Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 9

Kapitelinhalt 122. Kapitel: Beschaffung griechischer Kleidung für die bekehrten Templer.

   01] Auf diese Meine Worte waren die vollends bekehrten Templer über die Maßen froh und heiter geworden und wandten sich nun an den Kisjona mit der Bitte, ob er ihnen wohl irgend griechische Kleider verschaffen könne.
   02] Kisjona aber sagte: »Dies, liebe Freunde, wird nun etwas hart gehen, da wir im Orte keinen Kleidermacher haben; zu Kana gibt es deren wohl, aber dahin werdet ihr nun nicht ziehen wollen?«
   03] Sagte Ich zu Raphael: »Verschaffe du diesen sieben Templern und ebenso auch ihren Dienern ein griechisches Gewand; denn sie sollen zur Bekehrung der Griechen in Afrika gestärkt werden!«
   04] Als Ich solches laut zu Raphael gesagt hatte, da trat er zu den Templern und sagte: »Was Der will, der mir befohlen hat, euch ein neues Gewand nach der Art der Griechen in Afrika zu verschaffen, das werde euch! Ich will denn in eine Stadt in Ägypten mich begeben, in der es fertige Gewänder in Übergenüge zu kaufen gibt, und ihr möget euch dann damit bekleiden.«
   05] Sagten die Templer: »O du holdester und über alles dienstfertiger Jüngling! Da werden wir wohl lange hier zu warten haben, bis du uns die neue Kleidung gar von Ägypten herbringen wirst!«
   06] Sagte Raphael: nach der diesirdisch menschlichen Weise ginge es wohl also; aber da ich kein diesirdischer Mensch mehr bin, so ist mein Gedanke hier und dort, und da ich mein Gedanke selbst bin, so bin ich selbst auch ebenso schnell wie mein Gedanke! Und sieh, ich habe also mein mit vom Herrn für euch anbefohlenes Geschäft denn auch schon beendet, war schon dort und bin auch schon wieder hier! Gehet nun in euer Gemach, und überkleidet euch!«
   07] Sagte der Schriftgelehrte: »Wie möglich konntest du in Ägypten gewesen sein, da wir dich ja doch nicht einen Augenblick vermißt haben? Das wäre ja doch ein Wunder über alle Wunder!«
   08] Sagte Raphael: »Für euch sicher, aber nicht also auch für mich! Gehet aber hin, und überzeuget euch; dann erst mögen wir einiges darüber reden!«
   09] Darauf gingen sie in ihr Gemach und fanden alles, was ihnen unser Raphael angesagt hatte, worüber sie sich über alle die Maßen zu verwundern anfingen.
   10] Sie kamen darauf bald als Ägypter der Tracht nach wieder zu uns, und so auch ihre Diener, lobten und priesen Mich, und der Schriftgelehrte sagte zu Mir: »Daß Du, o Herr und Meister, eben Derjenige bist, auf den alle Juden warten und hoffen, das brauchen wir nicht mehr zu glauben; denn wir sind davon nun auf das lebendigste überzeugt! Aber nun möchten wir denn auch über die drei Jungen, von denen der eine auf eine so überwunderbare Art uns nun mit Ägyptens Kleidern versah, eine Aufhellung haben! Denn sind sie selige Geister, wie haben sie dann einen uns sicht- und fühlbaren Leib, - und ist ihr Leib gleich dem unsrigen, wie kann er eine so unbegreifbar schnelle Bewegung machen und aus dem fernen Lande Hams (einem Sohne Noahs) die vielen Kleidungsstücke für uns und unsere Diener beschaffen?«
   11] Sagte Ich: »Meine lieben Freunde, habt ihr denn nicht gelesen, wie es also geschrieben steht in der Schrift, daß zu jener Zeit Engel auf- und niedersteigen werden und Mir und den Menschen sichtbar dienen werden? Und sehet, also ist die Schrift nun denn auch in diesem Stücke erfüllt vor euren Augen!
   12] Aber so auch das sähe des Tempels hoher Rat, so würde er es doch nicht glauben, auf daß er selig werden möchte; darum wird über ihn auch das kommen, was Hesekiel geweissagt hat.
   13] Nun aber besprechet euch mit dem Engel, der euch mit neuen Kleidern versah; Ich aber werde nun mit dem Wirte und dessen Freunde Philopold auf eine kurze Zeit Mich ins Freie begeben und also in Meinem Geschäfte eine kleine Ruhe Mir gönnen!«
   14] Mit dem waren die Templer vollends zufrieden und gesellten sich alsbald zu Raphael, der ihnen, so wie früher einmal auf dem Ölberge, viele Dinge zeigte und auch erklärte.
   15] Bevor Ich aber mit den zwei Obbenannten den Saal verließ, trat noch die Maria zu Mir und fragte Mich, ob auch sie mit uns gehen solle.
   16] Ich aber sagte, daß sie nun im Saale bei den Brüdern verweilen möge, wo sie vieles hören und sehen werde.
   17] Und sie blieb und unterhielt sich mit dem Engel Gabriel über die Lebensgeheimnisse der Himmel.
   18] Darauf aber trat noch Judas Ischariot zu Mir und fragte Mich, wie lange Ich Mich im ganzen in Kis aufhalten werde.
   19] Und Ich sagte: »Volle sieben Tage, und da du Mich deshalb darum fragtest, um in der Zeit deine Familie zu besuchen, so kannst du dich schon auf den Weg machen!«
   20] Als Judas Ischariot das von Mir vernahm, da machte er sich auch sogleich auf den Weg.
   21] Als dieser Jünger fort war, da sagten die andern Jünger: »Das war ein kluger Geist, der solches ihm eingehaucht hat; und wir sind froh, seiner nur auf etliche Tage los zu sein!«
   22] Ich fragte aber auch die andern Jünger, ob auch etwa sie ihre Weiber und Kinder besuchen wollten.
   23] Diese aber sagten: »Herr, unsere Weiber und Kinder sind schon von Dir aus bestens versorgt, und so bleiben wir hier, wo wir in jedem Augenblick vieles für Seele und Geist gewinnen können!«
   24] Sagte Ich: »Also bleibet denn, und so da jemand kommen und nach Mir fragen wird, so belehret ihn, und heißet ihn verharren, bis Ich mit Meinen Freunden wiederkomme!«
   25] Darauf aber fragten Mich auch noch die vier Indojuden, ob sie um Meinetwillen auch noch länger in Kis verweilen dürften.
   26] Und Ich sagte: »Solange ihr wollt; wenn das euer Herz verlangt, da tuet ihr wohl daran, so ihr hier verweilet!«
   27] Auf das erst begab Ich Mich mit den beiden Freunden ins Freie, und wir besprachen uns auf einem kleinen Hügel ganz nahe am Meere Galiläas über verschiedene Dinge auf der Erde und auch in den Gestirnen, und auch über die innere Einrichtung der Erde und ebenso auch der andern Gestirne, woran die beiden Freunde ein großes Wohlgefallen hatten.


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