Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 121. Kapitel: Die Speiseordnung u. das Mahl. Gottes Rede über die Hindernisse und Beschränktheiten als Bedingungen alles Lebens.

   01] Als sie sogestaltet auf der Höhe anlangten, allda segnete der hohe Abedam die gefüllten Körbe. Sieben Körbe ließ Er sodann sogleich verteilen an alles Volk; drei aber behielt Er für die Höhe, und zwar den ersten für Sich und Seine nächsten schon bekannten Freunde, wie nun auch für die Pura, und zog auch den Seth zu Seinem Korbe, - den zweiten gab Er dem Adam und seinen Kindern und hieß auch die zwölf schon bekannten Boten teilnehmen am selben, und den dritten übergab Er allen den schon bekannten Kindern des Morgens.
   02] Nachdem somit alles ordentlich verteilt war, dankten alle dem hohen Geber für solche herrliche Gaben, ließen sich zu den Körben nieder und aßen und tranken; und als da alles vollauf gesättigt ward und alle auch dem Herrn ihren Dank dargebracht hatten in ihren Herzen, da sagte der hohe Abedam zu allen den Anwesenden:
   03] »Kinder, wer da von euch müde ist, der pflege der Ruhe; wer aber mit Mir wachen kann und will, der tue das! Wer etwas noch wissen will, der frage, ob männlich oder weiblich, es soll ihm Antwort werden!«
   04] Nach diesen Worten drängte sich alles um den Abedam her und nur eine Stimme war zu hören, und diese lautete:
   05] »O Vater, wer könnte da wohl schlafen, solange Du wachst und Deinem heiligsten Munde entströmen Worte des ewigen Lebens?! Daher erlaube uns nur allen, wach zu verbleiben, und führe uns nicht in die Versuchung des Schlafes! Dein heiliger Wille! Amen.«
   06] Und der Abedam erwiderte darauf: »Also wachet denn in Meinem Namen! Amen.«
   07] Die Pura aber, die nun noch fest beim Abedam saß und ruhte, fragte Ihn liebefurchtsam: »O Jehova, dürfte auch ich Dich um etwas fragen und bitten, daß Du mir und somit auch allen darüber möchtest allergnädigst einen Aufschluß geben, worüber ich Dich fragen möchte?«
   08] Und der Abedam sagte darauf zu ihr: »Siehe, du Meine auserwählte Pura, es besteht schon eine alte Regel, sogar in der Tiefe noch heutigentags gang und gäbe, die da spricht: ,Dem Könige und dem Fremden gebührt der Vorzug!'
   09] Du bist nun auch noch eine Fremde allhier; so geziemt es auch dir, daß du zuerst fragst, darüber du die lichte Antwort haben möchtest, und so frage denn nur darauf los, und Ich will dir nun alles enthüllen mit kurzen Worten, worüber du Licht haben möchtest! Amen.«
   10] Und sogleich war die Pura mit folgender Frage fertig, welche also lautete: »Jehova, Du allmächtiger Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge, Du weißt es ja, wie arg es sicher wider Deinen allerheiligsten Willen dort unten zugeht!
   11] Du bist ja jetzt auch noch gerade warst, als Du hast Himmel und Erde werden lassen; wäre es denn Dir nicht möglich, die Tiefe augenblicklich zu bessern und vollkommen Deinen Wünschen gemäß umzugestalten? Denn in der Tiefe weiß man von Dir ja soviel wie nichts und will anderseits auch nichts mehr wissen, wie es Dir ganz sicher gar wohl bekannt sein wird! - O Jehova, wäre solches denn nicht tunlich?«
   12] Und der Abedam sagte darauf zur Pura: »Höre du, Meine erwählte Pura, die Frage hast nicht du erfunden, sondern sie ist der ganzen sich selbst bewußten Unendlichkeit eigen!
   13] Ich sage dir aber auch, nur dir und den anwesenden Kindern, Freunden und Brüdern will Ich darüber etwas näher Bestimmendes kundgeben, sonst aber wohl der ganzen Unendlichkeit nicht - und wenn sie Mich darum fragte eine Ewigkeit um die andere!
   14] Und so höre denn du, und höret ihr alle: Hindernisse sind der Grund alles Seins und Fortbestehens! So ein Ding da ist, so ist es nur da durch seine ihm eigentümliche Beschränktheit, welche da ist für dasselbe ein offenbares Hindernis.
   15] Siehe an die Sonne! Wäre sie nicht beschränkt durch Meinen Willen also, und wäre ihr dieser nicht zum bleibenden, ewigen Hindernisse, wahrlich, es stünde nicht eine Sonne am Himmel und also auch keine Erde im großen All!
   16] Siehe an einen Stein, wie beschränkt er ist von allen Seiten, und wie viele Hindernisse er in sich faßt; ja, je beschränkter und je hindernisreicher er ist, desto beständiger, solider, gediegener und edler ist er auch!
   17] Also wächst auch alles Gras, alle Kräuter und Bäume nach dem Gesetze der Beschränktheit und zufolge der vielfachen, inneren Hindernisse, welche da sind ein beständiges Kämpfen aller seiner Teile gegenseitig.
   18] Also sind die Hindernisse und die Beschränktheiten das eigentliche Wesen der Dinge selbst, ohne welche sie alsogleich zu sein aufhören würden, und die ganze unendliche Schöpfung ist demnach aus lauter Hindernissen und Beschränktheiten zusammengesetzt.
   19] Nur Ich allein bin - und muß es sein! - vollkommen frei und unbeschränkt, damit durch Mich alles sein gerechtes Hindernis und die volle Beschränktheit erhält zu seinem Dasein.
   20] Wie es sich aber verhält mit den Dingen, also muß es sich auch verhalten mit allem dem, was da ist des Geistes.
   21] Fände der lebendige Geist nichts, daran er sich stoßen möchte, so hätte er auch kein Bewußtsein und somit auch kein Leben.
   22] Da Ich aber zulasse, daß da sind für den Geist selbst eine Menge Gegensätze überall und allzeit, gute und schlechte, - die schlechten für die guten und die guten für die schlechten, - so stoßen sich die Geister gegenseitig einander und erwecken sich gegenseitig zum Leben.
   23] Die Guten werden dadurch stets lebendiger, und die Schlechten werden endlich durch die Guten auch geweckt und nehmen dann eine andere Richtung und gehen über ins wahre Leben und werden dann stets freier von einem Hindernisse, darum sie übergehen in das andere des wahren Lebens.
   24] Siehe, du Meine erwählte Pura, also beginnt Meine Ordnung und hat nimmerdar ein Ende; daher kümmere dich nicht mehr der Tiefe, sondern glaube es Mir, daß Ich das alles schon von Ewigkeiten her vorgesehen habe, und daß alles, was da ist und geschieht, nach Meinem ewigen Rate geschieht!
   25] Die Tiefe wird umgeändert werden, je nachdem die Höhe sich umändern wird; am Ende aber wird es dennoch geschehen, daß da sein wird ein Hirt und eine Herde!
   26] In der Liebe aber ist alle diese Ordnung; daher sei ruhig, denn Ich weiß es am besten, was da ist, und warum es also geschieht!
   27] Der Reine aber wird das alles in der Reinheit erschauen! Amen.«


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