Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 184. Kapitel: Wunsch des bekehrten Lamech, die steinerne Tafel wieder zu reinigen.

   01] Als der Lamech sich nun vollends gesättigt hatte, da stand er auf und sagte zum Kisehel: »Mächtiger Bote des allmächtigen, großen Gottes! Siehe, ich habe mich gesättigt von der gesegneten Speise; mein ganzes Wesen ist nun aufgeregt zu einer großen Dankbarkeit gegen Den, der mir die Speise gesegnet hat und hat mir nachgelassen meine endlos große Schuld vor Ihm und vor euch, und vor allem Volke, und der ganzen Erde.
   02] Aber ich habe keine Worte, mit denen ich diesen für mich zwar großen, aber für Gott und Seine Erbarmung sicher nur nichtigsten Dank auszudrücken vermöchte!
   03] Daher lehre mich würdige Worte, mit denen ich ausdrücken werde können, was ich nun in mir empfinde und sicher allzeit noch mächtiger in mir empfinden werde!
   04] O du lieber Freund des Allerhöchsten, siehe mich an im Schlamme meiner Untaten, und gewähre mir diesen meinen Wunsch!«
   05] Und der Kisehel sagte darauf zum Lamech: »O Bruder Lamech, du sorgst dich um etwas, das vor Gott nur einen sehr geringen Wert hat! Glaube es mir, der Herr, der heilige, liebevollste Vater, sieht nicht auf die Worte, sondern allein nur auf das Herz!
   06] Der Dank, den du wie eine große, das Herz verzehren wollende Flamme in dir empfindest, höre, dieser Dank ist dem Vater am wohlgefälligsten; bei dem bleibe allzeit und ewig, so wird Er dein Dankopfer sicher auch allzeit, wie ewig, Ihm wohlgefällig aufnehmen!
   07] Siehe, wenn ein Mensch eine große Gnade vom Vater empfängt, so dankt er wie ein großer Schuldner alsbald in seinem Herzen durch den heftiger und stets heftiger werdenden Liebebrand in seinem Herzen und verbleibt in dieser reinsten und völlig wahren Dankbarkeit so lange, bis er sich derselben nicht durch den Mund entledigt hat, welche Entledigung aber an und für sich doch sicher nichts ist als eine scheinbare Genugtuung für die empfangene Wohltat.
   08] Es wird einem nach einer solchen pflichtschuldigst scheinenden Dankentledigung wohl um vieles leichter und ruhiger im Herzen, aber es fragt sich hier: Wird das Herz nach einer solchen Entledigung nicht liebefeuerloser, kühler und somit auch für die Zukunft weniger dankbar für diejenige empfangene Gnade, für die es sich durch Mundworte gewisserart der bleiben sollenden Dankbarkeit entledigt hat?!
   09] O sicher, lieber neuer Bruder Lamech! Siehe, ich, wie du, haben Kinder gezeugt und sind somit ihre Väter geworden, wie sie unsere Kinde: geworden sind!
   10] Ich habe es aber an meinen Kindern noch allzeit erfahren, daß gerade diejenigen meiner Kinder, die mir beinahe für jedes Wort gedankt haben mit dem Munde, im Herzen die am wenigsten dankbaren geblieben sind; diejenigen Kinder aber, die fast ob jeder Gabe stumm geblieben sind, waren also beschaffen, daß sie für mich allzeit ins Feuer gegangen wären, wenn ich solches von ihnen verlangt hätte!
   11] Ich vernahm zwar nie oder nur höchst selten Worte des Dankes aus ihrem Munde, sah aber desto öfter Dank-, Freude- und Lobtränen in ihren Augen, - und, Bruder Lamech, wahrlich, es war mir eine solche stille Träne im Auge eines meiner Kinder mehr als alle die wunderschönsten Worte eines anderen geschmeidigen Kindes; ja mehr als die ganze Welt galt mir eine solche Träne!
   12] Denn das geschmeidige Kind hat sich seines Dankes gegen mich entledigt; das andere stumm dankende aber behielt den ewigen - im Herzen!
   13] Also gilt auch bei Gott, der allein nur auf das Herz sieht, der bleibende Dank im Herzen sicher ums endlose mehr denn ein ausgesprochener und daher vergänglicher, dessen sich das dankbedrängte Herz durch Worte entledigt hat.
   14] Danke daher auch du stets dem Herrn also wie jetzt, so wird dein' Dank gegen Gott ein rechter sein, und Er wird ein stetes Wohlgefallen haben an deinem stets gleich mächtigen Dankes erfüllten Herzen!
   15] Solches beachte sonach auch stets zu deinem großen Troste in dir, so wirst du dem heiligen Vater auch stets angenehm sein, und Er wird um solchen Dank eher tausend Gnaden verleihen - denn für den Munddank eine!
   16] Da du solches nun weißt und hast dich völlig gewendet zum Herrn, so denn magst du nun auch bestimmen, was da nun geschehen soll; denn siehe, darum sind wir nun da, daß wir dir in allem Guten sollen behilflich sein mit allen unseren Kräften! Und so denn gib uns einen deiner Wünsche zu erkennen! Amen.«
   17] Und der Lamech sprang völlig auf vor Freuden und sagte zum Kisehel mit der größten Bewegung: »O Freunde Gottes, des allmächtigen Schöpfers Himmels und der Erde! O du geheiligter Bruder aus den Höhen, die da sind wie eine bleibende Wohnung des Allmächtigen, fürs erste nimm diese meine Tränen als das Zeichen meines innigsten, ewig bleibenden Dankes für deine herrliche, weiseste Lehre hin, die du mir soeben gegeben hast; denn sie ist nicht nur wahr in jeder Silbe, sondern sie ist heilig! Ja, es gibt nur einen Dank und nur ein Lob in der Wahrheitsfülle, und das ist ewig! Bei dem will ich auch von nun an ewig verbleiben!
   18] Was aber da betrifft meinen Wunsch, so habe ich nur einen; ja nur eines drückt mich noch, und das ist die steinerne Tafel, die von mir also greuelhaft ist entheiligt worden! Lasset mich sie eigenhändig wieder an das Tageslicht fördern und allda reinigen und dann überaus hoch verehren, wenn ich überhaupt nur noch dieser Tat würdig bin!«
   19] Und der Kisehel sagte darauf zum Lamech: »Siehe, da stehen schon zu dem Behufe deine Knechte mit Grabwerkzeugen versehen!
   20] Es ist genug, daß du solches getan hast lebendig in deinem Herzen; das andere werden schon diese da tun, und so lasse uns denn an dieses wichtige Werk schreiten! Amen.«


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