Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 146. Kapitel: Weisheitsvolle Rede des Fremden über den Zweck seines Kommens. Henochs Ahnung.

   01] Diese Worte Henochs führten den Adam wieder ganz zur Ruhe; der Fremde aber, der schon früher geredet hatte, trat nun zum Henoch hin und sagte zu ihm:
   02] »Henoch, deine Worte gefallen mir! Du bist ein wahrhafter Lehrer und Prophet; denn du predigst die Liebe.
   03] Die Liebe auch ist der Grund, der Mich und, wie du es siehst, noch einen Bruder hierher geführt hat.
   04] Denn nicht streiten wollen wir vor euch, die ihr mit dem Geiste der Liebe seid erfüllt worden, sondern eben den Geist der Liebe wollen wir in euch erforschen also, als wäre er uns ein fremder; und haben wir ihn erforscht, da wollen wir ihn euch nicht nehmen, sondern in aller Fülle, wie er in euch ist, belassen!
   05] Siehe, das ist der Grund, darum wir hierher kamen! - Es geht aber die Sonne ja auch auf und unter, wodurch da entsteht Tag und Nacht auf der Erde; aber in der Sonne selbst, die eine bei weitem größere Welt ist denn die Erde, gibt es keine Nacht, da die Sonne durchaus Licht ist.
   06] Also scheint es auch der Fall zu sein mit dem Menschen, so er nicht durch und durch erforscht ist in seiner Liebe, daß er ist gleich einem Planeten, auf dem es bald Tag und bald wieder Nacht wird.
   07] Wenn er aber durchforscht wird in seinem Herzen, alsdann wird das Herz zur Sonne, und so wird fürder keine Nacht mehr in seiner Seele!
   08] Also erforscht ja auch ein Bräutigam seine Braut und diese dann den Bräutigam; dadurch wird ihre Liebe stets leuchtender, darum (weil) sie sich auch stets mehr und mehr erkennen und dann auch um so inniger lieben.
   09] Und wenn ihre Liebe dann vollbrändig wird, so ergreifen sie sich, für ewig durch und durch erleuchtet, da sie sich erkennen und in dieser Erkenntnis sich erst völlig gegenseitig wohlgefallen.
   10] Daher laßt uns gegenseitig auch also erforschen, damit unsere Liebe eine vollkommene werde!«
   11] Hier zupfte Abedam den Henoch und sagte: »Bruder, wie werde ich mich denn in meiner Heimat als Lehrer ausnehmen, wenn es dort also überaus weise Männer gibt?!
   12] Denn, erlaube mir, gegen den sind wir beide ja schon wieder im Staube! Nein, es ist mir unbegreiflich, woher diese denn solche Weisheit genommen haben!«
   13] Der Henoch aber sagte: »Abedam, sei nur ruhig; denn da wird schon noch etwas Unbegreiflicheres herauskommen! Denn die Männer gefallen mir überaus gut! - Verstehst du das?«


Home  |    Inhaltsverzeichnis  |   Werke Lorbers