Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 187. Kapitel: Lamechs gute Botschaft an sein Volk. Die ungehorsamen Knechte des Lamech. Das wunderbare, die Knechte stärkende Mahl.

   01] Als der Lamech solchen Vortrag von seiten des Kisehel vernommen hatte, da ward er überfroh und lobte und pries Meinen Namen und dankte Mir für diese große Gnade, durch welche er sich gewürdigt fand, Meinem Namen ein solches Haus erbauen zu dürfen.
   02] Nachdem er diese Andacht zu Mir verrichtet hatte aus der reuigsten Liebefülle seines Herzens, wandte er sich alsbald zu den Knechten und Hofdienern und sagte zu ihnen:
   03] »Ihr habt alle hier gleich mir das große Wunder gesehen und habt in der Hinsicht des bevorstehenden heiligen Baues vernommen die Worte aus dem Munde der großen Boten des allmächtigen Gottes, was da alsogleich zu tun ist.
   04] Also geht denn im Namen der großen Boten und im Namen des allerhöchsten Gottes nach allen Seiten hin, und ladet für den morgigen Tag alle aus Liebe zu Gott Freiwilligen zum hehren Beginne dieses Werkes!
   05] Sagt es aber allen auch, was da vorgegangen ist mit dem Lamech, damit sich vor ihm niemand mehr fürchten solle, und solle darum jedermann wieder die Zunge gelöst sein, damit er reden mag nach seinem Sinne und auch kundgeben seinen Willen!
   06] Saget es allen auch noch hinzu, daß aus Lamech, dem Grausamen, aus der Hyäne in menschlicher Larve, ein Lamm geworden ist, das da tiefst bereut jeglichen Tropfen Blutes und jegliche Träne, die er je den Untertanen durch was immer für Bedrückungen verursacht hatte!
   07] Und verkündet es allen laut, daß der Lamech, darum daß ihm der allbarmherzige große Gott, den der Vater Farak gepredigt hatte, seine große Schuld nachgesehen hat, sein ganzes Leben hindurch auf das allereifrigste bemüht sein und solches zu seiner Hauptsorge machen wird, daß er jede noch zu lindern mögliche Unbill, die ihnen durch ihn zugefügt worden ist, wieder gutmachen und sie alle in alle Zukunft betrachten wird als seine Brüder und Schwestern!
   08] Darum solle niemand mehr den Lamech fürchten! Da ihr nun alles wisset, so geht denn nun zu berichten nicht meinen, sondern des allmächtigen großen Gottes Willen! Es geschehe!«
   09] Die Knechte aber zauderten und machten Miene, als wäre ihnen nicht gelegen, alsogleich das zu tun, was zu tun ihnen der Lamech aufgetragen und anbefohlen hatte.
   10] Da aber der Lamech solches sah wurde er traurig, und seine Traurigkeit ging bald in einen starken Eifer über; in diesem Eifer sagte er dann zu den zaudernden Knechten:
   11] »Höret, ihr trägen Knechte und Diener meines Hofes: Solange euch der Lamech mit ehernen Ruten bezwang, da mochtet ihr wohl gehorchen dem leisesten Winke desselben;
   12] Jetzt aber, da er euch als Bruder bittet, habt ihr kein Gehör für seine Stimme!
   13] Doch ihr seid ja nicht mir ungehorsam, sondern Gott dem Allmächtigen; darum möget ihr auch zusehen, wie Er euch ansehen wird für euren Ungehorsam!
   14] Ich habe euch nicht befohlen, sondern nur den Willen Gottes habe ich euch kundgetan; darum tuet sonach, was ihr wollet, - aber sehet zu, daß euch kein Gericht ereilt!«
   15] Darauf wandte sich der Lamech zum Kisehel und sagte: »O du lieber Gesandter des Herrn, sage mir, deinem armseligsten Knechte, habe ich denn Unrecht getan, daß ich deinen Willen aus Gott diesen Brüdern kundgetan habe, auf daß sie ihn vollzögen?«
   16] Und der Kisehel erwiderte darauf dem Lamech, sagend: »O Bruder Lamech, jegliches Wort war recht und vollkommen; aber die Knechte und Diener sind schwach und hungrigen Leibes! Daher lassen wir sie vorher ein Mahl halten, sodann werden sie schon tun, was des Rechtens ist!« - Und der Lamech verneigte sich vor dem Kisehel und fragte ihn wieder, sagend:
   17] »O du großer Freund, so rate mir, was ich nun denn tun soll; denn hier gibt es ja nichts, damit diese Hungrigen könnten gesättigt werden!
   18] Soll ich etwa hin zu Hofe sie bescheiden, damit sie da aus meinen Speisekammern von den besten Früchten sich sättigen möchten, oder soll ich etwa durch die Mägde Speise und Trank hierher bringen lassen?
   19] O Freund, sprich es nur aus, und ich will ja alles tun, wie es dir gefällig ist!«
   20] Und der Kisehel sagte darauf zum Lamech: »Höre, Bruder, weder das eine noch das andere ist hier vonnöten! Denn siehe, die Mägde und Weiber haben ja noch so manchen Rest in ihren Körben; laß uns das segnen, und sei versichert, es wird für alle hinreichen!« Und der Lamech fiel vor dem Kisehel nieder und bat ihn um den Segen.
   21] Und der Kisehel sagte sogleich zu den Weibern und Mägden: »Stellet eure Reste in den Körben hierher!« Und nachdem die Weiber und Mägde solches getan hatten, blickte der Kisehel samt seinen Brüdern empor zum Himmel und segnete die Reste in den Körben.
   22] Als diese plötzlich sich gefüllt hatten, da behieß der Kisehel die Knechte und sagte zu ihnen: »Nun denn, ihr trägen und faulen Knechte, kommet her und sättigt euch, damit ihr dann tun möget, was euch der Lamech befohlen hat! Amen.«
   23] Und die Knechte langten alsbald nach den Körben und deren Inhalte; als sie sich aber gesättigt hatten, da erst fingen auch sie an, vollkommener Mich anzuerkennen und darum auch zu loben und zu preisen.
   24] Nach ihrem Loben und Preisen aber richteten sie sich behende auf und vollzogen den Willen des Lamech und dingten eine große Menge Arbeiter für den kommenden Tag.


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