Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 10

Kapitelinhalt 182. Kapitel: Jesus über die Ursachen der Leibeskrankheiten.

   01] Sagte Ich: »Was deine gestrige Frage betrifft, nämlich das oft langwierige und schwere Kranksein vor dem Leibestode, wie auch den zumeist sehr frühen Tod der Kinder, so ist solches von Mir aus nur eine Zulassung zur Besserung der Menschen, aber darum keine irgend aus Meiner Willensallmacht hervorgehende Bestimmung.
   02] Siehe, die Urmenschen, die in der gleichen, ihnen durch Meinen Geist gezeigten Ordnung und Einfachheit geblieben sind, wußten von keiner dem Leibestode vorangehenden Krankheit etwas; sie erreichten zumeist ein sehr hohes Alter, wurden nie krank und schliefen am Ende ganz ruhig ein, und ihre Seele empfand dabei keine Schmerzen und keine Todesangst.
   03] Ihre Nahrung war aber auch immer eine gleiche, und nicht heute so und morgen anders. Zumeist lebten sie von Milch, Brot und guten und reifen Baumfrüchten; ein solches Gericht war ihr ganzes Leben hindurch ihre Leibesnahrung, und zur Stillung ihres Durstes diente das frische Quellwasser.
   04] Aus diesem Grunde waren ihre Leibesnerven stets von denselben guten und unschädlichen Seelensubstanzen ernährt, und es konnte sich keine böse, unreine und somit schädliche Seelensubstanz in den Leib hineinschmuggeln; daher blieben diese Menschen stets gleich kräftig und gesund, obwohl geistig als auch leiblich.
   05] Aber besehet jetzt in dieser Zeit und auch schon in den viel früheren Zeiten die vielen tausend allerartigen Leckerbissen, mit denen die Menschen ihre Mägen und Bäuche füllen, und es wird dir gleich klarwerden, welch eine Unzahl von allerlei ungegorenen, somit unreinen, bösen und schädlichen Substanzen bei solcher Gelegenheit oft den ganzen menschlichen Leib in Besitz nehmen und ihn nach und nach stets mehr zu martern und zu quälen anfangen! Denn solche verschiedenartigen Substanzen geraten dann in einem Menschenleibe in einen beständigen Kampf, den er nur dadurch auf so eine Zeitlang zu beschwichtigen vermag, daß er zu allerlei aus der Erfahrung bekannten Kräutern und Wurzeln seine Zuflucht nimmt und mit ihrer Hilfe (die Neigung) der inneren Seelensubstanz zur Revolution stillt.
   06] Aber solch eine Gesundheit ist nie von einer Dauer, besonders bei dem alten Menschen, - er müßte denn auf längere Zeit hin zur ganz einfachen Leibesernährung seine Zuflucht nehmen, was aber gewöhnlich nicht geschieht. Denn die meisten Menschen, so sie dem Leibe nach wieder durch eine glücklich gewählte Medizin nur erträglich gesünder werden, bekommen bald wieder Lust zu ihren alten Leckereien, werden darauf kränker, als sie ehedem waren, fangen an zu siechen und nehmen gewöhnlich ein sehr schmerzliches Ende.
   07] Siehe, darum hat auch Moses den aus der harten Knechtschaft Ägyptens erlösten Israeliten den Speisezettel vorgeschrieben! Die streng nach demselben lebten, blieben gesund bis in ihr hohes Alter; aber gar viele sehnten sich nur zu bald nach ihren ägyptischen Fleischtöpfen, und die Folge war, daß sie darauf bald krank, schwach und mühselig wurden und unter allerlei Leibeskrankheiten ihr diesirdisches Leben beschließen mußten.
   08] Und eine noch größere Betrübnis in dieser Hinsicht stellt sich bei den Kindern heraus.
   09] Erstens haben schon die Eltern früher nach links und rechts hin gesündigt und ihren Leib dadurch mit einer großen Anzahl von bösen und schädlichen Seelensubstanzen angefüllt, und das Kind war somit von einem sündigen Vater in den Leib einer noch sündigeren Mutter hinein gezeugt. Frage: Wie soll aus einem solchen Leibe ein gesundes Kind hervorgehen?
   10] Und zweitens ist die Mutter in ihrer Schwangerschaft am meisten lüstern nach allerlei Leckereien, und ihre Angehörigen wissen ihr keinen besseren Dienst zu erweisen, als nach Möglichkeit dem Verlangen des schwangeren Weibes nachzukommen.
   11] Bei dieser Gelegenheit bekommt das Kind den zweiten Stoß in seiner Gesundheit. Es ist nicht genug, daß es schon völlig krank aus dem Mutterleibe kam, sondern es muß darauf gleich mit einer noch schlechteren Muttermilch genährt werden. In dem besteht dann der zweite, noch gewaltigere Stoß in die Grundfeste der Gesundheit eines Kindes.
   12] Ist ein Kind aus diesen zwei Gesundheitsstößen noch so glücklich als möglich mit allerlei Arzneimitteln sozusagen mit heiler Haut davongekommen, dann kommt noch ein dritter Gesundheitsstoß. Das Kind wird natürlich größer, neckischer und für seine Umgebung liebenswürdiger. Da wird es dann bald über alle Maßen verzärtelt und mit allerlei Naschereien versehen; denn solche dummen Eltern können ihrem Zärtling nichts versagen. Was aber ist die Folge davon? Daß das Kind sich dadurch schon frühzeitig den Magen und die nötigen Verdauungswerkzeuge derart verdirbt und schwächt, daß es dann bald in allerlei Leibeskrankheiten verfällt und auch bald stirbt.
   13] Manche Kinder sterben schon im Mutterleibe, eine bei weitem größere Anzahl bald nach der Geburt in zwei bis drei Jahren, die meisten aber von vier bis zwölf. Die aber dann noch in ein reiferes Alter gelangen, müssen erstens gescheite und vernünftige Eltern haben und ein keusches und diätes (einfaches) Leben führen, sich nicht erzürnen und ärgern. So können sie zu einer noch ganz guten und erträglichen Gesundheit gelangen und auch sechzig - siebzig - achtzig Jahre und darüber alt werden; aber dann ist ihr Alter selbst schon so gut wie eine Krankheit, die immerwährend noch als eine Folge vom Mutterleibe und zumeist aber auch von den Jugendsünden herrührt.
   14] Aus dieser kurzen Darstellung ersiehst du, daß Ich durchaus nicht und nie der Urheber der menschlichen Leibeskrankheiten war, sondern die Menschen selbst, und zwar von dem Zeitpunkte an, als sie leichtsinnig und mutwillig genug Meine ihnen allzeit gegebenen Gebote und Regeln stets mehr und mehr zu verlassen anfingen und ihrem Verstande und ihrem Willen folgten, der durch die bösen Geister, die sich in der Luft, der Erde und im Wasser aufhalten, stets mehr und mehr verfinstert und verwirrt wurde.
   15] Die Alten wußten recht gut, daß die Nacht im Freien nicht der Menschen Freund ist; aber dennoch führten sie ihre großen Spekulationen in der Nacht aus. Jede solcher übermäßigen Spekulationen ist aber gleich einer a Dieberei und Mörderei, die - wie dir wohlbekannt - zumeist in der Nacht ausgeübt wird. (a Matthäus.24,43; = Lukas.12,39-40;  1. Thessalonicher.05,02jl.ev09.144,15jl.ev01.021,10jl.ev09.152,07)
   16] Die Erde ist groß genug, um noch tausendmal so viele Menschen zu ernähren, als jetzt Menschen auf der Erde leben; aber die Habsucht, der Geiz und die Spekulationssucht hat die Ländereien abgegrenzt und abgemarkt, und die am meisten Reichen, Geizigen und Mächtigen haben oft die größten und besten Ländereien zu ihrem Eigentum gemacht und jeden verfolgt, der sich da widersetzen wollte. Und so kam es, daß mancher Mensch um hunderttausendmal der besten Ländereien mehr besitzt, als er zum Unterhalt seiner selbst und seines Hauses vonnöten hätte.
   17] Dafür mußten dann wieder viele Hunderttausende sich an die Meeresküsten begeben und sich ihre schlechte und ungesunde Nahrung aus dem Meere verschaffen. Dadurch ward die Schiffahrt erfunden, und die Menschen umschifften nach weit und breit die Ufer des Meeres und jagten keck den Schätzen und Reichtümern nach, welche das Meer in sich barg; und so leben heutzutage ganze große Völker am Meere und aus dem Meere, was alles bei den ersten Menschen der Erde nicht der Fall war.
   18] Wenn aber also - wie die Erfahrung lehrt -, wie kann ein nur einigermaßen vernünftiger und verständiger Mensch noch von ferne hin denken, daß die in dieser Zeit über alle die Maßen aus der früheren Ordnung getretenen Volker ebenso gesund sein und bleiben sollten wie diejenigen ersten Menschen der Erde, die schon vom Mutterleibe an niemals aus dieser Ordnung getreten sind?
   19] Die gegenwärtige Krankheit vor dem Leibestode der Menschen ist demnach nichts anderes als die Folge der nahe gänzlichen Verlassung der alten Ordnung, ist aber auch zugleich ein Hüter der in manchen Menschen noch gesunden Seele, auf daß diese sich dann nach und nach aus ihrem schlechten Fleische zurückzieht, sich dadurch den Fesseln der bösen Seelensubstanzen ihres Leibes entwindet und, wenn diese ihr zu arg zu wirtschaften anfangen, sich mit Hilfe ihres besseren jenseitigen Geistes noch rechtzeitig aus ihrem Leibe für immer entfernt und darauf ewig nimmer nur den allerentferntesten Wunsch hat, sich je wieder in einen Leib zu begeben, - außer, sie ist schon als völlig böse aus dem Leibe getreten und sucht dann, um sich am Fleische recht bitter rächen zu können, in das Fleisch eines auf der Erde noch lebenden Menschen zu dringen und dasselbe auf die grausamste und unbarmherzigste Weise zu quälen, was ihr schon häufig gesehen und erlebt habt an den von bösen Geistern besessenen Menschen.
   20] Und mit dem, Mein Freund, habe Ich dir deine gestrige Frage sicher zur Übergenüge klar beantwortet. Wir wollen sonach die heutige Gazellenjagd und dergleichen mehr ein wenig näher in Augenschein nehmen!«


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