Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 9

Kapitelinhalt 121. Kapitel: Jesus erklärt das 13. Kapitel des Hesekiel.

   01] Als wir uns vom Tische erhoben, da kam auch alsogleich der Schriftgelehrte zu uns und sagte zu Mir: »Weiser Freund, gedenke nun deines gestern abend mir gemachten Versprechens!«
   02] Sagte Ich: »Du bist auf dem rechten Wege wohl, - aber es ist auch das ein Wunder, daß du bei schon so viel empfangenem Lichte noch immer blind bist. Du hast dich gestern abend zwar so halbwegs von der Wahrheit dessen überzeugt, was Ich dir von dem Nazaräer gesagt habe, aber du und deine Gefährten denket bei euch im Herzen dennoch: "Wir wollen einmal mit dem Nazaräer um jeden Preis persönlich zusammenkommen und wollen ihm da scharf auf den Zahn fühlen. Finden wir an ihm, was wir in Kis über ihn vernommen haben, so wollen wir uns zu ihm halten; finden wir aber das nicht völlig also, so werden wir ungesäumt nach unserem Auftrag an ihn die Hände legen und ihn den Gerichten überantworten."
   03] Ihr gehöret sonach samt dem Hohenpriester und samt allen euren falschen Propheten, als da sind die Ältesten, Schriftgelehrten, Pharisäer und Leviten zu Jerusalem und also auch in den Synagogen allerorten des ganzen Judenlandes, zu eben jenen falschen Propheten, von denen der Herr im Propheten Hesekiel also spricht:
   04]
•  Hesekiel.13,02] "Du Menschenkind, weissage wider die Propheten Israels, und sprich zu denen, die aus ihrem eigenen Herzen und Sinne weissagen: Höret des Herrn Wort!
•  Hesekiel.13,03] Also aber spricht der Herr Herr: Wehe den tollen Propheten, die ihrem eigenen Geiste folgen, da sie doch niemals ein Gesicht hatten und einen Ruf vernommen haben!
   05]
•  Hesekiel.13,04] O Israel, deine Propheten, an denen du hängst, sind gleich den Füchsen in der Wüste!
•  Hesekiel.13,05] Sie treten nicht vor ihre Löcher (aus Furcht, gefangen zu werden) und machen sich also auch nicht zu Hürden um das (bedrängte) Haus Israel und stehen nicht im Streite am Tage des Herrn (Probezeit für den wahren Glauben).
•  Hesekiel.13,06] Ihre vorgeblichen Gesichte sind nichts, und ihre Weissagungen sind eitel Lügen! Sie sprechen wohl ganz dreist: "Der Herr hat es gesagt!" und wissen es doch klar in sich, daß Er sie niemals berufen und gesandt hat, und mühen sich nur darum in wildem Eifer, auf daß sie erhalten ihre Dinge (zu ihrem Weltlebensbesten).
   06] (Saget, ihr falschen Propheten, alle:) ,
•  Hesekiel.13,07] Ist es etwa nicht also, daß eure vorgeblichen Gesichte nichts und eure Weissagungen eitel Lügen sind? Und doch sprechet ihr zum Volke: "Der Herr hat es gesagt!", - so Ich mit euch nach eurem guten Wissen doch niemals geredet habe!
   07]
•  Hesekiel.13,08] Darum spricht der Herr weiter also: Weil ihr dem Volke das prediget, daraus nichts wird, und dem Volke Lügen weissagt, so will Ich Selbst an euch (dem Volke eure List enthüllen), spricht der Herr
•  Hesekiel.13,09] Und Meine Hand soll über jene Propheten kommen, die das predigen, daraus nichts wird, und Lügen weissagen! Sie sollen in der Versammlung Meines Volkes nicht sein, in die Zahl des Hauses Israel nicht geschrieben werden, noch in das Land Israel kommen; und ihr sollet erfahren, daß Ich der Herr Herr bin!
•  Hesekiel.13,10] (Und Meine Hand soll darum über sie kommen,) dieweil sie Mein Volk verführen und zu ihm sagen: "Der Friede (sei mit dir)!" und dennoch kein Friede da ist.
   08] So das Volk (in Meinem Namen) noch die Wand baut, so kommen sie und übertünchen dieselbe mit ihrem losen Kalk (äußere Scheinfrömmigkeit des irdischen Gewinnes wegen).
•  Hesekiel.13,11] Sprich zu den Tünchern, die mit ihrem losen Kalke tünchen: Ihre Tünche wird von der Wand bald abfallen; denn es wird ein Platzregen kommen und werden große Hagel fallen, die die Tünche abfallen machen werden, und ein mächtiger Wirbelwind wird sie zerreißen. (Unter "Platzregen" ist zu verstehen das reine Gotteswort, unter "großem Hagel" dessen feste Wahrheit und unter dem "mächtigen Wirbelwind" die Macht der Wahrheit)
•  Hesekiel.13,12] Sieh, also wird mit der Tünche auch die verdorbene Wand einfallen! Was gilt es, daß man dann zu euch sagen wird: "Wo ist nun das, was ihr getüncht habt?"
   09)

•  Hesekiel.13,13] Also spricht der Herr Herr: Ich werde in einem Wirbelwind alles (Falsche) niederreißen lassen in Meinem Zorne und große Hagelsteine in Meinem Grimme; die sollen alles umstoßen!
•  Hesekiel.13,14] Also will Ich die Wand umstoßen und zu Boden werfen, die ihr mit losem Kalk übertüncht habt, und man soll, so sie zertrümmert am Boden liegt, ihren falschen Grund sehen, und ihr falschen Propheten sollet dabei auch umkommen und erfahren, daß Ich der Herr bin!
•  Hesekiel.13,15] Also will Ich Meinen Grimm an der Wand und an denen auslassen, die sie mit losem Kalk tünchen, und will zu euch sagen: Hier ist weder Wand noch ein Tüncher mehr!
•  Hesekiel.13,16] Das sind die Propheten Israels, die zu Jerusalem weissagen und predigen vom Frieden, so doch (unter ihnen selbst) kein Friede ist, spricht der Herr Herr.
   10]
•  Hesekiel.13,17] Und du, Menschenkind (Hesekiel), richte dein Angesicht auch wider die Töchter in deinem Volk, welche auch weissagen in ihrem Herzen, und weissage wider sie
•  Hesekiel.13,18] und sprich: Also spricht der Herr Herr: Wehe euch, die ihr Kissen machet den Leuten unter die Arme und Pfühle (Polster) unter die Häupter, beides für jung und alt, um ihre Seelen zu fangen, und, so ihr die Seelen gefangen habt unter Meinem Volk, denselben das ewige Leben verheißet!
•  Hesekiel.13,19] Und also entheiliget ihr Mich im Volke um einer Hand voll Gerste und eines Bissen Brotes willen dadurch, daß ihr die Seelen, statt zum Leben, zum Tode verurteilet, die doch nicht sterben sollen, und verurteilet die zum Leben, die (nach ihrem gottlosen Wandel) doch nicht leben sollten, durch eure Lügen unter Meinem Volke, das gerne Lügen hört.
   11]

•  Hesekiel.13,20] Darum spricht der Herr Herr: Siehe, Ich will über eure Kissen herfallen (wie ein Löwe), mit denen ihr die Seelen fanget und fälschlich vertröstet! Ich will sie von euren Armen wegreißen und die Seelen, die ihr fälschlich vertröstet und für den Tod gefangen habt, losmachen.
•  Hesekiel.13,21] Also will Ich auch eure Pfühle (Polster) zerreißen und Mein Volk aus eurer Hand erretten also, daß ihr es nicht mehr fangen sollet, - und also sollet ihr erfahren, daß Ich der Herr bin!
•  Hesekiel.13,22] Ich will und werde darum das tun, weil ihr die Herzen der Gerechten fälschlich betrübet, die Ich Selbst doch niemals betrübt habe, und stärket aber dafür die Hände der Gottlosen, auf daß sie sich von ihrem bösen Wesen ja nicht bekehren und dadurch zum Leben gelangen mögen.
•  Hesekiel.13,23] Darum sollet ihr nimmerdar unnütze Lehre predigen noch weissagen! Ich will demnach Mein Volk aus euren Händen reißen, und ihr sollet es erfahren, daß Ich ganz allein nur der Herr bin!"

   12] Siehe, Mein Freund, also hat der Herr durch den Mund des Propheten geredet zu den falschen Propheten; und was Er geredet hat, das geht nun vor euren Augen völlig in Erfüllung! Wer in dieser Zeit aber ärger denn jemals zuvor die falschen Propheten sind, das brauche Ich euch nicht noch einmal zu sagen, da Ich sie euch ohnehin schon zur Übergenüge beschrieben habe.
   13] "Wer aber", fraget ihr in euch, "sind denn dann die gewissen Töchter Israels, die auch fälschlich weissagen und für die Menschen Kissen unter die Arme und Pfühle unter den Kopf machen?" Das sind die von euch gezeigten Satzungen, die euch nun nicht mehr allein mit Gerste und Brot, sondern mit allen denkbaren Schätzen reichlichst versehen.
   14] Auf daß die Menschen ja nicht selbst unter sich die Gesetze des Lebens zu beachten haben, habt ihr es ihnen durch eure Satzungen bequemer gemacht, indem ihr ihnen vorgelogen habt, daß ihr Gesichte gehabt und der Herr Herr es euch geoffenbart habe, daß die Menschen euch lieber größere Opfer darbringen sollen, was Gott um vieles wohlgefälliger wäre denn das eigene, unbequeme Halten der Gesetze, - was euch das von euch blind gemachte und zur Selbsttätigkeit ohnehin stets träge Volk gerne glaubte.
   15] Dadurch aber habt ihr das Volk von Gott und so auch vom Leben der Seelen aus Ihm abgewendet und die Türen zum Reiche Gottes versperrt, auf daß ja kein Mensch mehr zum ewigen Leben seiner Seele gelange.
   16] Oder bestehen bei euch nun nicht Satzungen, denen nach sich ein Mensch durch reiche Opfer, dem Tempel natürlich und namentlich dargebracht, für eine bestimmte Anzahl von Jahren für die Zukunft von aller Haltung der Gottesgebote loskaufen kann? Er kann dann lügen, stehlen, rauben, morden, Hurerei treiben, ehebrechen und den Sabbat schänden, wie er nur mag und kann, und er begehe keine Sünde!
   17] Ist das dann nicht eine elendeste und allerloseste Kalktünche über die von Gott erbaute Wand zum Schutze Seines Volkes, durch welche Tünche am Ende die Wand selbst unnütze geworden ist und mit der Tünche nun niedergerissen und von neuem aufgebaut werden muß?! (vgl. Hesekiel.13,14)
   18] Sind solche eure Lehren und falschen Weissagungen nicht zu vergleichen jenen aus ihren bösen Herzen weissagenden Töchtern, die da sagen: "Da hast du weiche Kissen zur bequemen Stütze deiner Arme, mit denen du nun wohl ruhen kannst, und dazu sanfte Pfühle für deinen Kopf, auf daß du, statt nach den lästigen Gesetzen mühsam zu denken und zu forschen, was vor Gott und den Menschen recht ist, ohne Sorge schlafen kannst!" (vgl. Hesekiel.13,18)
   19] Meinst du wohl, Gott hätte es je über Sein Volk kommen lassen, daß es von den Heiden beherrscht würde, wenn es nicht durch die grundfalschen Weissagungen und Lehren und Satzungen derart gottlos geworden wäre, daß es sich schon lange bis auf den letzten Menschen aufgerieben hätte, so das die Heiden durch ihre strengen und klugen Staatsgesetze nicht verhindert hätten?
   20] Gott aber sah das große Elend des armen und Seiner hie und da doch noch nicht völlig vergessenden Volkes und führte zu seinem Schutze die Heiden in das Gelobte Land, ansonst es zum vollen Opfer eurer selbstsüchtigsten, argen Willkür geworden wäre.
   21] Wie möget ihr zum Volke sagen, Gott sei viel zu heilig und erhaben, daß Er Sich um das Tun und Treiben der Menschen kümmern möchte. Er gebe darum Seinen Willen nur den höchsten Erzengeln kund, und diese dann auf dem Wege von allerlei Gesichten und inneren Weissagungen nur euch, - und das Volk kann also nur von euch, als den von Gott bestellten Propheten, Seinen Willen vernehmen.
   22] Ich sage es euch: Ihr seid als Zedern auf Zion faul geworden; darum ist euch nun die Axt an die Wurzel gelegt. Ihr werdet gefällt und im Feuer Meines Grimmes und Zornes zu Asche verbrannt werden, spricht der Herr Herr, der nun Sein Volk erretten will und wird!
   23] Was aber der Herr aus Seiner höchsteigenen Macht nun tut, das wird er allzeit tun, wo sich ein Pharisäertum irgend auf dieselbe Weise entfalten wird, wie es sich in Jerusalem entfaltet hat!
   24] Wie oftmals sind an Jerusalem von Gott aus dem Munde der wahren Propheten Mahnungen gekommen! Was haben aber die Templer getan? Statt sich an die Mahnungen zu kehren, haben sie die Propheten gesteinigt und erwürgt und erklärten dem Volke, daß solche Propheten, die wider den Tempel predigen, Abgesandte des Teufels der Teufel sind und daher von der Erde vertilgt werden müssen.
   25] Und so habt ihr gar viele Propheten getötet bis auf Zacharias und zuletzt auch durch eure Vermittlung den Johannes, und ihr unschuldig vergossenes Blut wird strafend kommen über euch und eure Kinder bis ans Ende der Zeiten.
   26] Wie Spreu werdet ihr verweht werden in alle Teile der Welt! Ihr werdet kein Volk mehr sein und als niedrige Sklaven werdet ihr den Heiden, denen das von euch genommene Licht gegeben wird, dienen müssen; und wie die Juden einst das erste Volk der Erde waren, also werden sie bald das letzte und allenthalben verachtetste werden! Denn sie haben an den vielen Propheten, deren Gräber sie nun des Volkes wegen auch mit ihrem losen Kalk übertünchen, noch nicht sattsam gemordet, - sie wollen sich nun auch an den Herrn Selbst machen, Ihn fangen und töten! Aber es wird der Herr auch noch das zulassen, aber nicht zum Heile der falschen Propheten, sondern zu ihrem Gerichte; und also wird Er Selbst sein der mächtige Wirbelwind, der sie alle zerreißen und in alle Pfützen der Erde zerschmeißen wird!
   27] Und was der Herr mit den Pharisäern tun wird, das wird Er auch tun mit allem euch ähnlich sich irgend entfaltenden Pharisäertum auf der ganzen Erde.
   28] Ich habe nun sattsam geredet, und nun möget ihr reden und sagen, wie euch die Wahrheit gemundet hat!«
   29] Sagte darauf der Schriftgelehrte: »Du mein sehr wahrhaftiger und weiser Freund, ich und auch alle meine Gefährten und Diener können dir nicht im geringsten unrecht geben; denn es steht mit dem Tempel nun buchstäblich also, wie du ihn nun vor uns dargestellt hast. Aber was können wir dagegen tun? Es komme über ihn nur das, was der Prophet Hesekiel über ihn geweissagt hat! Aber wir werden, obschon wir darum vom Tempel ausgesandt sind, unsere Hände nimmerdar an den Gesalbten Gottes legen; denn wir haben Ihn nun aus deinem Munde wohl kennengelernt, wollen unserer Weltwürde völlig entsagen und Seiner Lehre folgen, dessen wir dich und alle deine Geführten wahrheitsgetreust versichern können.
   30] Aber nun erlaube mir armem Sünder vor dir noch eine ganz schlichte, aber für uns doch höchst bedeutungsvolle Bemerkung zu machen, - und diese besteht darin: Siehe, im Verlaufe deiner wahren Bußpredigt an uns habe ich aus deinem Eifer stets mehr und mehr wahrzunehmen angefangen, daß du entweder ein erster Jünger Dessen, der als Herr Herr zu Hesekiel gesprochen hat, seist, oder du selbst bist es, den zu suchen wir ausgesandt worden sind; und bist du es selbst, da lasse (gestatte) uns, daß wir uns umkleiden, dann bei dir verbleiben und dir nachfolgen!«
   31] Sagte Ich: »Wenn ihr glaubet, da möget ihr auch bleiben; die Folge aber wird es euch schon zeigen, ob ihr in Mir wohl den Rechten gefunden habt! Am äußeren Menschen aber hängt das Heil nicht, sondern das kommt von dem Geiste der ewigen Liebe und Wahrheit, der im Menschen wohnt.
   32] Der äußere Mensch wird auch gleich jedem andern Menschen diese Erde verlassen und nicht unter den Menschen verbleiben; aber sein Geist wird verbleiben bis ans Ende der Zeiten.
   33] Wollet ihr euch an Meinen Geist halten, da bleibet; wollet ihr euch aber an Meine Person halten, da könnet ihr so, wie ihr hierhergekommen seid, wieder von hinnen ziehen!«
   34] Sagte der Schriftgelehrte: »Herr Herr und Meister in Deinem Geiste, nicht an Deine Person, sondern nur an Deinen Geist wollen wir uns, halten; denn Deine Person dient nur Dir zunächst, so wie jedermann die seinige, - aber Dein Geist kann dienen einem jeden Menschen, der sich richtet nach Ihm!«!
   35] Sagte Ich: »So bleibet, und glaubet! Denn selig ist, der da glaubt und nach der erkannten Wahrheit lebt und handelt«


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