Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Supplemente S. 287

   01a] Die auf den Gassen, Straßen und Zäunen sind alle Menschen, die auf der Erde gelebt haben, noch leben und in Zukunft noch kommen werden
   01b] und zwar die auf den Gassen - jene, die noch auf Erden leben und wohl in irgendeiner christlichen Sekte (oder Kirche) stecken, aber dessenungeachtet mit allen Torheiten der Welt behaftet sind und das rechte Licht nicht ergreifen mögen oder wollen, auf daß sie ja nicht das wahre ewige Leben überkämen und völlig frei und selig würden.
   01c] Die auf den Straßen sind jene, die zwar auch noch auf der Erde leben, sich aber in irgendeinem jedermann mehr oder weniger bekannten Heidentume befinden, (d. h. Ungläubige);
   01d] und endlich die auf den Zäunen sind jene, die dem Leibe nach schon gestorben sind und sich in der geistigen Welt - ihren Seelen nach - befinden, und dort eben auch gleichfort noch zum großen Gastmahle der Erlösung durch die rechten Umkehrmittel geladen werden.
   01e] Und endlich der unter allen Geladenen und nun vielmehr förmlich mit Gewalt (der Liebe) zum Gastmahle Getriebenen und Gezogenen befindliche Eine ohne Hochzeitsgewand ist zunächst der Satan und im weiteren Sinne alle diejenigen, welche ihm getreu geblieben sind und durch gar kein Mitttel zur Umkehr zu bewegen waren; deren Los - wie die Parabel sagt - jener Kerker sein wird, darinnen ewige Finsternis herrscht und der voll ist des Heulens und Zähneknirschens. Das heißt soviel als: unter dem Heulen ist Grundfalsches, dem Himmel Entgegengesetztes und unter dem Zähneknirschen Grundböses und Zornglut der Hölle zu verstehen, weil, wenn jemand von der höchsten Zornwut entbrannt ist, er mit den Zähnen zu knirschen und zu kläffen anfängt, gleich einer gereizten Hyäne oder gleich einem vor Wut entbrannten grimmigen Tiger.
   02a] Mit diesen wenigen Worten ist nun die ganze Entsprechung zwischen dem materiellen Bilde und seinem geistigen Inhalte enthüllt.

Voraussetzungen zu tiefstem geistigem Verständnis (jl.ev11.287,02b-288,02)

   02b] Wer aber die Sache noch tiefer fassen wollte und möchte, der tue gleich einem weisen Pflanzenforscher und Sammler, der mit sich Rat hält und bei sich spricht: »Was soll ich nun tun? das Pflanzen und Gräserwerk der Äcker, Wiesen, Gärten, Wälder und Felder, Berge und Täler etc. kenne ich genau; denn was auf den Alpen wächst, habe ich erforscht und auch was die Sümpfe treiben und selbst was der Meere Gewässer decken, ist mir nicht unbekannt. Von alledem kenne ich genau Namen, Platz, Wurzel, Stengel, Blatt, Blüte und Frucht; was soll ich mit dieser Wissenschaft denn nun noch weiter tun? Siehe, nun fällt mirs bei! Mein Auge will ich stärker und stärker bewaffnen und mit ihm den inneren Bau der Röhrchen, Fasern und Zellen durchgehen, da werde ich sicher hinreichend Stoff zu fernerer Ausbildung meines Geistes finden.
   03] Gut gedacht und noch besser getan! Der Botaniker hat völlig Recht. Wer die Materie kennt und ihren Weg, oder wer das Wort kennt und dessen Zweck, der tue gleich dem Botaniker, so wird er in die Tiefen des Geistes dringen.


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