Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 8

Kapitelinhalt 97. Kapitel: Jesus über die materialistische Naturforschung.

   01] (Jesus:) »Siehe, bei den alten Ägyptern gab es zu den Zeiten der späteren Pharaonen auch eine Menge bloß äußerer Naturforscher und Naturkundiger, und ihre geschriebenen Werke füllen noch jetzt große Säle und Schränke und Kästen! Du hättest wohl ein paar Jahrhunderte zu tun, um alle die Bücher und Rollen und Tafeln durchzulesen. Und siehe, die Seelen jener Naturkundigen setzen auch jenseits ihr Forschen und Suchen fort, fallen von einem Irrtum in den andern, lassen sich von einem Engel nicht belehren und bleiben in ihrem Wahne und suchen der Kräfte Urgrund stets in der Materie, die für sie so gut wie gar nicht da ist; denn sie zerplagen sich nur in ihrer Scheinmaterie, die nirgends anders als nur in ihrer lockeren und überleicht veränderlichen Einbildung und Phantasie besteht!
   02] Daß es sich mit jenen Seelen also verhält, kannst du Mir wohl glauben; aber Ich frage da: Welcher Lebensnutzen erwächst daraus für sie? Siehe, gar keiner; denn solange sie in ihrem Wahne verharren, kann für sie ja doch wohl nie ein Lebensheil erblühen und zu einer reifen Frucht werden! Daher ist auch hier ein pures Forschen in den Dingen der Natur nur insoweit von einem vorübergehenden irdischen Nutzzweck, als sich daraus für die Menschen so manche Sachen entwickeln können, die zu weltlichen Zwecken wohl zu gebrauchen sind; aber alle noch gar vielen Erfindungen, welche in der Folge von den Naturkundigen ins Werk gesetzt werden, werden so lange das Gepräge der Unvollendetheit an sich tragen, als sie nicht von solchen Menschen ins Werk gesetzt werden, die die Kräfte der Natur der Materie nur aus dem licht- und wahrheitsvollen Geistesgrunde heraus erkennen und dadurch auch wahre Herren der gesamten Natur sind, wie ihr davon ein Beispiel an den sieben Oberägyptern gesehen habt.
   03] Aber Menschen, die es einmal in der wahren Erkenntnis ihrer selbst und daraus auch in der gesamten Natur und ihrer Kräfte weit gebracht haben, werden zu ihrer diesirdischen Beschäftigung ganz etwas anderes und Besseres wählen, als sich mit der Herstellung von allerlei künstlichen und materiell nützlichen Dingen, Maschinen und Produkten abzugeben; denn geistige Menschen werden allzeit vor allem bestrebt sein, sich stets mehr Mir zu nahen und sich die Fülle des ewigen Lebens eigen zu machen. Denn nur das allein kann für den wahren Denker und Seher einen reellen Wert haben, weil es ihm ewig verbleibt, alles Diesirdische aber nur insoweit, als es ihm zur Erreichung des großen Hauptzweckes behilflich sein kann.
   04] Wer da sagt: "Siehe, ich besitze viele Güter, habe große Schätze und setze allerlei neue und kunstvolle Dinge ins Werk; denn ich verschaffe mir Künstler von allen Weltgegenden, die allerlei Dinge zu schaffen verstehen!", dem sage Ich aber da: Wie lange wirst du denn alles das noch dein nennen können? Siehe, morgen schon kann man deine Seele vom Leibe nehmen, und was wird sie dann von allem dem, was du nun noch dein nennest, mit hinübernehmen? Ich sage da: Gar nichts als nur das, was sie in dieser Welt irgend jemandem wahrhaft Gutes erwiesen hat! Hat sie aber das nicht, so werden ihr die hier verlassenen vielen Güter, Schätze und kostbaren Dinge jenseits eine große und schwer übersteigliche Scheidewand zwischen Meinem Reiche und ihrem Wesen aufstellen, da auf ihrer Seite viel Heulens und Zähneknirschens vorkommen wird.
   05] Daher suche vor allem ein jeder von euch das wahre Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, die da besteht in der wahren und lebendigen Liebe zu Gott und in der tätigen Liebe zum Nächsten, alles andere wird, so es not tut, als eine freie Gabe hinzugetan werden.
   06] Lasset die Winde wehen und die Wolken ziehen ihre Wege, und achtet auf alle die Naturerscheinungen auf dieser Erde nicht höher als auf die des inneren Lebens; denn die Früchte fürs ewige Leben werden nur aus den letzteren hervorwachsen. Und so hätten wir auch über diesen Punkt zur Genüge geredet, und ihr werdet Mich auch verstanden haben.«
   07] Sagte Markus: »Ja, Herr und Meister, was Du nun geredet hast, haben wir sicher alle verstanden, und Du hast in dieser Deiner Belehrung abermals dargetan, daß Du der alleinige Schöpfer, Herr, Erhalter und Leiter aller Dinge in der Sinnen- und Geisterwelt bist. Ich bin Dir dafür abermals von neuem zu allem Dank für ewig hin verpflichtet. Nun wissen wir einmal ganz, was unsere Erde für eine Gestalt hat, und was sie ist und wie beschaffen.
   08] Wir haben zwar von Dir wohl auch schon auf dem Berge und bei der großen Darstellung der sechs Schöpfungsperioden die Erde sehr großartigst enthüllt bekommen; aber nun haben wir über ihren gegenwärtigen Stand eine ganz klare und richtige Ansicht bekommen, und die ist für uns auch von großer Wichtigkeit. Wir werden nun davon mit der Zeit und durch unseren Einfluß auf den Unterricht der Jugend es doch dahin bringen, daß man die Erde nicht mehr für einen großen Länderkreis, sondern für eine große Kugel halten wird, und daß der Tag und die Nacht nicht durch den täglichen Umlauf der Sonne um die Erde, sondern nur durch die selbständige Umdrehung der Erde um ihre Mittelpunktsachse in der Zeit von 24-25 unserer Stunden bewirkt wird. Oh, das ist ein gar großer Vorteil für unser wahres Fortbildungssystem, und wir werden uns auch alle Mühe geben, daß zunächst unsere Kinder in allem zu einer möglichst richtigen Bildung gelangen werden.«


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