Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 9

Kapitelinhalt 144. Kapitel: Bedeutung der Zukunftsweissagungen Jesu.

   01] Ich aber besprach Mich mit unserem Wirte, mit Philopold und mit Kisjona über so manches, und auch über die Zukunft des ganzen Judenlandes.
   02] Die Jünger aber, als sie Mich über die sehr düster aussehende Zukunft des Landes reden hörten, sagten unter sich: »So manchmal kennt man sich bei Ihm denn wahrlich doch nicht aus! Wir wollen von Seinen Gleichnissen, denen stets ein tiefer Geistsinn zugrunde liegt und Er sie auch allzeit erklärte, so wir sie nicht verstanden hatten, nichts sagen; aber so Er bei Seiner Lehre, die doch schon im Verlaufe von nur zehn Jahren ein Gemeingut der Menschen werden muß, und die die Menschen zu Lämmern umgestalten kann und wird, immer von einer noch elenderen Zukunft spricht, als wie elend da nun ist die Gegenwart, da weiß man denn doch oft im Ernste nicht, was man sich dabei denken soll.
   03] Zudem sagte Er auch schon zu öfteren Malen, wie ohne den Willen Gottes niemandem auch nur ein Haar gekrümmt werden und kein Sperling vom Dache fallen könne. Wenn denn ohne Seinen Willen nichts geschehen kann, so kann es ja auch keine böse Zukunft geben ohne Seinen Willen, und das um so weniger, als - wie schon gesagt - die Menschen zu Lämmern umgestaltet werden sollen durch Seine Lehre, die ein lebendiges Gotteswort ist, und die von nichts so sehr und eindringlich spricht als von der Liebe zu Gott und zum Nächsten, also auch von der Demut, Versöhnlichkeit, Selbstverleugnung und von der Barmherzigkeit.
   04] Wenn die Menschen durch Seine Lehre aber das in der Tat werden müssen, wie das auch in der kurzen Zeit unseres guten Wissens mehrere Tausende geworden sind, wie mag Er da denn immer von einer, wie gesagt, noch um vieles elenderen Zukunft in einem fort weissagen, als je eine vergangene Zeit samt dieser sicher schon ohnehin über alle Maßen elenden Gegenwart war und nun ist? Das begreife, wer es mag und kann; wir begreifen das durchaus nicht!
   05] Er müßte es nur aus irgendeinem nur Ihm allein bekannten geheimen Grunde Selbst also haben wollen, ansonst ist uns solche Seine Weissagung von einer allerelendesten Zukunft als eine Folge Seiner Lehre, die jetzt in ihrem Entstehen im weiten Asien, im tiefen Ägypten sogar unter den Mohren und auch schon in Europa unter den Römern und Griechen unter vielen Tausenden von Menschen ausgebreitet ist, die an Ihn lebendig glauben und ihre lichtvollste Wahrheit auch stets mit Zeichen zu bestätigen vermögen, unbegreiflich.
   06] Ja, wenn die von Ihm geweissagten überargen Zukunftszustände die Folge von dieser rein göttlichen Lehre sein sollen und das Reich Gottes unter den Menschen eine solche bedauerlichste Gestalt annehmen wird, dann wäre es ja doch um vieles besser, solche Lehre den Menschen gar nicht zu verkünden, auf daß sie nicht zu noch ärgeren Teufeln werden, als sie es nun ohnehin in der größten Mehrzahl sind!«
   07] Ich aber hatte solche Reden Meiner Jünger wohl vernommen und sagte zu ihnen: »Wie mögen denn euch Meine Weissagungen über die Zukunft noch ärgern? Habe Ich sie ja doch schon zu öfteren Malen vor euch enthüllt und euch auch getreuest wahr gezeigt, was infolge des freien Willens der Menschen die Ursache der überaus argen Zukunft sein wird, und ihr habt das wohl begriffen, eingesehen und verstanden und habt euch nicht geärgert. Wie seid denn ihr nun darob ärgerlich geworden, und wie möget ihr sagen, daß die Zukunft beim Bekanntwerden Meines Evangeliums nur dann so arg werden könne, wenn Ich sie so arg aus einem nur Mir bekannten Grunde werde haben wollen?
   08] Oh, oh, wie gar sehr kurzsichtig seid ihr alle noch! Ohne Meinen Willen kann sich wohl freilich kein Haar krümmen auf eines Menschen Haupte, kein Sperling vom Dache fallen und kein Mensch seines Leibes Größe und Gestalt ändern und den Tag nicht länger oder kürzer machen, denn alle diese Dinge stehen in der unmittelbaren Macht Meines Willens, der auch in allen den zahllos vielen Engeln Meiner ewigen und unendlichen Himmel einer und derselbe ist. Aber hier auf dieser Erde, wo ein jeder Mensch erst die Willensfreiheitsprobe durchzumachen hat, steht es mit der Allmacht Meines Willens in der sittlichen und seelischen Lebenssphäre des Menschen ganz anders, - wie Ich euch solches gar oft schon gezeigt habe!
   09] Habe Ich denn nicht gesagt: In einer Welt, wo ein Mensch nicht zu einem ärgsten aller Teufel werden kann, da kann er auch zu keinem wahren Kinde Gottes werden?! Denn darum offenbare Ich nun ja Selbst Meinen Willen unmittelbar an euch Menschen, daß ihr ihn zu dem eurigen machen und Mir dadurch in allem vollkommen ähnlich werden könnet.
   10] Wenn aber also und unmöglich anders - was ihr nun doch schon grundursächlich klar einsehen solltet -, wie mag es euch denn ärgern, so Ich auch für diese unsere Freunde kundgebe, wie es infolge der Verstockt- und Blindheit der Menschen, die sich gleich den vielen Pharisäern nicht zum Lichte des Lebens wenden wollen, sondern dasselbe allenthalben mit aller Wut der Hölle verfolgen, in der Zukunft aussehen wird?!
   11] Wir haben nun die Lehre vom Reiche Gottes wahrlich unter gar viele Menschen nach weit und breit vom Aufgange, bis zum Niedergange und vom Mittag bis gen Mitternacht hin ausgebreitet, und viele sonnen sich schon im Lichte aus den Himmeln, - aber es ist diese erste Ausbreitung dennoch eine sehr vereinzelte und ist ein Eigentum nur kleiner Familien und Gemeinden; sie macht darum auch noch nicht ein zu großes Aufsehen bei all den vielen weltmächtigen und über alles herrschsüchtigen Feinden des Lichtes, und sie haben bis jetzt noch wenig Erhebliches gegen dasselbe unternommen.
   12] Lasset aber dieses Licht nur allgemeiner werden, daß es die Priester wohl merken mögen, wie ihre Tempel an den gewissen Fest- und großen Opfertagen sich nicht mehr mit Menschen füllen, sondern stets leerer und leerer werden, und ihr werdet es dann schon sehen, mit welcher namenlosen Wut sie sich gegen Meine Lehre und gegen ihre Bekenner erheben werden!
   13] Meine Lehre in sich ist wohl der wahre Friede einer Seele, die nach ihr lebt und handelt, - ja sie ist der selige Friede des Himmels im ganzen Menschen; aber für die Teufel der Hölle, die in Menschengestalt auf dieser Erde unter den Menschen schalten und walten durch Lüge und Trug, ist sie ein zweischneidiges und flammendes Schwert, ein Krieg und eine größte Verheerung. Darum wird das wahre Reich Gottes auf Erden eine große Gewalt zu erleiden haben, wie es sie auch teilweise schon jetzt erleidet, und die es werden haben wollen, werden es auch mit Gewalt an sich reißen müssen!
   14] Und sehet, weil solche von Mir vorausgesehenen Kämpfe infolge der Erhaltung des freien Willens der Menschen, der der Arm ihrer Liebe und somit ihres Lebens ist, unvermeidbar sind - weil wir die nun im Falschen und Bösen sich befindenden Menschen, deren Zahl übergroß ist, der Lehre aus den Himmeln wegen nicht zuvor durch eine Sündflut wollen vom Boden der Erde vertilgen lassen, da eben diese Lehre der Kranken, Tauben und Blinden und mit allerlei Übeln Behafteten und nicht der Gesunden wegen gegeben wird -, so wird es ja auch wohl und leicht begreiflich sein, daß sich mit der Zeit große Kämpfe und Kriege über den Boden der Erde und vor allem und zuerst über das alte Reich der Juden, von dem die Lehre ausgeht, mit so großen Verheerungen ausbreiten werden, daß man nicht mehr wird zu erkennen vermögen, wo eine und die andere Stadt gestanden ist, wo die Weinberge, wo die fruchtbaren Äcker und reichen Obstgärten, Wiesen und Weiden waren. Es wird zu einer Wüste verwandelt werden und wird sich hinfort nimmerdar in ein gelobtes Land umgestalten, in dem dereinst Honig und Milch floß.
   15] Daß Ich es euch aber zum voraus sage, hat den Grund, daß ihr euch zeitlich genug dagegen rüsten und wohl bewaffnen könnet. Denn so man weiß, wann der Dieb kommt, und was er im Sinne hat, dann ist es ein leichtes, sich ihm zur Wehr zu stellen; aber so man nicht weiß, daß er kommt, und wann und wie, ob am Tage oder ob in der Nacht, da alles in einen tiefen Schlaf versunken ist, dann ist es dem Diebe ein leichtes, ins Haus zu dringen und sich seine Beute zu nehmen. Darum wandelt stets im Lichte des inneren Tages, und bleibet wach in Meiner euch geoffenbarten Wahrheit, so werdet ihr mit dem Feinde den Kampf wohl bestehen können!
   16] Seid ihr nun auch noch voll Ärgers, daß Ich euch dieses nun sonnenhell gezeigt habe?«


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