Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 145. Kapitel: Ankunft zweier Boten. Verlegenheit Adams und Abedams (des Mitbewohners).

   01] Und der Abedam entgegnete darauf: »O ja, lieber Bruder Henoch, und ob ich's jetzt verstehe!
   02] Nur was da die Aufbewahrung meiner früheren Rede bis ans Ende der Zeiten betrifft, so magst du wohl recht haben insoweit, daß da in Gott sogar alle unsere Gedanken aufbewahrt werden und somit sicher auch meine frühere Rede, und wenn sie noch einmal so leer gewesen wäre, als sie es ohnehin war; aber daß sie etwa gar solle aufgezeichnet werden auf Steintafeln, - das wäre denn doch ein wenig zu viel verlangt!
   03] Da weiß ich noch nicht so ganz recht, was du damit hast sagen wollen; daher möchte es mir durchaus nicht im geringsten schädlich sein, so du mir darüber ein paar Wörtchen zukommen ließest!«
   04] Und der Henoch erwiderte ihm und sagte: »Ich sage dir im Namen des Herrn: Nicht nur deine frühere Rede sondern auch jedes Wort, das du jetzt geredet hast, wird auf steinerne Tafeln gezeichnet werden! - Verstehest du's jetzt
   05] Und der Abedam erwiderte: »Ja, jetzt ist es mir ganz klar; aber jetzt will ich auch alsogleich nichts mehr reden, damit des leersten Zeug's meines Mundes nicht noch mehr auf die steinernen Tafeln zu stehen kommt!
   06] Doch siehe, da vom Abende her sehe ich soeben zwei Männer eiligen Schrittes sich uns nahen; dadurch wird meine Zunge sicher eine Rast bekommen, aber desto mehr Tätigkeit meine Ohren!
   07] Über das aber habe ich heimlich eine kleine Freude, daß da meine Voraussage doch etwas Treffendes gehabt hat, nämlich, daß man ob des Nichterscheinens der Streiter am frühsten Morgen nicht zu vorlaut jubeln solle! Denn das sind schon einmal sicher ein paar so recht Hitzige, da sie ihre Füße gar so eiligst wechseln!
   08] Doch nun kein Wort mehr weiter; denn sie sind schon so gut wie hier!«
   09] Und die zwei Männer näherten sich eiligen Schrittes den Vätern auf der Höhe und grüßten sie überaus ehrfurchtsvoll.
   10] Der Adam aber trat sogleich mit der angewohnten patriarchalisch-richterlichen Amtsmiene hervor und fragte sie auch auf die gewöhnliche Art: Welcher Zwist hat euch hierher getrieben?
   11] Und einer der zwei Männer erwiderte: »Vater Adam, diesmal wirst du von uns auf diese Frage wohl schwerlich eine Antwort aus unseren Herzen erhalten! Daher wirst du dich für diesmal schon müssen zu einer andern Frage bequemen; denn uns trieb heute durchaus kein Zwist hierher!«
   12] Bei dieser Gelegenheit bemerkte für sich selbst auch der Abedam, sagend nämlich: »Mir scheint, auch ich habe meiner Voraussage etwas zu früh ein Preiswort gesprochen! O Herr vergib mir meine allzeit große Torheit!«
   13] Der Adam aber fiel auf die Äußerung des Fremden alsogleich aus seiner Rolle und wußte nun nicht mehr, was er die beiden fragen oder was er sonst mit ihnen reden oder machen solle und berief daher den Henoch zu sich und fragte ihn, was hier zu tun sein solle.
   14] Der Henoch aber sagte: »Nichts - als warten! Denn haben die beiden irgendeinen Grund, warum sie zu uns gekommen sind, so werden sie ihn uns schon ohnehin noch früh genug kundgeben; und haben sie keinen andern als allein den, uns zu sehen, so werden sie wohl wieder umkehren, wenn sie sich an uns werden satt gesehen haben.
   15] Daher sollen wir allzeit unbekümmert sein, warum dies und warum jenes, sondern alle unsere Sorge sei gerichtet auf Den, der da noch gestern überheilig unter uns gewandelt hat!
   16] Siehe, solches allein tut uns allen not; für alles andere aber wird schon der liebevollste, heilige Vater sorgen!
   17] Darum magst du, Vater Adam, auch nun völlig ruhig sein und somit belassen alle die alten, nichtssagenden Amtsformen! Denn Er hat uns allen ja eine neue Form gegeben, nämlich die allerherrlichste Form der Liebe; bei der und in der aber sollen und wollen wir auch jetzt, wie ewig, verbleiben! Amen.«


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