Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 116. Kapitel: Frage Puras, des Mädchens aus der Tiefe, nach der Person Abedams.

   01] Da aber der Adam und alle hier Anwesenden vernommen hatten, daß der hohe Abedam geredet hatte von dem Mädchen, fingen sie Ihn an zu loben und zu preisen über alles.
   02] Der Lamel aber lud dasselbe alsobald auf seinen Arm und stellte sich nach der Beheißung vor Abedam hin.
   03] Da aber das Mädchen aus allen den ihm wohlverständlichen Worten Abedams selbst heimlich abgenommen (entnommen) hatte, wie von den Reden Adams und von dem lauten Lobe, das nun alle Anwesenden Ihm dargebracht hatten, daß da hinter dem Abedam etwas ganz Außerordentliches stecken müsse, da ließ ihm seine angeborene Neugierde keine Ruhe mehr.
   04] Damit es aber vollends erfahren möchte, was denn da so ganz eigentlich mit diesem sonderbaren Manne es für eine Bewandtnis habe, brachte es seinen Mund etwas furchtsam an das Ohr des Lamel und sagte mit leise bebender Stimme zu ihm;
   05] »Lieber, großer und sehr starker Freund! Möchtest du mir denn nicht zur Kunde tun, wer denn so ganz eigentlich dieser Mann ist, der da, wie ich es abgenommen und verstanden, ,Abedam' genannt wird?
   06] Denn siehe, ich frage dich darum, dieweil es mich sehr befremdet, da er nur aussieht wie ein jeder von euch; jedoch seine Worte scheinen, ja sie sind himmelweit unterschieden von allen noch so erhaben klingenden Worten, welche aus einem anderen Munde kommen: ja sie kommen mir vor, als wenn sie alle Himmel und alle Erde durchdringen möchten!
   07] Was mich aber noch am allermeisten befremdet, ist das, daß mich alsbald alle Angst und Traurigkeit so ganz und gar völlig verließ, als ich seiner ansichtig wurde, daß es mir nun eine - allerblankste Unmöglichkeit wäre, zu trauern und zu weinen nach meinen also erbärmlichst hingerichteten Eltern!
   08] Daher, lieber, großer und sehr starker Freund, bitte ich dich, daß du mir etwas Näheres kundgeben möchtest über diesen überaus merkwürdigen Mann, in dessen Blicke schon eine viel größere Macht verborgen waltet als in den Armen aller noch so kräftigen Menschen!«
   09] Der Lamel aber wußte nicht, was er da nun tun solle, und machte daher eine Miene, als wenn er sich so recht aus der Tiefe fassen wollte.
   10] Da er es aber mit dieser seiner Blindfassung etwas ins zu Lange trieb, so überstieg solche Ausflucht gar bald die Geduld des Mädchens, und es fragte ihn darum auch alsbald, etwas befremdet wieder:
   11] »Höre, lieber, großer und sehr starker Freund, der du mich nun auf deinem starken Arme trägst nach dem Willen dessen, um den ich dich fragte, warum tust du denn, als wolltest du mir wohl eine Antwort geben, bleibst dessenungeachtet aber dennoch stumm, als wäre dir die Zunge im Munde versteint geworden?
   12] Oder habe ich etwa einen Fehler dadurch begangen, daß ich dich fragte, das sich etwa nicht geziemen dürfte für ein Geschöpf aus der Tiefe?!
   13] O ich bitte dich, sage mir doch nun entweder das eine oder das andere!«
   14] Hier sagte der Abedam zum Lamel: »Lamel, hast du denn ein Gebot von Mir, darum du stumm sein sollst?
   15] Dergleichen weiß Ich nicht, daß Ich oder jemand in Meinem Namen es dir gegeben habe; darum kannst du ja wohl reden, was da ist des Rechtens.
   16] Ich sehe aber schon, daß du dazu aus dir nicht hast den Mut; so gib denn das Kindlein her, damit es unterwegs auf Meinem Arme erfahre, wonach es dürstet, - du aber gehe nun hinter Mir einher! Amen.«
   17] Hier nahm alsogleich der hohe Abedam das Mädchen auf Seinen Arm, das darob über die Maßen fröhlich wurde und sich alsbald mit derselben Frage an Ihn Selbst wandte und zur Frage noch gar lustig hinzusetzte:
   18] »O du lieber, mir heilig zu sein' scheinender Mann, du wirst sicher! doch nicht auch so spröde sein wie der Mann hinter uns, der mich armes Mädchen nahezu keiner Antwort für wert zu halten schien, darob er stumm blieb über das, darum ich ihn gefragt habe, und wirst mir eine Antwort geben auf meine Frage?!
   19] Hier drückte der Abedam das Mädchen an Seine überheilige Brust und sagte zu ihm: »Meine liebe Pura, du sollst ja alles erfahren, wonach du nur immer dürstest!«
   20] Hier verwunderte sich das Mädchen außerordentlich, darum es der ihm noch fremde Mann beim eigenen Namen angeredet hatte.
   21] Der Abedam aber fuhr fort also mit ihr zu reden von Sich Selbst: »Du wunderst dich, daß Mir bekannt ist dein Name; allein, wenn du Mich erst mehr und mehr wirst kennen lernen, da wird dich solches mitnichten mehr wundernehmen, sondern dann wirst du staunen über ganz andere Dinge!
   22] So du aber nun hast ein bereitetes Ohr, da höre: Siehe, du selbst sagtest ja, es seien Meine Worte viel erhabener als die eines jeden anderen Mundes und scheinen Himmel und alle Erde zu durchdringen, und in Meinem Blicke liege für dich mehr Kraft denn in allen noch so starken Menschenarmen! Auch hat dich alle Angst und Traurigkeit verlassen, als du Meiner ansichtig wurdest!
   23] Nun siehe du, Meine liebe Pura, so du schon solches alles an Mir vorgefunden hast, was geht dir da denn noch ab zu Meiner innigeren Erkenntnis?!
   24] Ich könnte es dir wohl augenblicklich sagen und dir zeigen durch Wort und Tat, wer Ich so ganz eigentlich bin, - aber du würdest es nicht ertragen; es würde dich töten und gänzlich zugrunde richten!
   25] Daher gebe ich Dir nun statt der vollen Antwort den Rat und sage dir: Liebe Mich in deinem Herzen über alles, sodann wirst du es alsbald im selben vollkommen erfahren, wer eigentlich Ich bin!
   26] Frage aber ja nicht, ob du solches etwa wohl dürftest; denn Ich ja sage dir solches! Darum liebe Mich unverhohlen nur über alles! Amen.«


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