Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 6, Kapitel 120

Jesus erklärt die Mondwelt und das Wesen der Mondsucht.

   01] Sagte Ich: »Daß der Mond als ein der Erde nächstes Gestirn eine Wirkung auf diese Erde ausübt, das ist ganz sicher; aber im allgemeinen wirkt er auf Menschen und Tiere, Pflanzen und Mineralien nicht ein, sondern nur sonderheitlich auf das, was auf dieser Erde irgend aus ihm abstammt. Habt recht wohl acht, besonders ihr Kalendermacher!
   02] Seht, der Mond ist beinahe so eine Welt wie diese Erde und eben dieser Erde steter Begleiter bei ihrer Jahresreise um die Sonne, um die auch die andern Planeten in ungleichen Zeiten kreisen; die der Sonne näheren brauchen weniger Zeit als die Erde und die weiteren natürlich eine längere Zeit. Jupiter und Saturn haben auch Monde um sich, aber als viel größere Welten mehrere denn diese Erde, während die noch kleineren Planeten gar keine Monde um sich haben. Bei dieser Erde bewirkt ihre tägliche Umdrehung Tag und Nacht, und ihr Lauf um die Sonne ein Jahr.«
   03] Hier stutzten die Heiden, da diese Meine Erklärung zu stark über ihren Wissenshorizont hinausragte, und ein Priester sagte: »Herr, wir danken Dir für alles, aber da erkläre uns nichts weiter; denn wir können es ja unmöglich verstehen, weil wir uns das nicht versinnlichen können!«
   04] Da sagte Ich: »Nun denn, wenn es sich um eine Versinnlichung handelt, so soll diese sogleich dasein!«
   05] In einem Moment ersahen alle über dem Tische im freien und hohen Saalraume die Sonne, den Mond mit der Erde und also auch alle die andern Planeten mit ihren Monden, und alles das in entsprechender Bewegung. Da war des Staunens kein Ende, und Ich erklärte ihnen alles auf das genaueste bei zwei Stunden lang, und sie verstanden nun alles und hatten eine große Freude daran. Nebst dem mathematischen Teile aber zeigte Ich ihnen auch die Bewohnbarkeit der Sonne und aller Planeten und ihrer Monde und ganz ausführlich die Bewohnbarkeit unseres Erdmondes und sagte dann besonders:
   06] (Der Herr:) »Da ihr nun das einsehet und begreifet, so kann Ich euch nun auch so manches sagen über das Vorkommen des Übels der Mondsucht. Die Bewohner des Mondes haben als höchst einfache und in sich gekehrte Menschen vorzüglich die Gabe des Hellschauens, und das namentlich zur Zeit ihrer volle vierzehn Erdentage langen Nacht, die sie in ihren unterirdischen Wohnhöhlen zumeist schlafend zubringen. In diesem Schlafe aber bleiben dennoch ihre Seelen völlig wach und sehen da alles weit und breit um sich, und sonach auch diese Erde, der sie eigentlich mehr oder weniger angehören, welche sie aber der natürlichen Stellung des Mondes wegen im Wachzustande als an ihrem langen Tage niemals sehen können; denn die Mondmenschen bewohnen nur den der Erde abgekehrten Teil des Mondes, nicht aber den der Erde zugekehrten Teil (und), da der Mond, wie Ich es euch schon erklärt habe, aus ganz natürlichen Gründen auf der der Erde zugekehrten Seite (Die Satzteile »denn die Mondmenschen bewohnen« bis »nicht aber den der Erde zugekehrten Teil« sowie der Satzteil »auf der der Erde zugekehrten Seite« sind eine Ergänzung.) keine Luft und kein Wasser hat, und so es auch hie und da in den vielen Vertiefungen eine Art Luft gibt, so reicht sie dennoch nicht aus, um im Fleische lebenden Wesen zum nötigen Einatmen zu dienen, und taugt dazu auch nicht, weil ihr das Element des Salzes (der Sauerstoff) gänzlich fehlt.
   07] Des Mondes Menschen haben in ihrem Naturzustande auch keine Sehnsucht danach, da sie ja ohnehin in ihrem Traumleben, das ihnen das liebste ist, alles sehen können und auch erfahren, was zum Heile ihrer Seelen taugt. Sie haben denn danach auch zuallermeist die Sehnsucht, bald Einwohner dieser Erde zu werden, was denn so ganz eigentlich auch ihre Bestimmung ist. Und haben sie auf ihrer Welt den Leib abgelegt, so wandern ihre Seelen, wenn sie sich in ihrem Fleischleben dafür würdig gemacht haben, alsogleich auf diese Erde und werden bei entsprechenden Gelegenheiten in einen Mutterleib eingezeugt, als Kinder dieser Erde wieder geboren und wachsen dann auf und genießen die Erziehung der Erdenmenschen, wodurch sie wenigstens die Fähigkeit erreichen, entweder schon hier oder jenseits auf den Weg der Kinder Gottes gestellt zu werden.
   08] Nun, dieser Menschen Seelen bestehen aus der Substanz des Mondweltkörpers und haben somit, besonders in ihrem Traumleben, einen hervorragenden Zug dahin, von wo sie ausgegangen sind, was sich besonders zu der Mondvollichtzeit am stärksten wirkend zeigt, weil sich durch das Mondlicht eine größere Menge substantieller Seelenspezifika zur Erde senken und die bezeichneten Mondseelenmenschen erregen und anziehen.
   09] Allein es kann auch diesem Übel bald und leicht abgeholfen werden, und zwar durch die glaubensvolle Auflegung der Hände und durch den Gebrauch von kalten Bädern.«


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