Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 83. Kapitel: Gotteskindschaft steht höher als Gottesbrüderschaft und Gottesknechtschaft.

   01] Nach der Beendung der allerbeachtenswertesten Worte Horedons, die er da geredet hatte aus Mir, aber belobte Ich als der hohe Abedam den wackeren Horedon, zu ihm sagend:
   02] »Horedon, wahrlich, Ich sage es dir, du bist Mir ein tüchtiges Werkzeug geworden! Siehe, was gar viele schon gesucht, aber dennoch nicht finden mochten, das hast du nun aus Mir vor allen laut verkündet also treu und vollkommen wahr, wie Ich, die Urquelle aller Treue und aller Wahrheit, es dir treu und wahr gegeben habe!
   03] Darum lobe Ich dich und sage dir, daß du diese wahre Kindschaft, welche du aus Mir wiedergegeben hast allen, die sie in dieser ihrer Wurzel schon gar lange Zeit nicht mehr kannten und aus sich auch nimmerdar erkennen und finden konnten, für dich selbst nun für alle Ewigkeiten der Ewigkeiten erworben hast, und keine irdische Macht wird sie dir mehr entreißen können; denn die Macht, welche da innewohnt den wahren Kindern, ist größer denn alle Mächte der Welt und der Welten und aller ihrer Körper und Wesen.
   04] Wie aber der Horedon nun die Kindschaft überkommen hat, also gebe Ich sie auch euch allen; denn wahrlich, es gibt im Himmel, wie auf der Erde nichts Größeres, Mächtigeres und Erhabeneres als Meine Kinder. Wer somit die Kindschaft hat, der hat mehr, als was alle Himmel umfassen; ja wahrlich, er hat unendlichmal mehr!
   05] Denn er hat Mich, Gott, den ewigen, unendlichen, ja den über alles erhabenen Gott voll Macht, Kraft und Heiligkeit, als den liebevollsten, allein nur wahren Vater in sich und ist also völlig in Mir, das heißt in aller Meiner Vollkommenheit, welche da ist Meine unendliche Liebe, Gnade, Weisheit und Stärke.
   06] Sehet, das ist sonach die Kindschaft, und diese Kindschaft gebe Ich nun euch!
   07] O Kinder, wäret ihr nun fähig, noch Größeres von Mir zu nehmen?
   08] O wahrlich, Ich sage es euch, ihr könnet es nimmer; denn Meine Kinder sind mehr denn die Engel des Himmels!
   09] O Kinder, wenn ihr Meine Brüder wäret, da wäret ihr viel geringer, als ihr da seid als Meine lieben Kinder; denn welcher Vater hat wohl seinen Bruder lieber um sich als seinen Sohn?!
   10] Oder überkommt auch der Bruder vom Bruder ein Erbteil, so er sich nimmt ein Weib?!
   11] Da ihr aber schon eure Kinder höher schätzt als eure Brüder, so werde ja doch auch Ich als der allerwahrste und vollkommenste Vater wissen, wieviel Meine Kinder wert sind!
   12] Ihr gebet euren Kindern nur eurer Hände Mühe zur Aussteuer; Ich aber gebe euch Mein Alles, welches da ist Meine Liebe oder Mein allereigentlichstes, urewiges Leben selbst vollkommen.
   13] Nun wisset ihr zwar schon lebendig in euch, was da sind Meine Kinder, - aber eines geht euch dabei denn doch noch ab, und dieses eine ist, daß ihr noch erfahrt, wer da diejenigen sind, welche die Kindschaft überkommen von Mir und aus Mir.
   14] Sehet, solches ist auch von größter Wichtigkeit zu erfahren; denn es sind wahrlich noch nicht alle jene Meine Kinder, die zu Mir rufen und sagen: Lieber, heiliger Vater erhöre uns Deine Kinder!', ihre Herzen aber bleiben dabei kalt, als hätten sie da den gleichgültigsten Gegenstand benannt, und ihr Vertrauen ist da auch also wie ihre Herzen beschaffen.
   15] Diese Art von sein sollenden, aber nicht sein wollenden und nicht wirklich seienden Kindern möchte nur Meine Macht und Stärke, um sich damit durch allerlei Großmachtsspielereien die Zeit zu vertreiben, ob ihr loses Tun da Schaden oder Nutzen bringen möchte.
   16] Ich aber sage euch: Solche Kinder sind also ferne der wahren Kindschaft noch, als so weit und ferne ein Ende des Himmels vom andern absteht; ja zwischen ihnen und Meinen wahren Kindern ist noch eine unendliche Kluft!
   17] Noch andere dehnen den großen Begriff der Kindschaft also weit aus, daß sie sich und alle Geschöpfe für Meine Kinder ansehen.
   18] Daß diese einen noch gröberen Irrtum begehen denn die früher Erwähnten, wäre überflüssig euch näher auseinanderzusetzen, da ihr nun schon wisset, was da Meine Kinder sind im Geiste der Liebe und aller Wahrheit aus ihr.
   19] Ihr sollet aber als wahre Kinder nur das erkennen, daß da ein großer Unterschied waltet zwischen jenen, die da erkennen einen Gott und Schöpfer, und jenen, deren Herz Gott alsbald heißliebend erfaßt und Ihn nimmerdar ausläßt und sich auch dann um nichts mehr kümmert als nur darum, wie es könnte Gott stets liebender erfassen.
   20] Die ersten werden bei der Erkenntnis Gottes sagen: ,Gott, Du allmächtiger, Du großer, Du heiliger, Du erhabener Schöpfer, wie groß und herrlich sind Deine Werke; darum wollen wir Dich allzeit loben, rühmen und über alles hochpreisen!'
   21] Die zweiten aber sagen: ,O Gott, wie liebevoll mußt Du sein, da wir nicht umhin können, Dich trotz Deiner unendlichen Erhabenheit und Heiligkeit dennoch über alles zu lieben!
   22] O wie gut mußt Du sein, da uns die Liebe also mächtig zieht zu Dir!'
   23] Sehet hier die ersten staunend über ihren erkannten Gott, die zweiten aber vor Liebe in Tränen zerfließend, so sie an Mich nur irgend etwas erinnert, indem sie hinter ihrem guten Gott schon einen liebevollsten Vater ahnen!
   24] Merket ihr hier den mächtigen Unterschied?!
   25] Sehet, die erste Art sind nur Knechte, die für den Lohn arbeiten, die zweite Art aber Kinder, welche da nichts wollen denn nur allein den Vater!
   26] Sehet, das ist der große Unterschied und zeigt euch, wie sich die wahren Kinder auszeichnen müssen, und worin also die wahre Kindschaft besteht, und wer sie überkommt!
   27] Damit ihr aber dieses noch gründlicher erfassen möget, so wollen wir zu eben dem Zwecke noch den Jorias vernehmen, was da er in dieser Hinsicht denn alles in sich geschaut hat, und dann erst in dieser allerwichtigsten Sache ein helleres Licht anzünden in euren Herzen.
   28] Und also komme denn her zu Mir, Jorias, und erfülle den Willen deines heiligen und liebevollsten Vaters! Amen.«


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