Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 10

Kapitelinhalt 228. Kapitel: Jesus über das Fliegen der Menschen. Jesus im Jordantal.

   01] Sagte darauf der Oberstadtrichter: »Das verstehe ich nun ganz gut, aber woher nehmen diese Tiere die zur Scheidung des Wasserstoffes - wie du sagtest - von seinem Sauerstoffe nötigen Ingredienzien her? Denn das Eisen, der Kalk, der Schwefel, das Salz und die Kohle sind doch nicht überall schon vorrätig vorHanden?«
   02] Sagte darauf Raphael: »Mein lieber Freund, auf der ganzen Erdoberfläche zerstreut um viele tausendmal tausend Male mehr, als alle Vögel auf der Erde in vielen tausend Jahren zu ihrem Fliegen benötigen! Die Vögel sind für sich ganz gute Mineralogen, gleichwie die Wurzeln und Äste der Bäume und Pflanzen überaus scharfsinnige und intelligente Lebensstoffkundige sind; wären sie das nicht, so würden nicht so viele Arten von Bäumen und Pflanzen auf dem Erdboden wachsen, und die Vögel würden auch nicht fliegen können. Du siehst daraus, daß ein jedes Tier, wie auch eine jede Pflanze das ihr Dienliche überaus scharf erkennt und es dann auch zu benutzen versteht.
   03] Betrachte einmal ein Ei! Seine Schale ist Kalk und sein innerer Gehalt, was den materiellen Teil anbelangt, besteht auch noch aus etwas Kalk, Salz, Kohle, Eisen und Schwefel. Das Wieviel von jedem kennt ein jeder Vogel genau für sich, wie auch, wo er es zu bekommen hat; denn dazu hat auch der Vogel, so wie ein jedes andere Tier und der Mensch selbst die fünf Sinneswerkzeuge, und die Pflanze hat ihre Fühlfäden sowohl an der Wurzel als auch an den Ästen. Und ich bin nun der Meinung, dir diese für Menschen schwer begreifliche Sache in aller Kürze möglichst klar gezeigt zu haben.«
   04] Sagte darauf der Oberstadtrichter: »Höre, du mein himmlischer Freund, so die Menschen um die Verhältnisse, das ist, um das eigentliche Wieviel von jedem der fünf Ingredienzien wüßten, so könnten sie am Ende große Schläuche mit dem Wasserstoff füllen und dann mittels so mancher mechanischer Behilfsbeigaben sich auch in die Luft erheben und gleich den Vögeln umherfliegen!«
   05] Sagte darauf Raphael: »Was nun nicht ist, kann dereinst noch werden! Vorderhand ist es aber um vieles besser für den Menschen, daß er leiblich nicht fliegen kann; denn könnte er auch das, so würde er bald zum größten Raubtiere auf der Erdoberfläche werden, und er würde der Kultur des Erdbodens nimmer gedenken.
   06] Besser ist es daher für den Menschen, so seine Seele geistig recht flügge wird, der Mensch aber seinem Leibe nach schön fein auf dem Boden der Erde verbleibt, für den er auch die leibliche Einrichtung hat. Der Mensch kommt mit seinen Füßen noch weit genug und gar oft nur zu weit; und kommt er mit seinen Füßen nicht schnell genug fort, so hat er dazu der tauglichen Tiere in Genüge, die schnellfüßiger sind als er und ihn nach einiger Abrichtung in sehr abgekürzter Zeit von einem Orte zum andern bringen können, und er kann sich auch Schiffe bauen, mittels denen er über das Meer wie auf trockenem Lande fahren kann. In der späteren Zeitenfolge aber werden die Menschen noch eine Menge Transportmittel erfinden, die mit großer Schnelligkeit von einem Ort zum andern dahinbrausen werden.
   07] Und jetzt weißt du, lieber Freund, von allem mehr, als du brauchst. Ich habe dir darum nun alles dieses gezeigt, auf daß du leichter erkennst, daß der Herr wahrhaft der allervollkommenste und unerreichbarste Meister in allen Seinen geschaffenen Dingen ist, und das hat dir vor allem not getan!«
   08] Hierauf dankte der Oberstadtrichter Mir und dem Raphael mit aller Inbrunst seines Herzens und sagte darauf: »Wahrlich, von Dir, o Herr, kann man in einer Stunde mehr lernen als sonst selbst von dem allergescheitesten Menschen durch sein ganzes Leben mit allem Fleiß; denn bei den Menschen heißt es immer: "Bis daher, und dann aber auch um kein Haar mehr weiter!", bei Dir aber heißt es: "Bis daher, und nachher noch immer bis ins Unendliche vorwärts!", denn Deine Weisheit, o Herr und Meister, hat keine Grenzen.
   09] Wir alle sind Dir für alle die uns erwiesenen rein göttlichen Gnaden auch über alle die Maßen dankbar und werden Dir auch bis ans Ende unseres diesirdischen Lebens nimmer zu danken aufhören. Herr und Meister, vergib Du uns nur unsere Schwachheit und unsere Sünden!«
   10] Sagte Ich: »Euch sind sie auch vergeben; doch in der Folge müßt ihr euch selbst hüten vor der Sünde!
   11] Nun aber wollen wir uns von hier aufmachen, in der Kürze das Morgenmahl zu uns nehmen und dann uns zur Weiterreise anschicken!«
   12] Darauf begaben wir uns sogleich in die Herberge, nahmen das Morgenmahl ein, und während desselben wurden noch so manche Besprechungen geführt, welche wiederzugeben Ich hier für nicht notwendig finde, weil über derlei schon ohnehin zu öfteren Malen Besprechungen vorgekommen sind.
   13] Nach dem kurz dauernden Morgenmahle erhob Ich Mich mit Meinen Jüngern schnell, segnete des Wirtes Haus, den Oberstadtrichter und alle, die da waren, und wir traten dann sogleich unsere Reise an.
   14] Der Wirt, dessen Sohn und der Oberstadtrichter begleiteten uns bei zwei Stunden Weges und verwunderten sich über die Maßen, daß sie noch immerfort ihr Land in einem guten Kulturzustande fanden.
   15] Am Ende der Begleitung dankten Mir alle noch einmal und kehrten dann zurück. Bei dieser Gelegenheit verschwand auch Raphael wieder, da Ich seiner nicht mehr vonnöten hatte.


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