Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 10

Kapitelinhalt 240. Kapitel: Jesu Ernährungswinke. Mängel der Prophetengesetze.

   01] Sagte Ich: »Gerade den, den du nun ausgesprochen hast! Was zum Munde hineingeht, so es frisch und gut zubereitet ist, verunreinigt den Menschen nicht und schadet bei mäßigem Genuß auch seiner Gesundheit niemals; nur von dem Fleische der erstickten Tiere, wie es bei manchen Heiden gebräuchlich ist, soll der Mensch nichts genießen, weil im Blute der Tiere gewisse ungegorene Naturgeister walten, die für die menschliche Natur so gut wie Gift sind und daher auch das Blut beim Menschen verunreinigen, ihn nur zu bald krank und zu seinen Geschäften unfähig machen.
   02] Siehe, der Wein, so er ausgegoren ist und sich von aller Unreinigkeit gereinigt hat, ist für jedermann zu seiner leiblichen Stärkung innerlich wie äußerlich bestens zu empfehlen! So aber jemand den neuen Most trinkt, aus dem die unlauteren Naturgeister noch nicht entwichen sind durch den Akt der Gärung, so ist dies Getränk für den Menschen schädlich; daher soll man nur einen alten und reinen Wein trinken und den Most so lange stehen lassen, bis er sich gehörig gereinigt hat und zum wenigsten zwei bis drei Jahre alt geworden ist.
   03] Daß Moses bei seinem Volke gewisse Fehler begangen hat, so wie auch sein Bruder Aaron, das weiß Ich sehr wohl; daher kamen auch beide nicht ins Gelobte Land. Aaron kam bis an den Berg Hor, durfte das Gelobte Land sehen, dann sich auf den Berg niederlegen und sterben. Moses kam auf den Berg Nebo, sah auch das Gelobte Land und mußte darauf sterben. Du, Mein lieber Freund, kennst beide Berge, weil sie in deiner Nähe sind!
   04] Moses hatte, wie gesagt, mit vieler Weisheit besonders den Stamm Levi, der beständig um ihn war, bereichert; die andern Stämme aber ließ er mehr in der Roheit und beherrschte das Volk mitunter sogar tyrannisch, ohne daß ihm dazu die Gottheit gerade Gebote gegeben hätte, und dafür hat er denn auch von der Gottheit eben nicht gar zu selten Zurechtweisungen bekommen.
   05] Es war aber dasselbe auch mit allen andern Propheten der Fall; denn nicht einer von ihnen hatte eine so rechte Freude an seinem Berufe, und die Gottheit mußte stets mit allerlei Mitteln als Korrektor hinter ihnen stehen und sie zur Tat förmlich zwingen. Aber siehe, es ist das in dieser Welt schon so gang und gäbe, aus dem Grunde, weil die Gottheit selbst dem weisesten Propheten den freiesten Willen, seine Liebe, seine Vernunft und seinen Verstand nicht wegnehmen kann und darf; denn sonst würde er zu einem toten Werkzeuge herabgestimmt werden.
   06] Die Gottheit zwingt den Propheten zwar mit ihrem allmächtigen Geiste in jenen Momenten seiner Tätigkeit, die Gott von ihm fordert, streng nach dem Willen der göttlichen Weisheit zu reden, zu schreiben und zu handeln, - aber darauf läßt sie ihn wieder ganz frei, und er kann dann tun und handeln, wie er will, und bei dieser Gelegenheit kann dann der Prophet auch Fehler begehen gleich wie ein jeder andere Mensch. - Hast du dieses verstanden, Mein lieber Freund?«


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