Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 9

Kapitelinhalt 143. Kapitel: Jesus über die Tätigkeit der Geister.

   01] Sagte der Fischer: »Ja, Herr und Meister, nun bin ich darin schon ganz im klaren; aber nun möchte ich denn auch noch hierzu wissen, worin die Tätigkeit einer vollkommenen Seele im großen Jenseits denn wohl hauptsächlich besteht. Auf dieser harten Erde gibt es für die Menschen freilich wohl vieltausenderlei zu tun, so er leben will, - was ist dann aber im großen geistigen Jenseits zu tun? Wird auch dort gepflügt, gesät und geerntet des Lebensunterhaltes wegen?«
   02] Sagte Ich: »Jawohl, Freund, pflügen, säen und ernten, - aber freilich auf eine andere Art und in einem andern Sinne, als das auf dieser materiellen Welt geschieht.
   03] Siehe, ohne die große Tätigkeit der Geister, und ganz besonders der vollkommenen, würde auf keiner Erde etwas entstehen! Es würde nicht nur nichts wachsen und kein lebendes Wesen auf dem Boden umherwandeln, sondern es würde auch keine Sonne und keine Erde je entstanden sein und sicher noch weniger fortbestehen.
   04] Die Menschen pflügen wohl die Erde und streuen den Samen in ihre Furchen; aber den Geistern liegt es ob, das Keimen, das Wachsen und das Reifwerden der Frucht zu bewerkstelligen. Und du wirst aus dem nun wohl erkennen, daß es besonders den vollkommenen Geistern auch für die euch sichtbare Welt, hier auf dieser Erde sowohl als auch auf all den andern Weltkörpern, viel zu schaffen und zu machen gibt, noch mehr aber für die rechte Seelenbildung und Vervollkommnung der Menschen schon diesseits, und um gar vieles mehr erst dann jenseits. Denn es kommen ja ums unvergleichbare stets mehr oft höchst unvollkommene Seelen ins große Jenseits denn der vollkommenen, besonders von dieser Erde. Die unvollkommenen und argen Seelen aber würden diese ganze Erde mit Hilfe der ungegorenen Naturgeister bald derart verderben, daß auf der kein Gras, kein Strauch, kein Baum mehr wachsen und kein Tier und kein Mensch mehr bestehen könnte.
   05] Nur durch die Liebe, Weisheit und Macht der vollkommenen Geister werden die argen und unvollkommenen Seelen im Jenseits daran gehindert, nach und nach fortgebildet und möglicherweise auch von Stufe zu Stufe dem Reiche Gottes nähergebracht.
   06] Wie die vollkommenen Geister aber das alles bewirken, das läßt sich mit Worten nicht darstellen; wenn ihr aber im Geiste selbst neu- und wiedergeboren sein werdet, dann wird es euch schon klar und wohlverständlich werden, wie die Geister arbeiten und wirken. - Hast du auch das verstanden?«
   07] Sagte abermals derselbe Fischer: »Ja, Du lieber Herr und Meister, und ich danke Dir für Deine übergroße Geduld mit uns schwachen und noch sehr blöden Menschen! Oh, es wird sicher noch lange hergehen, bis wir, mitten unter lauter Wundern lebend, die Wunder verstehen werden! Wir sehen und genießen das Wasser und wissen nicht im geringsten, was es ist. Ebenso sehen wir auch das Feuer und sein Licht und empfinden dessen Glut und Wärme, wissen aber auch nicht im geringsten, was es ist, und was sein eigentlicher Entstehungsgrund ist. Aber es sei ihm nun, wie da wolle, wir sind nun schon darum über die Maßen froh und heiter, daß wir durch Deine übergroße Gnade und Liebe nun den untrüglichen Weg zur vollen und lebendigen Wahrheit überkommen haben. Du lieber Herr und Meister, sei uns aber auch mit Deiner Gnade behilflich, daß wir diesen Weg bis ans lichtvolle Ziel zu wandeln niemals müde, schwach und träge werden!«
   08] Sagte Ich: »Wer da glaubt und den rechten Willen hat, der wird auch das erreichen, nach dem er ernstlich strebt; und so werdet auch ihr das Ziel bald und leicht erreichen, da ihr nun an Meiner Seite schon mehr als den halben Weg eifrigst durchgemacht habt!«
   09] Als Ich die Fischer mit den Belehrungen vollends zufriedengestellt hatte, da dankten sie Mir abermals, traten zurück und besprachen sich unter sich über das Vernommene und prägten es ihrem Gedächtnisse fest ein.


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