Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 10

Kapitelinhalt 58. Kapitel: Die Entsprechung der Erneuerung der Burgruine.

   01] (Jesus:) »Auf daß aber auch ihr wisset, warum Ich nun diese alte, verfallene Burg, in der einst Könige wohnten, wieder aufgerichtet und wie ganz neu aufgebaut habe, so achtet nun auf das, was Ich euch noch sagen werde:
   02] Fürs erste entspricht diese Neuherstellung dieser alten Königsburg der nun durch Mich allerorts neuen Herrichtung des alten, ganz verfallenen Glaubens an den einen, allein wahren Gott.
   03] Es sind von der alten Glaubensburg wohl auch noch einige verwitterte, zerklüftete und zerfallene Wahrheitsüberreste vorhanden; aber sie taugen nicht mehr zu einer Lebenswohnung Meiner Liebe und Erbarmung für die Seelen Meiner Kinder, wie sie waren zu den Zeiten des Königs von Salem, sondern nur zur Wohnung solcher, die da in ihrem Gemüte vollends gleichen dem Geschmeiß, das schon lange diese Burg vielfach und vielgestaltig bewohnt hat.
   04] Die Burg war sonach ein treues Abbild von dem, wie es nun mit dem Glauben an Gott und mit der Haltung Seiner Gesetze aussieht, und das namentlich in und um Jerusalem.
   05] Ich aber werde diese Stadt und alles, was zu ihr hält, so da keine Besserung und Umkehr zu Mir ins volle Werk kommen wird, noch ärger heimsuchen, als Ich zu den Zeiten Lots Sodom und Gomorra heimgesucht habe; und da mache Ich euch auf den zweiten Grund, aus dem Ich diese Burg nun aufgerichtet und wie ganz neu aufgebaut und mit allem versehen habe, ganz besonders aufmerksam!
   06] So da Mein Gericht wird kommen über die Gottlosen zu Jerusalem und seiner weiten Umgebung und Meine wenigen Treuen die Flucht ergreifen werden, dann werden sie auch hierher kommen. Da nehmet sie auf, und machet dadurch vollends lebendig den in euch nun neu erweckten Glauben durch die Werke der Liebe in Meinem Namen!
   07] Das Gericht, das über die Stadt Jerusalem wird zugelassen werden, werdet ihr alten Leute dieses Ortes wohl im Fleische nicht erleben, aber die Jüngeren von euch und deren Kinder werden es erleben. Wenn aber dieses geschehen wird, da gedenket dessen, was Ich euch jetzt gesagt habe!«
   08] Hier sagte in tiefster Ehrfurcht der Älteste zu Mir: »O Herr, Herr! Groß und überherrlich ist Dein Name! Wir haben vor etlichen Monden in der Nacht eine höchst sonderbare Lichterscheinung am Firmament geschaut, deren Bilder uns mit großer Furcht und Angst erfüllt haben. Anfangs tauchten große Feuersäulen auf und reichten dem Anscheine nach bis zu den Sternen. Die Säulen einten sich auf eine sonderbare Weise, erhoben sich, und wir dachten, als wir von ihnen nichts mehr sahen, daß das eine zwar seltene Feuererscheinung, dabei aber dennoch natürlicher Art sei. Aber bald darauf ward glühend der ganze Himmel. Wir ersahen die Stadt Salomos und große Kriegsheere, die diese Stadt belagerten und endlich völlig samt dem Tempel verheerten.
   09] Später, schon mehr gen Morgen, war abermals eine Lichterscheinung stark gegen Westen hin ersichtlich. Was diese darstellte, konnte niemand von uns entziffern. Aber die Mittelerscheinung hatte eine starke Ähnlichkeit mit dem, was Du, o Herr, Herr, uns nun über Jerusalem verkündet hast. Hatte sie nicht Bezug auf Deine nunmalige Weissagung?«
   10] Sagte Ich: »Jawohl, Mein Freund, doch nun wollen wir nichts Weiteres davon reden! Dafür aber sorget nun für ein Nachtmahl, für alles andere habe schon Ich gesorgt!«
   11] Sagte der Älteste zu Mir: »Herr, Herr! Unser irdischer Gebieter, der weise Hauptmann möchte uns jemanden, der des Kochens kundig wäre, besorgen; denn wir haben schon seit vielen Jahren nichts mehr gekocht, haben auch kein Feuer und in dieser Gegend auch kein Brennholz für den Herd. Es ist darum für uns in dreifacher Hinsicht beinahe unmöglich, für Dich und für die, welche mit Dir sind, ein gekochtes Nachtmahl herzustellen, obschon alle die großen und kleinen Speisekammern von allerlei Vorräten durch Deine Gnade überfüllt sind. Es wird durch Deine Gnade auch fürs Brennholz und fürs Feuer wohl gesorgt worden sein; aber was nützt das, so wir alle des Kochens und Speisebereitens völlig unkundig sind?«
   12] Sagte Ich: »Alter Mann, deine Ehrlichkeit gefällt Mir, denn du hast in der Hinsicht eurer Kochkunde die volle Wahrheit geredet. Der Hauptmann aber hat schon seine Tochter und ein paar seiner Unterdiener beordert, daß sie mit einigen deiner Leute in der großen Küche, in der sich auch ein Fischbehälter befindet, der nun voller Fische ist, für uns und euch alle ein gutes Nachtmahl bereiten!«


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