Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 171. Kapitel: Wunderbare Füllung der Speisekammern Seths.

   01] Und alle die Väter samt den vieren vom Mittage her erhoben sich auf diese Rede Henochs vom Boden und gingen hinab in die Wohnungen. Als sie da anlangten, lud der Adam den Henoch, den bekannten Abedam und die viere vom Mittage, bei ihm zu verbleiben über die Nacht und das Mahl zu nehmen in seiner Hütte.
   02] Die Gäste begrüßten darauf den Adam mit kindlicher Liebe und gewährten dem Adam gerne seinen Wunsch und gingen ein in die Hütte Adams.
   03] Der Adam aber bestellte alsogleich beim Seth das Mahl, und der Seth sorgte auch alsbald dafür.
   04] Er ging darum eiligen Schrittes in seine Wohnung und behieß seine Kinder, daß sie brächten drei mittlere Körbe voll der besten Früchte, Milch, Beersaft, Wasser, Brot und Honig.
   05] Schnell eilten die Kinder Seths in dessen große Speisekammern, um zu erfüllen den Willen ihres Vaters; aber wie erstaunt und traurig kamen sie alsbald aus den Speisekammern zurück, als sie dieselben völlig geleert fanden!
   06] Als sie solches dem Seth kundgaben, begab sich derselbe alsogleich selbst in die Speisekammern und fand da zu seinem nicht geringen Betrübnis die Aussagen seiner Kinder bestätigt.
   07] »Was soll ich nun tun?« fragte er sein eigenes Herz; aber dieses blieb nun stumm, und kein guter Rat wollte sich im selben künden.
   08] Er verließ darum alsbald seine Wohnung und begab sich wieder in die Wohnung Adams.
   09] Da angelangt, erzählte er alsbald mit der bedauernswürdigsten Miene den überaus kläglichen Zustand seiner Speisekammern.
   10] Als aber der schon ziemlich hungrige Adam solches vernommen hatte, ward er selbst betrübt, wandte sich aber endlich an den Henoch und fragte ihn, ob etwa seine Speisekammern besser bestellt sein möchten denn die des Seth.
   11] Und der Henoch erwiderte darauf: »Höret, wenn es mit den Kammern des Vaters Seth sich wirklich also verhalten sollte, wie er solches uns allen hier kundgegeben hat, so bin ich im voraus überzeugt, daß da meine Speisekammern nicht also armseligst bestellt sind denn die seinigen!
   12] Ich meine aber, diesmal hat sich der Vater Seth in seinem großen Eifer zu wenig umgesehen in seinem Hause; daher laßt mich noch einmal, daß ich sage: Seths Kammern sind überfüllt; und der Vater Seth möchte noch einmal in dieselben gehen, damit er sie vollgefüllt antreffe!
   13] Denn der Abba Jehova ist nicht nur voll Liebe und Erbarmung, so Er sichtbar unter uns wandelt, sondern Er ist auch vor unseren Augen verborgen ganz Derselbe; daher Ihm alle unsere Liebe, alles Lob und alle Ehre ewig! Amen.«
   14] Und der Seth sagte: »Henoch, du hast wahr gesprochen: Dem guten, liebevollsten Vater alle unsere Liebe und Anbetung! Denn Er hat Sich mir nun groß bezeigt und überaus barmherzig; denn wahrlich: geleert waren meine Speisekammern bis auf den letzten Tropfen, und nun ersehe ich sie wieder vollauf angefüllt in meinem Herzen!«
   15] Und alsbald ging der Seth wieder in seine Wohnung, und alle seine Kinder und sein Weib eilten ihm entgegen und riefen: »Vater, Vater Unsere Kammern sind überfüllt von den herrlichsten und wohlduftendsten Speisen aller Art!«
   16] Der Seth aber fiel alsbald auf sein Angesicht nieder und wollte danken und beten; aber eine Stimme rief wie aus den Himmeln: »Mein lieber Bruder Seth, Ich kenne dich ja, und du kennst auch Mich; daher erhebe dich, und sorge für den Adam und seine Mir lieben Gäste! Amen.«
   17] Hier sprang der Seth auf, und blickte um sich, um etwa irgend zu erblicken den heiligen Abba.
   18] Die Stimme aber sprach wieder: »Seth, was suchest du mit den Augen um dich herum? Ist denn nicht das Herz Mein Haus in dir? Daher gehe und bediene die Gäste! Amen.«
   19] Und der Seth ging alsbald und versah reichlichst die bekannten Gäste und erzählte, was ihm begegnet ist.
   20] Und der Henoch erwiderte darauf: »Also ist und wird es bleiben, daß das Ohr dem Leben näher ist denn das Auge; doch das Herz allein nur ist die ewige Wohnstätte des Lebens! Daher Ihm, dem Vater des Lebens, die vollste Weihe unserer Herzen ewig! Amen.«
   21] Darauf segnete der Adam die Gäste, pries Gott mit ihnen, und begab sich dann mit ihnen zur Ruhe.


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