Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 172. Kapitel: Die erste Kirche auf der Erde. Die sieben Boten der Höhe im Palaste Lamechs zu Hanoch.

   01] Nachdem wir uns jetzt in allem bei sieben Tage lang auf der Höhe bei den Kindern Gottes aufgehalten haben und haben da die erste Gründung der Kirche auf der Erde durch Jehovas sichtbare Gegenwart umständlich von Tat zu Tat und von Wort zu Wort mit angesehen und mit angehört und haben dadurch die vollste Erklärung der in der Bibel von Moses bezeichneten sechs Schöpfungstage erhalten, durch die nichts anderes verstanden werden soll als eben die Gründung der ersten Kirche auf dem Erdkörper, so können wir die Höhe auf eine kurze Zeit wieder verlassen und uns nach Hanoch begeben, um allda zu sehen und zu hören, wie es da zuging, und welche Veränderungen allda in einer Woche vor sich gegangen sind.
   02] Und so denn begeben wir uns hinab! - Was geschieht hier? Was gibt's hier?
   03] Sehet, soeben begeben sich der Kisehel, der Sethlahem und noch ein Bruder, der nun Joram heißen soll, in den Palast Lamechs!
   04] Was haben sie wohl vor, was werden sie da machen, und was alles wird sich ihren Augen zur schauerhaften Greuelanschauung darstellen? - So höret und sehet denn!
   05] Die sieben Boten haben sich seit ihrer schnellen Ankunft in Hanoch wohl schon einige Male zum Lamech hinbegeben. Es wurde ihnen alles gezeigt, und es fehlten nicht zierliche Zofen, die sich durch allerlei üppige Stellungen und anziehende Reden und Gebärden um sie herumtummelten und auch schon im Ernste vier völlig berückt hatten, darum am Streittage von Mir auch der Engel Ahbel zu ihnen hinab geschickt wurde, und darum diese vier diesmal auch nicht zugegen sind; aber nur zum Lamech selbst war ihnen noch keine Tür geöffnet worden!
   06] Für diesmal aber haben die drei fest beschlossen, ins Gemach des Lamech zu dringen, und koste es, was es nur immer wolle! - Darum also gehen sie soeben in den Palast.
   07] Was wollen sie denn beim Lamech, der sie nicht vorlassen, sondern sie nur durch seine neu geworbenen Zofen und Buhlerinnen berücken und' fangen will?
   08] Ihr wißt, was er mit dem Namen Jehova getan hatte; sehet, dahinaus also geht es: er muß das Loch eigenhändig ausgraben und die Tafel reinigen auf die vorbeschriebene Art!
   09] Was alles sie aber bei dieser Gelegenheit sehen werden, werdet ihr an ihrer Seite recht klar mit ansehen können.
   10] Als sie zur ersten Treppe gelangten, da fanden sie dieselbe zu beiden Seiten angefüllt mit den schönsten und allerüppigstreizendsten Weibern in ganz nacktem Zustande, und die Weiber jammerten mit kläglicher Stimme und baten die drei Boten um Errettung; denn sonst müßten sie in der nächsten Stunde den grausamsten Tod sterben, darum es ihnen am Tage vorher nicht gelungen ist, sie als die ärgsten Feinde Lamechs zu fangen und sie dann seiner glühendsten Rache zu überliefern.
   11] Doch dieses ist bloß nur eine List Lamechs. Die drei aber erkannten alsogleich solche List, und der Kisehel sagte zu den nackten Weibern: »Höret, ihr arges Natterngezüchte! Nicht der Lamech wird euch grausam vertilgen sondern die scharfe Rute Jehovas wird euch solches tun!
   12] Eiter und Geschwüre werden euch bei lebendigem Leibe verzehren draußen vor der Stadt in den Pfützen Sümpfen und Morästen! Jehovas allmächtiger Wille geschehe ewig! Amen.«
   13] Im Augenblicke wurden bei sechzig Weiber, die da nackt standen, von einem fürchterlichst brennenden Aussatze befallen und liefen rasend, wütend und heulend durch die Gassen der Stadt hinaus zu den vorbesagten Pfützen, Sümpfen und Morästen und stürzten sich allda jählings in dieselben.
   14] Ihre Leiber wurden darauf sogleich voll Eiter und Geschwüre, und das Fleisch fing an, sich bei noch lebendigen Sinnen vereitert und gar sehr stinkend von den Knochen zu lösen.
   15] Nun ward dadurch die erste Treppe gereinigt. Als sie aber zur zweiten gelangten, da entstand allda alsbald ein noch fürchterlicheres Jammergeschrei; denn auch diese Treppe war angefüllt mit nackten Weibern, welche von den Leibschergen Lamechs mit den schärfsten Ruten wahrhaft zerfleischt wurden.
   16] Als die blutenden Weiber die drei Mächtigen ersahen, da fingen sie an, noch gewaltiger zu schreien, auf daß die drei sie erretten möchten aus den Händen der Leibschergen Lamechs.
   17] Und der Kisehel gebot den Schergen, sagend: »Haltet ein den Schwung eurer Ruten, und führt die Heldinnen Lamechs hinaus zu den Pfützen, Sümpfen und Morästen; allda werden sie treffen ihre Lastergenossinnen und werden mit ihnen ihren Lohn teilen!
   18] Eure Hand aber soll fürder nimmer eine Rute anrühren, sonst sterbet ihr gleich diesen Lasterheldinnen! - Jehovas Wille geschehe jetzt wie ewig! Amen.«
   19] Und alsbald warfen die Schergen die Ruten weg, banden den zerfleischten Weibern die Hände auf dem Rücken und schleppten sie dann hinaus zu den Pfützen, Sümpfen und Morästen; hier erst fingen die Weiber an, fürchterlichst zu heulen, als sie das Los ihrer Gefährtinnen ersahen.
   20] Die Schergen lösten ihnen die Hände und verließen sie dann; die Weiber aber warfen sich aus Verzweiflung in die Sümpfe und gingen allda zugrunde gleich den andern.
   21] Als die Schergen aber wieder im Palaste anlangten, da wurde ihnen von den dreien bedeutet, daß sie sich an den Jehova wenden sollen, und sollen nimmerdar betreten den Palast, sondern sollen sich begeben mit ihren Weibern nach Farak, allda ihrer eine andere Bestimmung harrt.
   22] Die hundert Schergen verließen alsbald den Palast, und die drei begaben sich zur dritten Treppe.


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