Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 115. Kapitel: Adams Lobrufe über die Erbarmung Gottes und Seine Menschwerdung in Abedam.

   01] Nach dieser Rede Abedams ward der Adam und alle, die da zugegen waren, also ergriffen, daß sie, voll der inbrünstigsten Liebe und der allerinnersten wahren Dankbarkeit, zu weinen anfingen und der Adam endlich laut ausrief:
   02] »O Mensch, o Mensch! Was könntest du sein der Liebe des ewig heiligen Vaters, wenn dich dein eigener freier Wille nicht unheilig gemacht hätte vor Ihm!
   03] Wie unendlich gut bist Du, o heiliger Vater, - und wie tief müssen wir gefallen sein vor Dir, da Deine ewige Liebe nur durch eine unendlich große Erbarmung uns zu retten genötigt ist und zu retten vermag!
   04] Ja, - jetzt erst, jetzt, jetzt erst sehe ich es ein, was Du, o überheiliger Vater für uns getan hast, jetzt tust, und ewig tun wirst!
   05] Laßt mich jetzt schreien, daß meine Stimme alle Weltenpole vernehmen möchten; - laßt mich verkünden wie alle Weltendonner - so stark laßt es mich verkünden aller Kreatur, allen Welten und allen Himmeln, was unendlich Großes der Herr, der endlos heilige Gott an uns endlos groß gefallenen Sündern vor Ihm getan hat!
   06] Hört es, ihr Himmel alle, du Sonne, du Mond und Erde, vernimm es aus meinem Munde:
   07] Gott, der Ewige, der Unendliche, der Heilige, der allmächtige Gott! - O Herz, du mein Herz, nur jetzt breche mir nicht die Stimme der Zunge; jetzt lasse, daß ich schreie aus allen meinen Kräften! - Er, Er, vor dem tausendmal tausend Jahre sind wie ein allerflüchtigster Augenblick, - Er, vor dessen Hauche alle endlosen Räume erbeben und die Ewigkeiten vor übergroßer Ehrfurcht ins Nichts zurücksinken, Er, der mit einem Blicke tausendmal tausend Sonnen werden und wieder vergehen machen kann, - Er, Er unmittelbar Selbst hat uns, die allein allerunwürdigsten Geschöpfe, Seiner endlosen Heiligkeit vergessend, aus Seiner allerheiligsten Tiefe angeschaut, hat, darum wir durch unsere allergrößte freiwillige Bosheit also allertiefst von und vor Ihm gefallen sind, um uns Seine große Erbarmung angedeihen zu lassen, die ganze Unendlichkeit erfüllt mit zahllosen Stufen, damit wir wieder zu Ihm emporklimmen möchten!
   08] Seiner endlosen Liebe und Erbarmung aber kam dieser Weg für die Gefallenen zu endlos schwer vor; Er vergaß daher noch mehr Seiner endlose Heiligkeit, stieg auf den weiten Flüge Seiner Allmacht Selbst durch alle die endlosesten Stufen zu uns herab also wie Er hier ist vor uns, gleich uns Farbe und Gestalt ein Mensch, um uns fürs erste den ewig nie ganz ersteigbaren Weg zu ersparen und dann uns, des allerletzten von allen Seinen Kreaturen, die wir uns freiwillig allerboshaftester weise von Ihm abgewendet haben, uns allein allertiefst Gefallenen zu werden das Allerhöchste, das Undenkbarste -.
   09] Höret, höret es, ihr alle Äonen des ausgegossenen Lebens aus Ihm! -, um uns zu werden - o Gott, o Gott, o Gott! Du großer, heiliger Gott, Meine matte, sterbliche Zunge wagt es kaum auszusprechen! -, um uns Sündern der Sünder zu werden ein allein wahrer, liebevollster, allerbarmender, heiliger Vater!
   10] Noch nicht genug, wie Er jetzt ist vor uns: ein Vater, sondern - wie es mein Geist erfaßt hat - einst aus übergrößter Liebe zu uns Allerniedrigsten Selbst anzuziehen die dann ewig bleibende sündige Form unseres Fleisches, darinnen wir gefallen sind vor Ihm, dem ewig Heiligen, um uns noch näher an Sich zu ziehen, - um uns zu werden ein Retter, ein Führer, ein allerweisester Bruder!
   11] Nein, nein, nein, das ist zu viel! - Abedam! Abedam! Abedam! Du endlos heiliger, liebevollster Vater! Wer - und was sind wir denn, daß Du uns, die wir doch am wertlosesten sind vor Dir durch und in Deiner ganzen Unendlichkeit, also unbegreiflich gnädig bist? - «
   12] Hier unterbrach der hohe Abedam den Adam und sagte zu ihm: »Höre, Adam, endlich siehst du es ein, wer Ich bin, und was Ich tue!
   13] Ich sage dir aber: Wie du bist, also bleibe auch fürder, so hast du das ewige Leben schon in dir!
   14] Du warst zwar in deiner Größe dereinst berufen, Meinem Herzen zu werden ein lieblicher Bruder, ein Mitgespiele und innigster Mitgenosse Meiner ewigen, unendlichen Vollkommenheiten.
   15] Da du aber als der geistige Adam Mir das nicht werden wolltest in der großen Einfachheit (Einheit) deines aus Mir hervorgegangenen Wesens, so sollst du Mir aber dennoch das werden in allen deinen Kindern, darum dich dereinst Mein Herz so sehnsüchtigst überherrlichst aus sich werden hieß!
   16] Verstehest du solches! - Siehe, das ist es, darum Ich alles das tue und habe nun für ewig, wie einst dem Größten, Mein Herz zugewandt dem Kleinsten, um es zu erheben über alles! - Nun nichts mehr weiter!
   17] Da der Abend herbeigekommen, darum sorgen wir, daß wir nach Hause kommen zu denen, die unser schon sehnsüchtigst harren!
   18] Du, Lamel, aber nimm das Mädchen und trage es vor Mir als ein großes Siegeszeichen einher! Amen.«


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