Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Index Band 9

Kapitelinhalt 93. Kapitel: Jesus über die Ensprechungswissenschaft.

   01] Sagte der Schriftgelehrte: »Ja, Herr und Meister, das haben wir nun alle wohl so ganz verstanden, daß wir es nun einsehen, daß Josua mit seinem großartigsten Ausruf unmöglich einen andern Sinn hat verbinden können; aber warum verstanden wir das denn ehedem nicht?«
   02] Sagte Ich: »Weil von euch schon vor der babylonischen Gefangenschaft die alte innere Entsprechungswissenschaft gänzlich gewichen ist; denn diese Wissenschaft ist nur jenen Menschen zugänglich und eigen, die im wahren Glauben und Vertrauen an den einen, wahren Gott niemals wankend und schwach geworden sind, Ihn allzeit als den Vater über alles liebten und ihre Nächsten wie sich selbst.
   03] Denn die besagte Wissenschaft ist ja die innere Schrift und Sprache der Seele und des Geistes in der Seele. Wer diese Sprache verloren hat, der versteht die Schrift unmöglich, und ihre Sprache kommt ihm in seinem toten Weltlichte wie eine Torheit vor; denn die Lebensverhältnisse des Geistes und der Seele sind ganz anderer Art als die des Leibes.
   04] So ist denn auch das Hören, Sehen, Fühlen, Denken, Reden und die Schrift (des Geistes) ganz anders beschaffen als hier unter den Menschen in der Naturwelt, und darum kann das, was ein Geist tut und spricht, nur auf dem Wege der alten Entsprechungswissenschaft dem Naturmenschen begreiflich gemacht werden.
   05] Haben die Menschen diese Wissenschaft durch ihre eigene Schuld verloren, so haben sie sich selbst außer Verkehr mit den Geistern aller Regionen und aller Himmel gestellt und können darum das Geistige in der Schrift nicht mehr fassen und begreifen. Sie lesen die geschriebenen Worte nach dem blind eingelernten Laut des toten Buchstabens und können nicht einmal das begreifen und dessen innewerden, daß der Buchstabe tot ist und niemanden beleben kann, sondern daß nur der innerlich verborgene Sinn es ist, der als selbst Leben alles lebendig macht.
   06] Wenn ihr nun das begreifet, so a trachtet denn auch vor allem, daß das Reich Gottes in euch lebendig und vollauf tätig werde, so werdet ihr auch wieder in die besagte Wissenschaft der Entsprechungen zwischen Materie und Geist gelangen, ohne welche ihr weder Moses noch irgendeinen Propheten je in der Tiefe der lebendigen Wahrheit verstehen könnt und dadurch in euch selbst bemüßigt seid, in Unglauben, in allerlei Zweifel und Sünden zu verfallen. Denn so ein Blinder auf einer Straße, auf der eine Menge Steine liegen, wandelt, wird er es wohl verhüten können, daß er beim Gehen an einen und den andern Stein stößt und dabei gar oft fällt? Und kommt auf des Weges Strecke irgendein Abgrund, wie wird er sich schützen, daß er nicht mit dem nächsten Tritt in denselben stürzt und darin den unvermeidlichen Tod findet? (a  Matthäus.06,33; Römer.14,171. Könige.03,13-14jl.ev08.049,08)
   07] Darum trachtet vor allem, daß ihr im Geiste ehest wiedergeboren und sehend werdet, sonst werdet ihr tausend Gefahren, die auf euch lauern und euch zu verschlingen drohen, nicht entgehen!«
   08] Sagte darauf der Schriftgelehrte: »O Herr und Meister, Deine Weisheit ist unermeßlich, und wir Menschen sind Dir gegenüber blind wie ein Stein! Jetzt erst sehe ich ganz klar ein, worin der Grund des gänzlichen Verfalls im Glauben und Vertrauen auf Gott liegt, und ich sehe es auch ein, daß es in Zukunft mit dieser Deiner Licht- und Lebenslehre genau also gehen wird, wie es nun mit der Lehre Mosis und der Propheten geht, und daß Du im Ernste wieder auf diese Erde zu den Menschen zu kommen durch Deine Liebe und Erbarmung wirst genötigt werden. Es fragt sich nun nur, ob Du wieder so wie diesmal oder vielleicht auf eine andere, nur Dir allein bekannte Weise wiederkommen wirst! Möchtest Du uns das nicht näher andeuten?«
   09] Sagte Ich: »Ich habe es euch ja ohnehin schon klar zur Genüge gezeigt, wie und auf welche Weise Ich wieder auf diese Erde zu den Menschen kommen werde. Wie magst du Mich um dasselbe wieder fragen?«
   10] Sagte der Schriftgelehrte: »Wahr ist es, Herr und Meister, daß Du uns solches schon gesagt hast, - wäre ich nun schon im Besitze der Entsprechungswissenschaft, so hätte ich Deiner Rede Sinn auch ganz verstanden; aber ich bin noch ganz außerhalb dieser Wissenschaft, und es ist mir darum nicht alles klar, was Du über Deine Wiederkunft geredet hast.
   11] Siehe, es handelt sich nun bei dieser meiner Frage hauptsächlich nur darum, ob Du wieder als ein Mensch mit Fleisch und Blut, wie jetzt, geboren von einem reinen Weibe, oder ungeboren, mehr als Geist und doch auch sichtbarer Mensch, wiederkommen wirst, und wo, und unter welchem Volke!
   12] Es ist das vor Deiner unergründlichen Weisheit wohl sicher eine sehr vernunftlose Frage von mir; aber ich bin ja nur erst seit ein paar Stunden ein bekehrter Mensch, und es ist mir darum nicht zu verargen, wenn ich Dir noch mit allerlei unvernünftigen Fragen zur Last falle.«


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