Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 10

Kapitelinhalt 144. Kapitel: Jesu Fischwunder.

   01] Als er mit seinem Weibe und mit etlichen seiner andern Kinder in die Speisekammer trat, da fand er zu seinem größten Erstaunen einen ganzen Korb voll schon ganz gereinigter Fische von der besten und edelsten Art und befahl denn auch seinem Weibe und seinen in der Küche bewanderten Kindern, diese Fische bestens zuzubereiten.
   02] Sein Weib wußte freilich nicht, was sie zu diesem Wunder sagen sollte.
   03] Der Wirt aber sagte: »Denket nun darüber nicht viel nach; denn dem Manne Gottes, dem es möglich war, meinen Sohn, den alle Heilkundigen schon lange für unheilbar erklärt haben, bloß durch Sein Wort und Seinen Willen vollkommen gesund zu machen, dem ist es sicher auch möglich, uns diese Fische auf eine wunderbare Art in unsere Speisekammer gestellt zu haben. Machet euch nun an die Arbeit, und seht, daß ihr bald fertig werdet; alles andere wird euch schon später bekanntgemacht werden!«
   04] Darauf machten sich das Weib und die Kinder an die Bereitung der Fische, und der Wirt kam voll Dankbarkeit wieder zu uns.
   05] Und Ich sagte zu ihm: »Nun, wie sieht es mit den Fischen aus?«
   06] Sagte der Wirt: »Wundersamster Meister, es ist schon alles in der vollsten Ordnung; aber diese Fische sind doch sicher aus keinem Wasser dieser Erde, sondern sie sind von Dir neu erschaffen! Ich sehe nun, daß mein von Dir geheilter Sohn ehedem völlig recht hatte, so er Dich für den großen Verheißenen erklärte; und so bist Du Deinem inneren Geiste nach wahrlich kein Diener irgendeines Höheren über Dich, sondern mit dem Allerhöchsten gleich Selbst ein Herr, der Seinesgleichen nicht hat, weder auf dieser Erde noch in den Himmeln.
   07] Du bist demnach mit Gott ein und dasselbe Wesen Deinem Geiste nach; daß Du aber nun als ein Mensch unter uns wandelst, das ist also sicher auch nur Dein Wille, - denn Dir kann nichts unmöglich sein!
   08] Es heißt freilich wohl im Moses, daß Gott niemand sehen und dabei leben kann; aber es wird dieser Spruch sicher auch einen andern Sinn haben. Denn es hatte der Vater Abraham Gott gesehen und gesprochen und verlor dabei das Leben nicht, ebenso der Vater Jakob und noch viele andere, die uns aus der Schrift bekannt sind und lebten; selbst Moses sah den Rücken Jehovas und behielt das Leben, und wir sehen nun Dich und behalten auch das Leben.
   09] Ich bin (der Meinung, daß der) Mensch Gott nur in Seinem unendlichen und ewigen Ursein nicht und niemals wird schauen können und behalten das Leben; denn das, was endlich ist, kann das Unendliche niemals mit einem Sinne begreifen, noch die Ewigkeit ermessen. - Habe ich als ein Altjude da recht oder nicht?«
   10] Sagte Ich: »Du hast nun schon ganz recht und wahr geurteilt, obschon auch einem jeden Menschen, der nach den Geboten Gottes handelt und lebt, das ewige Leben treu und wahr verheißen ist.
   11] Siehe, solange der Mensch auf dieser Erde in Zeit und Raum lebt, kann er das Ewige und Unendliche des Geistes freilich wohl niemals weder mit seinem Verstande und noch weniger mit einem äußeren Leibessinne erfassen und begreifen; aber so der Geist Gottes, der pur Liebe ist, des Menschen geläuterte Seele völlig durchdringt und also der eigentliche Mensch, welcher die Seele ist, ganz durchleuchtet und mit dem ewigen Leben belebt wird, so wird er mit Gott eins und dringt dann auch in die endlosen und ewigen Tiefen Gottes und kann sie begreifen, und das ist das Verständnis dessen, wo es heißt, daß ein vollkommener Mensch in seinem Geiste Gott schauen wird von Angesicht zu Angesicht.
   12] Doch nun lassen wir das; denn es kommen bereits die schon bereiteten Fische, mit denen wir unseren Leib stärken wollen und werden!«
   13] Als Ich das noch kaum ausgesprochen hatte, da brachte des Wirtes Weib und seine andern Kinder schon auf mehreren Schüsseln die recht wohlbereiteten Fische herein; dann legten die Kinder behende vor jeden Gast eine kleine irdene Schüssel, hölzerne Gabeln und beinerne Messer nach der Sitte dieses Ortes, und ein jeder von uns nahm sich einen Fisch, auch der Wirt und sein geheilter Sohn, und es wurden diese Fische denn auch bald verzehrt, und ein jeder wurde vollkommen mit warmer Speise gesättigt.
   14] Als die Fische verzehrt waren, von jedem so viele, als er deren nur verzehren konnte, so blieben aber auf den großen Schüsseln dennoch mehrere übrig, und der Wirt fragte Mich, ob er diese Fische für den Morgen aufbewahren solle.
   15] Ich aber sagte: »Die diese Fische bereitet haben, sollen sie völlig verzehren - denn ein jeder Arbeiter ist auch seines Lohnes wert -, und so berufe dein Weib und deine andern Kinder, und laß den Tisch abräumen, und (sage ihnen), daß sie dann in der Küche das, was da übriggeblieben ist, - verzehren sollen!«
   16] Dies tat der Wirt, und der Tisch ward abgeräumt.


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