Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 120. Kapitel: Furcht der Träger und Verlegenheit Puras vor der Heiligkeit Abedams. Seine beruhigenden Worte. Der Herr als Gott und als Vater.

   01] Als aber die Träger solches Zeugnis aus dem Munde Abedams Selbst vernommen hatten, und desgleichen auch ganz klar die Pura, da fielen die Träger alsbald zur Erde nieder, und das zwar also erschreckt, als wenn sie schon der ewige Tod und ein alles vernichtendes Gericht am Kragen gepackt hätte.
   02] Denn sie waren sich so mancher kleiner Vergehungen bewußt, und da sie aus so manchen strengen Lehren Adams, Seths und Enos wußten, daß der allmächtige, heiligste Jehova irgendwann sicher einmal kommen werde und werde da ein überstrenges Gericht halten und zugrunde und zunichte machen alle Ungehorsamen in dem allerheftigsten und allerbrennendsten Feuer Seines unendlichen Zorns, so war es nun völlig aus mit ihnen.
   03] Denn diese Meine schnell gefaßte Offenbarung Meiner Selbst ließ in ihnen nun keinem andern Gedanken Platz, als daß Ich nun gekommen sei, dieses schreckliche Gericht zu halten.
   04] Und weil sie sich, wie gesagt, einiger kleiner Fehler bewußt waren, so dachten sie auch nichts anderes als nur, am ganzen Leibe bebend, wie sie sicher schon gar bald das überaus entsetzlich heiße Gerichtszornfeuer ergreifen werde und werde sie auch bald überschmerzlichst für ewig zu verzehren anfangen.
   05] Es dauerte nicht lange, so fingen sie auch förmlich an, zu heulen und überaus zu wehklagen, und nur der frühere Redner allein war noch imstande, sehr stotternd herauszubringen:
   06] »O wie - gut - und um wie vieles - besser - wären wir nun - daran, so wir nie wären geboren worden!«
   07] Darauf ward auch er stumm und erwartete das richterliche Donnerwort samt den übrigen.
   08] Das Benehmen dieser zehn Träger brachte aber auch die sonst standhafte und vor Liebe zu Mir nahezu verschmachtende Pura in eine bedeutende Verlegenheit, darum sie sich schüchtern an Mich wandte und sagte, Mich gleichsam fragend:
   09] »O Du, so Du bist, wie Dich schon Seth auf der Höhe begrüßt hatte in der allerhöchsten Ehrfurcht, und wie Du Dich jetzt vor den zehn Trägern Selbst laut und überklar geoffenbart hast, daß ich darob nun auch kein Bedenken mehr in mir trage, Dich als das vollends anzuerkennen, als was Du Dich veroffenbart hast nun vor mir Armen, wie vor diesen zehn Trägern, - so bitte ich Dich Deiner unendlichen Heiligkeit willen, daß Du mich von Dir lassen möchtest; denn ich bin ja zu unheilig, um zu ruhen auf Deinen überheiligen Händen!
   10] Denn nun glaube ich es ja fest in mir, daß Du derjenige bist, dessen Name keine Menschenzunge wert ist auszusprechen, obschon meine früheren Begriffe von Dir nach der Lehre Faraks ganz anders gestaltet waren, durch welche ich mir Dich als ein unsichtbares, endloses Feuer vorstellte.
   11] Daher sei mir nun gnädig und barmherzig, und laß es doch nicht länger zu, daß ich hinfort noch entheiligen soll Deine Hände!
   12] Doch Dein überheiliger Wille geschehe jetzt, wie ewig!«
   13] Nach diesen Worten aber sagte der Abedam zur Pura: »Nun, du Meine Erwählte, willst du Mich denn eben jetzt, da du Mich erkannt hast, weniger lieben als ehedem, da du Mich noch nicht erkannt hast?!
   14] Habe Ich Mich denn darum gegen dich verändert, weil Ich Mich dir zu erkennen gab?!
   15] Hast du noch nie bemerkt bei einem Ungewitter, daß so manche Wetterwolke in der Entfernung ganz entsetzlich schrecklich drohend aussieht?! Wenn sie aber herbeikommt, so bringt sie mit ihrem von ferne her so überstark drohenden Gesichte nichts denn einen segenvollen Regen, der da befruchtet und erquickt das von den Weisheitsstrahlen der Sonne ausgedorrte Erdreich und das nahezu ganz verbrannte Gras!
   16] Siehe, also ist es auch hier derselbe Fall: Du hast Mich bis jetzt nur immer von weiter Ferne ahnend gesehen, und das im Feuer des verderblichsten Gerichtes, - aber als den allerliebevollsten Vater hast du Mich noch nie geahnt und noch viel weniger gedacht; darum auch bist du jetzt samt den zehn Trägern also voll von aller Furcht und Angst!
   17] Wenn Ich aber also wäre, wie du Mich bis jetzt gekannt hast aus der schon stark verunglimpften Lehre Faraks in dieser Zeit in der Tiefe, möchte Ich dich da wohl auch aus aller Meiner Vaterliebe auf Meinen Händen tragen?!
   18] Daher aber wisse nun auch in deinem Herzen, daß Ich nicht nur allein Jehova, der allmächtige Gott und Schöpfer aller Dinge bin, sondern im Verhältnisse zu euch vielmehr der allein wahre, heilige, liebevollste Vater, der da niemanden richten will ewig je zum Verderben, sondern als der allein wahre Vater nur jedermann aufrichten zum ewigen Leben!
   19] Siehe, so Ich richten wollte, darum bedürfte Ich nicht, sichtbar mit Meinen Füßen zu berühren der Erde Boden, sondern dazu wäre ein allergeringster Gedanke von Mir ja hinreichend, um im Augenblicke zunichte zu machen alle Werke in der ganzen Unendlichkeit!
   20] Da Ich aber sichtbar zu euch gekommen bin, so kam Ich ja nur, zu suchen das Verlorene und zu beleben das Tote!
   21] Daher liebe du Mich jetzt nur noch mehr statt weniger, darum du Mich jetzt erkannt hast und weißt nun, daß da Ich allein der liebevollste Vater bin!
   22] Darum also sei darob kein Unterschied zwischen uns, sondern in der Liebe wollen wir eins sein ewig!
   23] Und also erstehet auch ihr von eurer alten Torheit, und folget Mir! Amen.«
   24] Darauf richteten sich die zehn alsbald wieder auf, nahmen ihre Körbe und folgten Ihm auf die Höhe und schämten sich ihrer großen Torheit und baten darob den Abedam um Vergebung ihrer so großen Torheit.
   25] Die Pura aber schmiegte sich nun um so liebender an die heiligste Brust des nun erkannten überguten Vaters.


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