Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 100. Kapitel: Jesus über Gewohnheiten.

   01] Nachdem sich in dieser Nacht ein jeder ganz wohl ausgeschlafen und ausgeruht hatte, standen samt Mir alle schon mehr denn eine Stunde vor dem Aufgange der Sonne auf und wuschen sich nach der Sitte der Juden; die Römer (aber wuschen sich) nach ihrer Sitte mit wohlriechenden Wässern und bestrichen sich hernach mit ebenfalls wohlriechendem Öl, das natürlich einen großen Wohlgeruch in den Zimmern des Hauses verbreitete.
   02] Da traten einige Jünger zu Mir und sagten: »Herr, diese haben wohl unseren Glauben und unsere Überzeugung angenommen, aber in ihren heidnischen Gebräuchen scheinen sie dennoch verbleiben zu wollen! Diese ihre Wasser, Öle und Salben mögen sehr kostspielige sein, und da wäre es für sie ja auch dienlicher, sich gleich uns nur mit purem und frischem Wasser zu waschen und das viele Geld, das ihre Wasser, Öle und Salben sicher kosten, für die Armen zu verwenden!«
   03] Sagte Ich: »Wer den Armen das tut, was diese Römer tun, der hat auch das Recht, so er dazu des Vermögens in hinreichender Menge besitzt, auch seinen Leib zu pflegen nach der Art und Weise, wie er schon von Kindesjahren an gewöhnt worden ist; denn ihnen ist das zu einem so natürlichen Bedürfnisse geworden wie euch das reine und frische Wasser. Ich aber sehe nicht darauf, ob und womit jemand seine Haut gereinigt und belebt hat, sondern nur allein darauf, ob er gewaschenen und reinen Herzens vor Mir ist.
   04] Daher, so ihr den Völkern Mein Evangelium verkünden werdet, sollet ihr sie auch belassen in ihren Leibespflegesitten; denn es genügt für einen jeden, daß er an Mich und Meinen Namen glaubt und nach Meiner Lehre lebt; seinen Leib aber soll er nähren und pflegen, wie er das von Kindheit an gewohnt war, damit er nach seiner Art frisch und gesund verbleiben kann.
   05] Kurz und gut, was ihr sehet, das Ich dulde, das duldet auch ihr! Was Ich aber zu jedermanns Seelenheile euch angeraten habe, das ratet auch ihr - ohne euch zu ärgern, ob es jemand annimmt oder auch nicht annimmt - denen an, zu denen ihr von Meinem Geiste geführt werdet!
   06] Auch ihr sollet essen und trinken, was euch irgend auf den Tisch aufgesetzt wird, und sollet nicht Wesens machen mit dem materiellen äußeren Judentum, das vor Mir keinen Wert hat, sondern handeln nach dem Geiste des wahren, inneren und lebendigen Judentums, so werdet ihr Meine wahrhaftigen Jünger sein, und Ich werde ein Wohlgefallen haben an euch und euren Werken und werde unter euch im Geiste verbleiben bis ans Ende der Zeiten dieser Erde! - Habt ihr Mich verstanden?«
   07] Sagte einmal Johannes: »Herr, Du sagst immer: "Bis ans Ende der Zeiten dieser Erde!" Gut, wenn aber diese aus sein werden, was wird denn dann werden für die ganze Ewigkeit, und werden wir denn bis ans Ende der Zeiten dieser Erde hier verweilen und stets allen Völkern der Erde Dein Evangelium predigen müssen?«
   08] Sagte Ich mit freundlicher Miene zu Meinem Lieblinge: »Aber bist du noch manchmal voll kindischen Sinnes und Verstandes! Ihr werdet der leiblichen Persönlichkeit nach auch nicht länger auf dieser Erde zu leben haben wie irgendein anderer ordentlicher und gesunder Mensch; aber ihr werdet teils fortleben geistig wirkend in allen jenen, die euch in Meinem Namen nachfolgen werden, - andern Hauptteiles nach aber werdet ihr ewig fortleben bei Mir in Meinen Himmeln und werdet von da aus mehr denn jetzt einfließen und einwirken können auf die Menschen dieser Erde, die vor allem aus euch schon bekannten Gründen die Bestimmung haben, Meine Kinder gleich euch zu werden.
   09] Bis aber das eigentliche Ende der Zeiten dieser Erde kommen wird, das wird für euch bis jetzt noch unbegreifbar lange währen! Denn siehe, alle Materie dieser Erde besteht aus gerichteten und erst frei zu machenden Seelen. Rechnet ein Atom Materie auf die Substanz einer Seele und daß auf ein Jahr nur 10000 mal 10000 Seelen aus dem Gerichte der Materie erlöst werden können auf dem Wege, den Ich euch schon zu öfteren Malen gezeigt habe - und das aus dem Grunde, weil auf dem Boden der Erde mit solch einem jährlichen Zuwachs von einer so großen Menschenzahl nicht mehr (Seelen) bestehen können -, so werdet ihr wohl einsehen, daß die Erde noch hübsch lange, wennschon noch unter manchen Veränderungen, auch in der materiellen Beziehung fortbestehen wird.
   10] Dazu aber kommt noch, daß die Materie der Erde aus der Sonne und aus dem sie umgebenden Äther stets von neuem eine Vermehrung erhält, die freilich geringer ist, als was das jährliche Erlösungsquantum ausmacht, und sogestaltig werdet ihr es noch um so mehr einsehen, in ein wie sehr langes Dauern der Bestand dieser Erde bis in ihre letzten Zeiten noch hinausgeschoben ist. Allein, alles das ist also von Mir schon von Ewigkeit her verordnet, und die Zeit kommt nur dem noch die Last des Fleisches tragenden Menschen langewährend vor; in Meinem Reiche aber werdet ihr die Zeit und ihre Dauer mit ganz andern Augen und mit einer ganz andern Einsicht und Weisheit betrachten. - Sehet, so stehen die Sachen!
   11] Aber nun gehen wir wieder ins Freie hinaus! Denn es werden nun bald alle Anwesenden aus ihren Gemächern in diesen Saal kommen; Ich aber will Mich zuvor mit euch wenigen schon im Freien befinden.«
   12] Als Ich das mit den etlichen Meiner alten Jünger gesprochen hatte, und zwar mit Petrus, Johannes, Andreas, Jakobus und Matthäus, da kam auch unser Lazarus zu uns begrüßte Mich und fragte Mich, wann Ich das Morgenmahl einnehmen möchte.
   13] Und Ich sagte: »Bald nach dem Aufgange (Sonnenaufgang), da Ich Mich dann bis auf den Abend hin nach einem Orte hinbegeben werde, von dem wir dann erst am Abend hierher wiederkehren werden; den Ort selbst aber, den wir besuchen werden, werdet ihr schon nachher erfahren!«
   14] Als Lazarus das vernahm, da ging er hinaus und ordnete alles an; Ich aber ging mit den etlichen Jüngern sogleich ins Freie, und Lazarus kam mir bald nach.


Home  |    Index Band 8  |   Werke Lorbers