Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 10

Kapitelinhalt 236. Kapitel: Jesus über die Entstehung des Kaspischen Sees durch die Sintflut.

   01] (Jesus:) »So du dich nach dem Jordantale aufwärts begeben würdest und gingest sogar über das Gebirge von Kleinasien, da würdest du an einen sehr großen See kommen, den ihr Römer Mare Caspium (Kaspisches Meer) nennt. Dieser überaus große See ist zu den Zeiten Noahs oder, wenn du es leichter begreifen kannst, zu den Zeiten Deukalions auf eine gleiche Art entstanden wie das Tote Meer, nur mit dem Unterschied, daß im Toten Meere eigentlich nur neun Städte begraben liegen, im Mare Caspium aber bei fünfhundert samt der damaligen überaus großen Stadt Hanoch.
   02] Siehe, Mein lieber Freund, du wirst zwar sagen: "Warum hat denn dieses Gott zugelassen, daß vertilgt ward beinahe das ganze Volk der Erde?"!
   03] Ich sage dir aber dagegen: Gott hat die Menschen, besonders damals die Hanochiten, bei fünfhundert Jahre lang durch geweckte Propheten und sogar durch Engel aus den Himmeln belehren und ermahnen lassen, daß sie dies und jenes nicht tun und namentlich die Berge der Erde in Ruhe lassen sollten; allein ihr starrer Sinn und ihr übergroßer Hochmut hat der Ermahnungen nicht geachtet.
   04] Die Hanochiten hatten eine Art Sprengkörner erfunden, machten in die Berge tiefe Löcher, füllten diese mit den Sprengkörnern und zündeten sie mittels fortlaufender Brandfäden an. Die Sprengkörner explodierten und zerrissen die Berge. Die Hanochiten wußten aber nicht, daß unter den Bergen sich oft überaus große und tiefe Wasserbehälter befinden. Die zerstörten Berge, da sie keinen Halt hatten, stürzten dann bald in diese großen und tiefen Bassins hinab und trieben dafür große Massen Wasser auf die Oberfläche der Erde. Andernteils wurden bei dieser Feuertätigkeit auch die in den Bergen vorhandenen Schwefel-, Kohlen- und Pechlager brennend, machten dann auch in der Ebene großartige Feuerausbrüche, wodurch dann das Erdreich samt allem, was auf ihm stand, versank und an seiner Stelle dann ein Meer entstand.
   05] Es ist leicht begreiflich, daß bei dieser Gelegenheit eine übergroße Masse Wasser aus dem Innern der Erde hervortreten mußte, und mit dem Wasser auch eine große Dunst- und Wolkenmasse, die sich in eine gewisse Höhe erhob und als wolkenbruchartiger Regen, über zwölf Monate lang andauernd, herabstürzte, was im höchsten Grade notwendig war, weil sonst im Verlauf von mehreren Jahren die ganze Oberfläche der Erde in Brand geraten wäre; denn bei zweitausend Klaftern Tiefe, und manchmal viel weniger, gibt es Brennmaterialien zur Übergenüge, so Schwefel, Erdpech und Erdkohle, wie auch hie und da ganz überaus große Naphthabassins.
   06] Daher wirst du, mein lieber Freund, auch einsehen, daß in jener Zeit eine der allergrößten Überschwemmungen der Erde, das heißt des größten Teils von Asien, im höchsten Grade notwendig war; denn sonst würde nun der größte Teil der Erde eine Wüste sein, wie auch das nun der Fall ist von dem Mare Caspium aus bis nahe ans östliche Ende von Asien durch eine Strecke von zweitausend Stunden in der Länge und bei fünfhundert Stunden im Durchschnitt in der Breite.
   07] Gott der Herr aber sorgte dafür, daß die Erde nicht zerstört werden solle, damit die Menschen nicht um ihr Schulhaus kommen, in welchem sie für das ewige Leben durchgeschult werden, - denn wer nicht die Schule des Lebens im Fleische auf dieser Erde durchgemacht hat, der kann nicht zur Kindschaft Gottes gelangen, sondern bleibt ewig auf der geschöpflichen Stufe der Tiere.
   08] Daher ist, wie selbst begreiflich, die Erhaltung dieser Erde als des Schulhauses zur Erwerbung der Kindschaft Gottes allerhöchst notwendig. Dies wirst du zwar jetzt noch nicht ganz verstehen, jedoch wir werden morgen wieder auf dieses Thema kommen, und dann wirst du es verstehen!«
   09] Sagte der Wirt: »Mein lieber, freundlichster, wundersamer Meister! Es geht in mir jetzt etwas vor wie in einem, der frühmorgens ausgeht und dem die ersten Strahlen der Morgendämmerung den Weg zu erleuchten anfangen. Wir haben unter den Römern ein uraltes Sprichwort, welches also lautet: "Es besteht und bestand auf der ganzen Erde kein großer und weiser Mann ohne einen göttlichen Anhauch!" (Non existit vir magnus sine afflatu divino); du aber scheinst sogar von der Gottheit der Allerangehauchteste zu sein, was soviel sagen will als: In dir wohnt die ganze Fülle der wahren Gottheit körperlich!«
   10] Sagte Ich: »Dieses hat dir dein Fleisch nicht gegeben, sondern dein Geist! - Jedoch heute wollen wir auch über dieses Thema nichts Weiteres reden; denn diese Pharisäer fangen an, einer um den andern ihre Ohren zu spitzen, weil sie uns reden hören. Daher rede du wieder von etwas anderem, was gleichgültiger Natur ist!«


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