Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 181. Kapitel: Disput zwischen Kisehel und dem prahlerischen Lamech. Lamechs unfreiwillige dreitägige Einsamkeit am Richtort vor der Stadt.

   01] Und der Kisehel erwiderte dem Lamech auf diese seine königliche Rede, sagend: »Höre, Lamech, du hast recht, daß du als König solches von mir und uns allen verlangst; nur sage mir, was denn hernach wir als wahrhaftige Boten des allerhöchsten und allerheiligsten Gottes von dir verlangen sollen, indem wir dir doch hinreichend bewiesen haben durch Taten und Worte, daß wir das wahrhaftig sind, als was zu sein wir von uns aussagen!
   02] Wie läßt sich von deiner königlichen Seite der erste Anruf unter dem Ausdrucke ,Gebirgsbestie' mit unserer göttlichen Gesandtschaft vereinbaren, wie die erste Verrammung der Treppen vor uns, wie überhaupt jede Begegnung von deiner Seite gegen uns, nachdem du es lange schon gar wohl erkannt hattest, was es da mit uns für eine Bewandtnis hat? - Darüber gib uns einen königlichen Aufschluß!
   03] Kannst du das rechtfertigen, so will ich jegliches meiner Worte zurücknehmen und alles dir zugefügte Leid wieder reichlichst gutmachen; des sei du völlig versichert!
   04] Wehe dir aber, wenn du solches nicht vermagst! Denn du hast dich auf Gott berufen, - auf Gott, sage ich dir, den du mit Wort und Tat verflucht hast und hast dich als der größte Frevler in die Ordnung Seiner ewigen, unantastbaren Heiligkeit gestellt, um uns, die wir in der Ordnung Seiner Heiligkeit gestellt sind, darum in deinem argen Herzen aus irgendeinem Scheingrunde verdammen zu können!
   05] Daher fasse dich wohl in dieser deiner Rechtfertigung, - sonst, wie gesagt, wehe dir!
   06] Ich sage dir, dafür sollst du den ersten Hieb der göttlichen Zuchtrute überkommen! Also rede! Amen.«
   07] Und der Lamech trat ganz barsch dem Kisehel unters Gesicht und fing an, folgende Worte an ihn zu richten, sagend nämlich: »Meinst du etwa, der Lamech wird sich vor deinem ausgesprochenen Wehe beugen? Nimmermehr!
   08] Daher wird dir der König Lamech für seine Worte auch durchaus keine Rechtfertigung bieten; denn der Lamech fürchtet keinen Tod, und somit auch keinen Gott - und dich um so weniger, und wärest du mit noch tausendfach größerer Macht ausgerüstet, als du es ohnehin als Gesandter Jehovas bist!
   09] Willst du mich schlagen mit Feuerruten, tue es immerhin bis zum Tode! Mein Leben kannst du mir nehmen, aber meinen Sinn und meinen Willen, solange ich lebe, nimmermehr; das schwöre ich dir bei meiner Königsehre!
   10] Willst du mich mit den größten Schmerzen plagen zeitlich oder ewig, dadurch wirst du meinen Grimm nur nähren, aber nimmerdar schwächen, und mein Wille wird bleiben, wie er jetzt ist, ein fester und ein durch Weltenlasten selbst unbeugsamer, und du sollst dich überzeugen, daß wohl der Wille eines Gottes sich beugen läßt, aber der Wille Lamechs nicht!
   11] Ziehe mir glühende Schlangen durch den Leib, und wirf mich in weißglühendes Erz, so werde ich dir und deinem Gott darum um so mehr fluchen! Willst du mich aber beugen, da vernichte mich; denn bin ich gar nicht mehr, so wird's wohl auch mit der Unbeugsamkeit meines Willens ein Ende haben!
   12] Schließlich aber muß ich dir noch bemerken, daß auch dem Lamech noch andere Kräfte zu Gebote stehen, die er bis jetzt noch nicht der Mühe wert hielt, so, wie ihr die eurigen, in Anwendung zu bringen; wenn ihr ihm aber zu nahe treten werdet, so ist er sehr aufgelegt, euch zu zeigen, was es für eine Bewandtnis mit seiner Gottschaft hat!
   13] Ich rate euch daher, längstens binnen drei Tagen diese meine Königsstadt zu verlassen, - sonst dürfte es euch gar übel ergehen!
   14] Du hast zwar über mich schon ein,Wehe dir!' ausgerufen; ich als König habe aus purer Rücksicht solches noch nicht getan, indem ich mir fürs erste dachte: ,In meine Gesetze seid ihr nicht eingeweiht und somit auch keiner anderen Strafe noch untertan als nur der der Abschreckung!', - fürs zweite aber dachte ich auch: ,Es sind ja auch samt mir und meinem Volke Adams Kinder und zum ersten Male, roh noch und ungebildet, in dieser meiner Stadt; daher will ich ihrer auch solange als möglich schonen!«
   15] Da ich aber nun ersehe, daß ihr hartnäckig darauf besteht, mich, den König, zu einem Sklaven eurer Laune zu machen, da rufe nun aber auch ich ein starkes Wehe über euch, so ihr nicht, wie gesagt, binnen drei Tagen diese meine Königsstadt für allzeit räumet!
   16] Und so denn entfernet euch von hier; denn von nun an wird euch der Lamech keine Frage und keine Antwort mehr geben, und wird im Falle eures Ungehorsams das rechte Mittel zu ergreifen wissen, um Frevler euresgleichen auf das allerempfindlichste zu züchtigen.
   17] Versteht es wohl, und entfernet euch!«
   18] Und der Kisehel sagte darauf: »Gut, es geschehe, wie du gesagt! Höret, ihr Weiber und ihr Mägde, und auch ihr Waffenknechte und alles Volk! Verlasset mit uns diese Stätte; der Lamech allein bleibe, und empfinde die drei Tage hindurch hier die Kost der göttlichen Zuchtrute!
   19] Vielleicht werden wir ihm nach dieser Zeit willkommener sein denn heute! Es geschehe!«
   20] Und alsbald verließ alles den Platz und ging mit den dreien fröhlich in die Stadt zurück; nur der Lamech blieb schmerzlichst gebannt und konnte seine Stelle nicht verlassen, und von den dreien ward jedem Menschen in der ganzen Stadt untersagt, binnen den drei bestimmten Tagen ja nicht dieser Stelle sich zu nahen.


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