Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 6, Kapitel 234

Erfindungen und ihr Zweck.

   01] (Der Herr:) »Seht, die alten Ägypter verstanden es, eine Art Spiegel zu machen, mit denen sie die Sonnenstrahlen auffingen. Alle Strahlen, die auf eine große mathematisch genaue Hohlfläche eines solchen Spiegels auffielen, wurden von diesem Hohlspiegel in einer Entfernung von 50-100 Manneslängen auf einen kopfgroßen, aber unanschaubar hellstrahlenden Punkt zusammengedrängt und entwickelten da einen so hohen Hitzegrad, daß das weißglühende Erz dagegen noch ein kühles Wasser wäre. Die ganz natürliche Folge davon war, daß der Gegenstand, auf den der glühhellste Punkt gerichtet ward, augenblicklich in den verheerendsten Brand überging, wie ihr, besonders aber die Griechen und Römer, schon oft davon werdet reden gehört haben.
   02] Nun, wie war denn das also möglich? - Solch ein Spiegel nimmt eine größere Menge Strahlen auf und gibt sie auf einem ganz engen Raum wieder zurück, während ein flacher Spiegel sie nur gerade so wieder von sich gibt, wie sie auf seine Fläche kamen!
   03] Wenn sich jemand vor einen flachen Spiegel stellt, so erscheint er darin nur so groß, wie er ist; stellt er sich aber vor einen solchen besprochenen Hohlspiegel, so würde er riesengroß erscheinen.«
   04] Sagte ein Römer: »Ja, das weiß ich aus höchsteigener Erfahrung; denn ich habe einen solchen Spiegel in Memphis gesehen. Er war aus einer sehr harten Gattung schwarzen Marmors gemacht und hatte gut zwei Manneslängen im Durchmesser. Die Fläche war teilweise wohl schon etwas matt; aber im ganzen gab er noch einen guten Widerschein, und so man sich vor dem Spiegel aufstellte, da ersah man sich darin in der kolossalsten Riesengröße. Das haben wir mehrere erfahren.
   05] Auch gibt es in Rom ein paar Menschen, die Glas machen und es hernach in allerlei Formen gießen, darunter auch in solche, die auf beiden Seiten etwas abgerundet (linsenförmig) sind, mit denen man dann einen Feuerschwamm, wie er in Illyrien vorkommt, oder auch recht dürres Stroh gar gut anzünden kann. Auch die Vestalinnen (röm. Priesterinnen) pflegen ihre Lampen mit diesem Feuer aus der Sonne anzuzünden, wenn sie ihnen doch dann und wann erloschen sind. Wenn man durch ein solches Glas aber irgendeinen Gegenstand, der natürlich nicht zu groß ist, ansieht, so erscheint er um vieles größer, als er in der Natur ist.«
   06] Sagte Ich: »Nun, da haben wir dann die Sache der Augenwaffen schon! Solch ein Spiegel oder solch ein Glas, freilich in der möglichst mathematischen Reinheit, ist dann ja schon zum Teil eine Augenwaffe.
   07] Wenn späterhin, durch das Einfließen Meines Geistes, die Menschen es verstehen werden, derlei Spiegel und auch derlei Gläser von verschiedenen Größen und Brennpunktweiten zu machen, dann werden sie auch bald jene vorerwähnten Augenwaffen beisammen haben, mittels derer sie den gestirnten Himmel durchschauen werden, und werden dort vieles entdecken, was bis jetzt namentlich den allermeisten Juden verborgen geblieben ist.
   08] Und Ich werde solches und noch vieles andere in der späteren Zeit von den Menschen erfinden lassen, auf daß solches dienen solle und auch dienen wird zur Unterdrückung und zum gänzlichen Verderben der falschen Propheten, die mit großer Macht und weltlicher Herrlichkeit ausrufen werden: »Siehe, hier ist Christus!« oder »Dort ist Er!«; aber dann höret sie nicht an, und fliehet sie wie einen Pesthauch! Denn alles, was sie in den Schulen und Tempeln lehren und predigen werden, wird eitel Falsches sein, das die größte Trübsal unter den Menschen bewirken wird, die je in der Welt war. Denn es wird ihnen viel Volk anhängen ob der falschen Zeichen und Wunder, die sie wirken werden gleich den Essäern und indischen Magiern. (a Matthäus.24,21; Markus.13,19; = Lukas.21,23Daniel.12,01jl.ev01.072,02*;  jl.ev05.083,10*;  jl.ev05.128,10-11*;  jl.ev06.234,08*;  jl.ev07.054,06*;  jl.ev08.213,19-20*  gm.pred.053)
   09] Darum werde Ich dann zuerst den Geist der rechten Wissenschaft und allerlei Kunst unter den Menschen erwecken und dazu dann erst den ganz reinen Geist der Wahrheiten aus den Himmeln, und alle die falschen Propheten samt ihrem Oberhaupte werden dann zu heulen und zu wehklagen anfangen und alle diejenigen in die Hölle hinein verfluchen und auf alle mögliche Weise bedrängen, die ihnen für ewig den Rücken kehren werden. Aber es wird ihnen das alles nichts nützen; denn das ist allzeit der ewige Untergang der Lüge, daß sie vor der Wahrheit zuschanden wird gleichwie das Eis, das die Festigkeit eines Steines darstellen möchte, an der Sonne aber zu Wasser wird, wonach es mit seiner Härte und seiner Festigkeit ein Ende hat.
   10] Im tieferen Norden dieser Erde, wo es sehr kalt ist, bauen sich die Skythen im Winter Wohnhütten aus Eis. Was aber ist mit diesen Hütten, wenn dort der zwar kürzer dauernde, aber äußerst heiße Sommer kommt? Binnen weniger Tage sind alle diese Wohnhütten zerronnen! Und geradeso wird es in jener Zeit den großen Prachthütten der falschen Propheten ergehen: Ehe sie sich ordentlich umgesehen haben, werden ihre herrlichen Wohnstätten auch schon dahin sein! - Versteht ihr solches wohl nun gut?«


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