisehel, da warf er sich auf seine Knie nieder und sprach mit aufgehobenen Händen: »O Gott, o Gott, wie groß muß Deine Liebe sein, daß Du einem Sünder also gnädig und barmherzig sein kannst!
   02] Dies bevorstehende Werk, dessen ich mich nun in meinem ganzen Wesen für unwürdig fühle, daß ich es eigenhändig verrichtete, hast Du mir abnehmen lassen und hast anderen Händen geboten, daß sie es verrichten mögen an meiner Statt, und hast mich Unwürdigsten dadurch überwürdigt!
   03] O Gott, o Gott, wie gut mußt Du sein, daß Du den verworfensten Sünder in seiner größtmöglichsten Greueltatenniedrigkeit also ansiehst, als hätte er nahe nie gesündigt vor Dir!
   04] O ihr allerglücklichsten Freunde meines ganzen Wesens und meines wahrhaft armen Volkes, dessen Armut mir leider erst jetzt einzuleuchten anfängt in aller ihrer Wurzeltiefe, deren Grund ich nur bin, welch für ein Gefühl muß in euren Herzen lodern, so ihr denket und in euch sicher überklar erschauet, daß Gott - der allmächtige Gott! - die allerhöchste Liebe, euer Vater ist!
   05] O ihr großen und mächtigen Kinder des allmächtigen Gottes, sagt es mir, wenn es euch möglich ist, sagt es, was empfindet ihr dann, oder stets, so euch euer Herz sagt: »Gott ist mein Vater!«
   06] O der unendlichen Kluft zwischen mir und euch! Ihr, geboren aus dem ewigen Lichte Gottes und für ewig belebt durch Seine unendliche Vaterliebe, - ich, ein Kind der Schlammesbrut der Erde, ein Sohn der Schlange, wie es war der Vater Kahin!
   07] O Freunde, jetzt sehe ich es erst vollends ein, warum sich die Schlangen so gerne sonnen. Es tut ihnen das Wärmlicht der Sonne sicher auch also wohl, wie wohl es mir nun tut, vor euch Kindern des ewigen Lichtes in Gott, eurem überheiligsten Vater, zu sein!
   08] Ja, ja, auch die Kinder der Erde freuen sich in den schönen Strahlen der Sonne; also freuet sich auch nun der große Sünder Lamech in eurem heiligen, ewigen Lichte, das da euch lebendig umstrahlt aus dem Herzen Dessen, dessen Name - heilig, heilig, heilig! allhier, wo ich nun knie und weine, von mir auf das schändlichste verunheiligt worden ist!
   09] O ihr Kinder des ewigen Gottes, hier, hier, wo ich knie, hier habe ich alle meine Greueltaten mit der größten gekrönt; hier ist von mir der allerheiligste Name auf der steinernen Tafel begraben worden.
   10] Hier fing der Lamech an, gewaltig zu weinen, und der Kisehel aber trat sogleich zu ihm hin, griff ihm unter die Arme, hob ihn auf, und sagte dann zu ihm: »Geliebter Bruder, Bruder Lamech! Siehe, ich und wir alle nennen dich einen Bruder nun; wie magst du nun denn von der großen Kluft zwischen uns und dir sprechen?!
   11] Sage mir, geliebter Bruder Lamech: Empfindest du eine große und übermächtige Liebe zu Gott in deinem Herzen?«
   12] Und der Lamech erwiderte ganz ergriffen: »O Freund aus lichter Höhe! Wäre mein Herz und mein ganzes Wesen nicht also durchdrungen von solcher Liebe, deren mein Herz freilich wohl im höchsten Grade unwert ist, wie wäre es mir wohl möglich, zu ahnen, was ihr als wahrhaftige Kinder empfinden müsset, so ihr bedenket, daß Gott euer Vater ist?!«
   13] Und der Kisehel ergriff freudeglühend die Hand des Lamech und sagte mit lauter Stimme: »O Bruder, unserem heiligen Vater sei ewig aller Dank, alles Lob, alle Ehre, alle meine Liebe und aller Preis, darum Er mir hat lassen das große Glück zuteil werden, einen lieben Bruder, der verloren war, wiederzufinden!
   14] Bruder Lamech, freue dich hoch mit mir; denn glaube es mir, wir sind nun Kinder eines und desselben Vaters im Himmel, und es gibt nun keine solche Kluft mehr zwischen uns und dir, wie du es meintest, sondern, wie gesagt, wir sind Kinder eines und desselben Vaters!
   15] Denn wäre es nicht also, da wären wir nicht zu dir gekommen, und Gott hätte nie mit dir geredet!
   16] Da wir aber zu dir gekommen sind, um dich und all dein Volk zu retten vom Untergange, so liegt es ja doch offen am Tage, daß du, wie dein Volk, unsere Brüder seid von Ewigkeit und allen Zeiten her!
   17] Darum aber freue dich; denn du warst verloren und bist nun wiedergefunden!
   18] Es ist aber ja allzeit noch eine größere Freude über das gewesen, was man verloren und dann wiedergefunden hatte, denn über das, was man allzeit besessen hat.
   19] Also freuen wir uns nun auch deiner ums Hundertfache mehr denn aller derer auf der Höhe, die da allzeit vor unseren Augen gewandelt haben!
   20] Die Tafel aber hast du schon ausgegraben und mit deinen Liebe- und Reutränen gereinigt und hast somit den Unrat, in den du die Tafel bargst, verwandelt in lauteres Gold und kostbarstes Edelgestein!
   21] Und so lasse die Arbeiter hier diese Stelle öffnen, und du wirst dich überzeugen, in was dein reuig liebendes Herz den Unrat verwandelt hat!«
   22] Und der Lamech sagte darauf zu den Knechten: »Da es des großen Gottes heiligster Wille also ist, so kommet denn her, und öffnet die Stelle!« - Und sogleich traten die Knechte herbei und fingen an, in die Erde zu graben.
   23] Wie erstaunten aber nun alle Umstehenden samt dem Lamech, als sie nach der Öffnung des Erdreiches auf lauter Gold und Edelgesteine kamen, die da waren von unschätzbarem Werte!
   24] Und als sie erst nach einstündigem Graben zur Tafel selbst kamen und fanden sie als einen leuchtendsten Karfunkel mit den strahlenden Zeichen Jehovas, da fielen alsbald alle zur Erde nieder und beteten an den allerheiligsten Namen.
   25] Und der Lamech schlug sich auf die Brust und schrie: »O Gott, sei mir gnädig und barmherzig!«


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