Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 180. Kapitel: Lamechs Hartnäckigkeit und Trotz. Kisehels scharfe Rede und Lamechs hochmütige Antwort.

   01] Eine kurze Zeit lang wartete der Kisehel darauf, was da der Lamech tun werde, das heißt, was er dazu sagen werde. Allein das Warten war hier rein vergeblich. Solches wußten zwar alle die drei schon im voraus; dennoch aber mußte ihm um seiner selbst willen eine Zeit zum Bedenken gegeben werden, damit er dann, so er aufs neue angegriffen werden sollte und auch mußte, nicht sagen könne: »Warum habt ihr mich nicht fassen und gehörig sammeln lassen?!
   02] Da sonach aber trotz des Harrens der drei der Lamech durchaus keine Miene machen wollte, als möchte er sich rechtfertigen, sondern nur sich mehr und mehr in lauter greuelhafte Rachegedanken verlor und ganz förmlich nachzusinnen begann, wie er die drei Boten samt den noch anderen vieren, von denen er auch wohl wußte von Seite der Weiber, verderben möchte, so wandte sich der Kisehel alsbald wieder an ihn und sagte:
   03] »Lamech, du arger Knecht des Satans, du bist stumm geworden, weil dich mein Wort gefangen hat in ein dreifaches Netz, und füllst nun dein Herz mit Rachegedanken so, daß darob dein ganzes Wesen ist des greuelhaftesten Fluches gegen uns, und somit auch gegen Gott!
   04] Sage mir: was bist du denn für ein Wesen? - Du wurdest von deiner Ohnmacht gegen uns überwiesen; wir zeigten dir die unüberwindliche Kraft Gottes in uns; du siehst es ein, daß du gegen uns ewig nie in dieser deiner Gestalt etwas ausrichten wirst, - und dennoch widerstrebst du hartnäckigst dem Geiste der ewigen Liebe Gottes in uns!
   05] Sage, sage, welch ein Wesen du denn bist! - Siehe an die Mägde, die du gestellt hast auf die erste und zweite Treppe, auf daß sie uns hindern möchten, zu dir zu kommen! Siehe, sie waren tot; denn unsere Willenskraft aus Gott trieb sie allesamt jählings heraus zu diesen und in diese Pfützen, allda sie jämmerlich umkamen, und sie leben alle wieder!
   06] Und deine Weiber sahst du mit den eigenen Augen verbrennen bis zur Asche - und sahst sie dann alsbald neu erstehen aus der Asche mit verklärten Leibern.
   07] Ist dir das nicht des stärksten Beweises für unsere göttliche Sendung in größter Genüge?!
   08] Sage, sage nun, was du mit deinem Trotze und dann mit deinen Rachegedanken gegen uns ausrichten willst und kannst!
   09] Du elender, ohnmächtiger Wurm im Staube der größten Nichtigkeit! Du willst dich gegen Gott stemmen, während wir dich schon mit dem leisesten Hauche unseres Mundes verwehen könnten, so wir es nur wollten?!
   10] O du Scheusal der Hölle! Mit Gott willst du kämpfen, während dein Leben in jeglichem Augenblicke lediglich von Seiner großen Erbarmung nur abhängt?!
   11] Wie willst du denn Gott angreifen, - Ihn, der dich im Augenblicke deines Angriffs vernichten kann und verdammen in die Hölle Seines ewigen Zornfeuers?!
   12] Versuche einen Kampf mit uns du elender Wurm des Schlammes und allerstinkendsten Staubes, und du wirst dich gar bald überzeugen, was du gegen uns ausrichten wirst!
   13] Erbrenne in der allerscheußlichst tödlichsten Grimmfeuerrache gegen mich, du elender After des Teufels, und vernichte mich, deine große Rache kühlend, so du magst und kannst, und überzeuge dich noch mehr von deiner allergrößten Ohnmacht und Blindheit!
   14] Du siehst, wie ganz vollkommen nichts alle deine Macht nur gegen den Hauch meines Mundes ist; sage, warum willst du uns denn den härtesten Trotz anstatt des bedungenen Gehorsams bieten, durch den allein du wieder zur Gnade Gottes gelangen könntest und könntest uns werden ein zwar reuiger, aber sonst ein über alles lieber Bruder?
   15] Rede, rede, ich gebiete es dir im Namen Dessen, der uns aus übergroßer Erbarmung von den heiligen Höhen herab zu dir in diese deine fluchbelastete Schlammtiefe gesandt hat, auf daß wir dich für Ihn gewinnen sollen!«
   16] Und der Lamech, sich gewaltigst aufblähend, entgegnete endlich: »Was du da geredet hast, verstehe ich nicht und will es auch nicht verstehen; denn also spricht man mit keinem Könige, der so gut, wie du, mit Gott geredet hat und ebenfalls von Ihm das Wort hat, daß derjenige solle siebenundsiebzigmal gerochen werden, der sich einmal an ihm vergreifen würde!
   17] Ich werde mich weder an dir und noch weniger je an Gott rächen; denn nur zu gut kenne ich meine Ohnmacht!
   18] Du aber hast dich schon an mir, dem Könige Lamech, vergriffen; also siehe nur du zu, wie du mit deinem Gott auskommen wirst!
   19] Gottes Ordnung und Weisheit reichen weiter als deine Augen; so ich aber bin, wie ich bin, und tue, wie ich tue sicher nicht außer, sondern wie du in Gott, warum machst du mich denn hernach zu einem Scheusale, das da nimmer seinesgleichen irgend hat?
   20] Bin ich ein König der Tiefe, und bist du an mich gesandt worden, so rede mit dem Könige als Gesandter nach Gebühr, aber nicht, als wolltest du mich richten!
   21] Meine Macht kannst du also wohl brechen, aber meinen Willen auf diese Art ewig nie! - Verstehe es, du machtstolzer Frevler an mir, dem Könige dieses unglücklichen Fluchlandes!«


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