Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes', Band 2

Kapitelinhalt 82. Kapitel: Die Würde und Größe der Gotteskindschaft.

   01] Nach dieser Darstellung des Gesichtes Horedons durch die Tat und nach seinen wenigen Worten darüber aber fragte der Abedam alsbald den Horedon, sagend nämlich:
   02] »Horedon, nachdem somit wahrlich dein inneres Gesicht vollkommen kundgegeben ist, so frage Ich dich, wie auch alle, was da denn nun besagt dieses Gesicht; was ist sein Sinn
   03] Einen großen Teil hat schon die Enthüllung Rudomins klärlichst kundgetan; sonach dürfte es euch ja doch wohl nicht so schwer mehr sein, diesen erläuternden Nachtrag aus eurem innerlich erhaltenen Lichte kundzutun. Wer sonach Mut und Weisheit besitzt, der trete hierher und rede!«
   04] Alle aber, als sie solche Aufforderung vom Abedam vernommen hatten, fingen an, den hohen Abedam zu bitten, daß da doch nur Er allerbarmend tun möchte, was Er verlange von ihnen; denn obschon sie wohl wüßten, daß da niemand, der in Seinem Namen auftäte den Mund, vermögend wäre, eine Unwahrheit zu sagen, so wäre aber doch ein solches Wort durch einen zweiten unwürdigen Mund nicht mehr also kräftig und mächtig und lebendig, als so da ebendasselbe Wort dem heiligen Vatermunde selbst also überaus liebevollst entstammt.
   05] Auf diese Bitte nahm alsbald wieder der Abedam das Wort und begann also zu reden: »O Kinder, wieviel Törichtes ist noch in euren Herzen verborgen! Was hat denn der Horedon soeben vorher getan durch Mein in ihn gelegtes Wort, da er zufolge der Nacht und deren eigens derber Finsternis Mich nicht finden konnte?
   06] Sehet, das Wort, das Ich zu ihm geredet habe, hat er, Mir volltrauend, ausgesprochen, und des weißen Berges hohe Zinnen wurden zerrissen, und die im Innern dieses Berges lange schon waltende Glut erbrannte doch augenblicklich durch die weit gemachten Spalten und Risse in lichterlohen Flammen.
   07] Da ihr somit ja doch den augenscheinlichsten Beweis von der Kraft und Macht Meines Wortes nun vor Augen habet, so es auch von eines Kindes Munde ausgesprochen wird, saget, aus welchem Grunde könnt ihr da behaupten, Mein Wort möchte da ohnmächtiger sein, sobald es von euch ausgesprochen wird?!
   08] Wann aber ist der Vater mehr ein Vater, so er sich selbst als solcher zu sein ausspricht, oder so er also gerufen wird von seinen Kindern?
   09] Oder so da jemand von sich aussagte: ,Ich bin ein Vater!', hätte aber dabei keine Kinder, die ihn als solchen anerkennen möchten und rufen, oder jemand, der da nach Hause käme und die Kindlein liefen ihm entgegen und riefen ihn und sagten: ,Ach Vater, Vater, Vater, o Du lieber Vater!'
   10] Saget Mir: Wer von diesen beiden Vätern ist hier mehr Vater?
   11] Ihr saget es in euren Herzen: Der, den seine Kindlein also rufen!'
   12] Seht sonach, ihr noch sehr Törichten, wenn denn der von seinen Kindern ausgesprochene Vater mehr Vater ist als der sich selbst also nur bei sich aussprechende, so ist ja doch auch sicher das Wort ,Vater' aus dem Munde der Kinder mehr wert und kräftiger und mächtiger denn aus dem Munde des Vaters selbst!
   13] Oder wann erbaut und erfreut euch das Wort denn mehr: so ihr euch selbst vor euren Kindern Vater nennet oder so euch eure Kinder fröhlich und voll der zartesten Liebe und voll alles Zutrauens also nennen?
   14] Wenn aber schon ihr darinnen einen übergroßen Unterschied findet, was meinet ihr denn: Bin Ich etwa weniger Vater, denn ihr selbst es seid?!
   15] O ihr noch stark Törichten, sehet ihr denn das noch nicht ein, daß Ich nur allzeit das Allerkräftigste und allervollkommenst Beste will und wünsche zufolge der euch für alle Ewigkeiten der Ewigkeiten gegebenen Freiheit?!
   16] So ihr aber solches in eurem - Herzen unmöglich je werdet in Abrede stellen können, wozu sollte sonach eure Entschuldigung wohl dienlich sein?!
   17] Daher tue du, Horedon, zum wenigsten mit kurzen Worten kund wozu Ich ehedem alle berufen habe; ihr alle anderen aber grabet euch die folgenden Worte tiefst in eure Herzen! Amen.«
   18] Und sogleich begann der Horedon folgende sehr zu beachtende Rede an alle in Meinem Namen zu richten, welche also lautete:
   19] »Liebe Väter, Brüder und Kinder, es ist somit darzutun, was endlos Großes dahinter verborgen liegt, ein Kind des großen, allmächtigen, ewigen Gottes zu sein, und das zwar aus dem Gesichte Rudomins und meines eigenen, und daneben aber auch klar zu erschauen die eigene aus sich selbst hervorgehende Nichtigkeit; solches also ist kurz die zu lösende Aufgabe.
   20] Ich meine aber, sie ist schon aufgelöst vor uns allen, und also habe ich schon wieder nichts anderes zu tun, als mich und euch bloß nur darauf aufmerksam zu machen, was soeben zuvor der überheilige Vater Selbst ausgesprochen hat, nämlich, daß der Vater im Munde der Kinder mehr Vater ist denn im eigenen!
   21] Sehet, darin, darin liegt die endlos allerhöchste Würde und Größe unserer Kindschaft, daß der unendliche, ewige Gott Sich Selbst erst in uns einen Vater nennt und erst dann unser wahrhafter Vater in der allerhöchsten Liebe wird, so wir Ihn als solchen in unseren Herzen erkennen und Ihn in aller Liebe auch also rufen!
   22] So Sich aber der unendliche Gott erst in uns will als Vater vollkommen manifestieren, sagt, was Höheres könnte da wohl noch gedacht werden?!
   23] Was liegt daran, ob wir auch mit dem leisesten Hauche die ganze Schöpfung verwehen möchten und mit einem Gedanken alle Berge entzünden?! Wahrlich nichts gegen dem, so wir zu Ihm in aller Liebe und Wahrheit sagen können: ,Lieber, heiliger Vater
   24] Denn Er, der in Sich ist Gott, der Unendliche von Ewigkeit, ist vermöge Seiner unendlichen Liebe Vater in uns, wie wir Kinder in Ihm.
   25] Er zwar ist, was Er ist, durch Sich, - wir aber sind ewig nichts aus uns, aber alles aus und durch Ihn.
   26] Das ist also unsere Größe endlos, daß wir Seine Kinder sind und Er unser aller Vater!
   27] Und das auch ist vollendet der Sinn meines Gesichtes in Seinem Namen! Amen.«


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