Jakob Lorber: 'Die Haushaltung Gottes' (Band 1)

Kapitelinhalt 117. Kapitel: Adams Frage an Asmahael.

   01] Nach dieser Rede erhob sich Adam und berief den Asmahael zu sich. Als der Asmahael alsbald Sich bei Adam einfand, fragte dieser Ihn:
   02] »O Du, dessen Name meine Zunge nicht wagt auszusprechen, o Asmahael, wirst Du mir Schwachem doch nicht zürnen, so ich Dir nun kommen möchte mit einer Frage, deren Beantwortung eines ganzen Berges Last von meinem Herzen hinwegwälzen würde?«
   03] Und Asmahael entgegnete: »Adam, so du kennst Asmahael, warum willst du Ihn denn das fragen, was dich drückt? Weißt du denn nicht, daß Derjenige, welcher den Mittelpunkt der Erde gemacht hat und das große Gewölbe des unendlichen Himmels ausgespannt hat wie eine Spinne ihr Netz, auch der Schöpfer deines Herzens ist und allzeit gar wohl weiß, was im selben vorgeht?!
   04] Darum frage nicht, so du Mich kennst; kennst du Mich aber noch nicht, wie magst du dann gedenken, Ich werde imstande sein, dir deinen Stein vom Herzen zu wälzen oder gar einen Berg, wo nicht die ganze Erde selbst?
   05] Was du aber hast, das bringe nur in deinem Herzen trauliebgläubig dem Asmahael in dir dar, und der Asmahael, der nun vor dir steht, wird dir durch den innern die allergetreueste, lebendige Antwort geben, die dich wahrhaft beleben wird, während jede äußere Antwort dich töten statt beleben möchte. Denn was immer äußerlich in den Menschen von wo immer her gelangt, ist für ihn tödlicher Art und Natur; das Leben aber geht allzeit aus von innen, also gleichwie Gott Selbst da wirkt von Seiner eigenen Liebemitte aus ewig und unendlich!
   06] Und so tue, wie Ich dir nun angezeigt habe, und dir wird werden, wonach dein Herz dürstet! Amen.«
   07] Und Adam tat, wie es ihm geraten wurde. Und alsbald erglänzte sein Antlitz in der höchsten Freude, denn nun ward ihm über Asmahael jeder Zweifel benommen; und also frohlockte und pries er Gott in seinem Herzen, daß um ihn darob alles verklärt wurde!
   08] Es merkten dies aber alle Kinder um ihn und kamen herbei und fragten den Erzvater, was da denn schon wie der geschehen sei, darum um ihn nun alles so verklärt sei.
   09] Adam aber zeigte auf den Asmahael und sagte: »O Kinder, fragt nicht mich; da steht der große Lehrer und unerforschliche Meister in allen Dingen! Suchet es nicht draußen, sondern in euch; denn also lehrt es Der, der das ewige Leben Selbst ist ewig!
   10] Wirklichkeit, Wahrheit und Leben sind inwendig im Menschen nur allwo sie auch nur allein zu suchen und also auch zu finden sind; alles aber, was von außen eingeht in den Menschen, ist Schein nur, aber kein Sein, und ist tödlicher Natur.
   11] So aber jemand empfängt eine Lehre von außen und will einen Nutzen fürs Leben daraus gewinnen, muß er sich da nicht vorher töten lassen in seinem Willen und dann erwarten stummen Willens, was da aus dem Samen der Lehre für eine Frucht herauswachsen wird?!
   12] Wer sich aber wendet an das Leben des Lebens in sich und dadurch an Den, der heilig, heilig, heilig ist, ewig wahrhaftig und getreu voll Liebe, Erbarmung und Gnade, der wird es empfangen, wie ich es nun empfangen habe, und wird keinem Zweifel mehr unterliegen in irgendeiner Sache, deren frühere Ungewißheit ihm das Herz mit schweren Steinen belastete. Also fragt nicht, sondern tut, wie ich es getan habe, so werdet ihr alles finden lebendig in euch, was euch not tut! Amen.«
   13] Und nach dieser Rede aber wandten sich alle an den Asmahael, sahen Ihn an und redeten aber kein Wort sondern jeder dachte sich seine Zweifelsfrage und den Asmahael hinzu mit Ausnahme Henochs, Abedams und des Mathusalah und seines Sohnes Lamech. Denn die ersten zwei wußten nur zu gut, was Adams Rede besage, da sie es aus Mir wußten; die zwei Jüngsten aber wußten eigentlich noch gar nichts, sondern alles von ihrer Seite war Verwunderung über Verwunderung. Es wäre ihnen auch eben gar nicht unerwünscht gewesen, noch mehr dergleichen Spektakel zu schauen; ja, also war ihre lustige Verwunderung, daß sie darüber sich ferner nach Mir zu erkunden fast gänzlich vergaßen, was vorderhand auch für sie recht gut war.
   14] Aber der Seth, Enos, Kenan, Mahalaleel und Jared dachten sich noch immer mehr und mehr in ihre Frage neben dem Asmahael hinein; und siehe, es wollte ihnen keine belebende Antwort erscheinen, und da sie daraus die Unfruchtbarkeit ihrer Unternehmung gewahrten, kehrte sich einer nach dem andern zum Adam wieder, sagend und fragend:
   15] »Vater! Sieh, es will in mir nicht werden nach deinem Rate! Wie steht es hernach um denselben und um uns?
   16] Ist entweder der Rat nicht voll, oder haben wir ihn unvollkommen aufgefaßt?
   17] Denn früher hatten wir doch wenigstens eine Dämmerung, jetzt aber völlig stockfinstere Nacht! Was ist nun zu tun? Bescheide uns, lieber Vater! Amen.«
   18] Adam aber bedeutete ihnen liebeernst: »Sagte ich euch denn nicht, wie ihr es hättet anstellen sollen?! Wo war euer Geist während meiner Rede?
   19] Da vor euch steht Asmahael! Ist denn das alleinige Denken schon hin reichend?! Was ist der Gedanke ohne die Volliebe, ohne das Volltrauen und ohne den Vollglauben?! Nichts als ein wesenleeres Scheinen, an dem ebensoviel Leben hängt wie an einer geträumten hundert Jahre alten Schneeflocke auf einem glühenden Steine.
   20] Darum tuet, was ihr tuet, ganz, wollt ihr zur Frucht gelangen! Da aber wie gesagt, steht Asmahael; versteht es wohl, ihr Kinder, Asmahael ist in eurer Mitte! Amen.«
   21] Und die fünf wandten sich alsbald an den Asmahael. Dieser aber sagte: »Soll Ich euch anders lehren denn der Adam, der es von Mir empfangen hat?! Das sei ferne von Mir, sondern tuet danach, so werdet auch ihr dahin gelangen, wohin der Adam gelangt ist; denn jeder von euch ist zum Leben berufen.
   22] Aber wenn ihr nicht tuet des Rechtens, da ist alle Frage vergeblich zum Leben; denn der Lebendige antwortet nicht den Toten, sondern nur denen, die da sind lebendigen Herzens! Amen. Verstehet es, amen!«


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