Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 6, Kapitel 238

Die Kämpfe in der Hölle.

   01] Sagte der Römer: »Ja, Herr, wenn es in der Hölle so aussieht, da ist an ein Ende dieser gegenseitigen höchsten Anfeindungen freilich wohl in Ewigkeit nicht zu denken, und es sieht die Sache nun ganz anders aus, als wie ich sie mir je vorgestellt habe! Solche Geister sind demnach ihres inneren bösesten Zustandes wegen aus sich selbst nie fähig, wahre Bewohner des Himmels zu werden?«
   02] Sagte Ich: »Ganz sicher; wenn sie tausend Ewigkeiten also belassen werden, so werden sie aus sich, statt je einmal besser, nur ewig immer schlechter! Denke dir aber zahllos viele solcher Geister, die von nichts als von der grenzenlosesten Selbstsucht und dem schrankenlosesten Hochmut erfüllt sind, wie diese dann untereinander wirtschaften! Denke dir aber noch, daß sie jenseits ganz frei sind, daß gar kein Gesetz sie auf irgendeine Art bindet, und ein jeder tun kann, was er will! Wenn du dir das so recht vor das Gemüt führst, so wirst du da eine Anarchie sehen, von der die Erde kein Beispiel aufzuweisen hat.
   03] Ein jeder will gleich der höchste Herr sein; nur die im gleichen Bösen und Falschen sind, rotten sich gegen andere, die im andern Bösen und Falschen sind, und da gibt es einen ewigen Hader, Zank, Krieg und gegenseitige Verstümmelungen von der grauenhaftesten Art. Und klauben sich die Verstümmelten wieder zusammen, da sind sie dann erst gar rachgierig und versuchen mit ihren Vorstellungen und Trugkünsten sich als allerlei Zauberer und Künstler bemerkbar zu machen. Haben sie sich dadurch nach und nach einen großen Anhang erworben, dann wehe denen, die sie verstümmelt haben!
   04] Und so gibt es für jede Art Böses und Falsches ganze große Vereine, die nur eine Weile in einer Scheinharmonie miteinander bestehen. Haben sie irgendeinen andern Verein bestürmt, ihn gesprengt und Beute gemacht, so will dann bei der Teilung ein jeder der Anführer gewesen sein und somit auch den größten Teil der Beute an sich ziehen. Dadurch kommt dann der siegende Verein untereinander in Streit. Zuerst wird gelost. Ist einem durch das Los der größte Teil zugefallen, so werden ihm dann noch allerlei Proben echt höllischer Art vorgestellt, ob er sich getraut, sie zu bestehen. Es werden ihm große Verheißungen gemacht, sogar die Krönung zum König und Gott aller Vereine. So er sich den Proben nicht unterziehen will, wird ihm der kleinste Teil der Beute zugedacht, was ihn natürlich schon in eine geheime Wut versetzt; nimmt er dagegen die Proben an, so wird er fürchterlich gemartert und muß sich alle möglichen Beschimpfungen gefallen lassen und selbst die größten Schmerzen standhaft ertragen.
   05] Jetzt gilt dann euer römisches Sprichwort: Aut Caesar, aut nihil (Entweder Caeser oder nichts!, d.h. alles oder nichts.). Er nimmt die Proben an, und hat er diese überstanden, so wird er zwar ein Scheinkönig, - aber diese Ehre dauert nicht lange. Es gibt bald Meutereien, und der gemarterte König wird abgesetzt, und ein Diktator setzt sich an seine Stelle und gibt Konstitution über Konstitution, wobei dann ein jeder für seinen Sack sorgt. Das ist dann wieder denen nicht recht, die dabei zu kurz kommen, und das erzeugt dann auch schon wieder Konspirationen (Verschwörung), aus denen bald eine Gegenmeuterei von einer gräßlichen Art zum Vorscheine kommt. Und so kann es da niemals zu einer Ordnung kommen.
   06] Es werden von Zeit zu Zeit auch bessere Lehrer in solche höchst zerrütteten Vereine gesandt; aber es geht ihnen beinahe nicht besser, als es den Engeln zu Sodom und Gomorra ergangen ist. Die argen Geister möchten sie als starke Wesen gleich dazu gebrauchen, daß sie alle ihre Feinde vernichten sollen. Daraus aber kannst du schon ersehen, wie es mit der Besserung dieser Geister steht.«


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