Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 6, Kapitel 122

Jesus warnt vor dem Rückfall ins Materielle. Das Wesen der Materie. Die Unendlichkeit Jesu.

   01] (Der Herr:) »Ich habe euch nun gezeigt, was und wer der Mensch ist, und was er zu tun hat, um zu erreichen das ewige Leben. Von nun an hängt es ganz von euch ab, danach zu handeln. Sehet aber zu, daß ihr nicht etwa der Welt wegen wieder in euren alten Unsinn und dadurch in euren alten Tod verfallet, denn dann wäret ihr noch um vieles schwerer auf den rechten Weg zu bringen denn jetzt! Ich kann nun persönlich nicht länger mehr bei euch verbleiben; aber so ihr tätig verbleibet in Meiner Lehre, so werde Ich auch im Geiste wirkend bei euch und in euch verbleiben, und um was ihr diesen Meinen Gottgeist bitten werdet in Meinem Namen, das wird euch auch gegeben werden.
   02] Aber um rein weltliche Dinge kommet Mir ja nicht; denn dies seelentötende Gift werde Ich euch nicht geben, und würdet ihr Mich auch jahrelang darum bitten! Denn Meine Sache ist es, euch in euren Seelen von aller Welt völlig frei zu machen, nicht aber, euch noch mit derselben zu verbinden. - Ihr wisset nun, was ihr zu tun und was ihr zu glauben habt, und eines mehreren bedarf es vorderhand nicht.
   03] Nun aber kommt noch etwas anderes! Siehe, du Mein Freund Jored, wir waren nun bei drei Tage bei dir und haben viel Verzehrt in deinem Hause! Was meinst du denn, was wir dir dafür schulden?«
   04] Sagte Jored ganz gerührt: »Herr, alles, was da ist, ist ja ohnehin nur Dein, und nur ich sollte Dich fragen und sagen: O Herr, ich bin Dein übergroßer Schuldner! Wenn und wie werde ich Dir diese meine große Schuld abtragen können? Wenn Du tausend Jahre mit noch tausendmal so vielen Jüngern hier verbleiben möchtest und essen und trinken Tag und Nacht, so wäre ich selbst nach tausend Jahren Dir ein noch ebenso großer Schuldner, als ich es jetzt bin; daher sei Du mir fortan bloß gnädig und barmherzig, - alles andere ist nichts und kostet auch ewig nichts! - Aber eine Bitte möchte ich Dir, o Herr, dennoch unterbreiten!«
   05] Sagte Ich: »Erspare dir die Worte; denn Ich weiß es ja ohnehin, was du auf eine Zeitlang hier in diesem Saale erhalten möchtest! Siehe, diese Gestirne möchtest du also erhalten! Ja, sie sollen zu eurer weiteren Belehrung noch ein Jahr lang also verbleiben! Während dieser Zeit bildet sie euch künstlich nach; nachher aber sollen diese Wunderbaren vergehen, wie auch dereinst dieser ganze sichtbare Himmel und diese Erde vergehen werden, so sie alles, was in ihnen gefangen ist, ganz werden hergegeben haben.
   06] Denn höret: Alles das, was der ganze unendliche Raum als Materielles in dieser Zeit innefaßt, ist gefangenes und gerichtetes Geistiges! Es sind Geister im Gerichte der Kraft und Macht des göttlichen Willens bis zu einer geordneten Zeit hin, wo sie als von der göttlichen Allwissenheit wohlerachtet jenen Grad der für sich selbst beständigen Festung erreicht haben, auf dem dann erst die geistig selbständige Lebensfortbildung angebahnt werden kann. Das versteht ihr jetzt zwar nicht und könnet es auch nicht verstehen; aber ihr werdet es einmal dennoch verstehen.
   07] Ich aber habe euch solches nur darum gesagt, auf daß ihr auch als Heiden einsehen möget, daß Ich der eigentliche ewige Ich bin und im Grunde des Grundes alles Ich ist, was die Unendlichkeit umfaßt. Aber behaltet das vorderhand bei euch, bis euch der ewige Geist der Wahrheit darüber eines Näheren belehren wird!
   08] Nun gebe Ich euch in dieser Nacht noch eine kurze Frist. Wer da noch etwas zu fragen hat, der frage! Morgen vor dem Aufgange ziehe Ich weiter; denn Ich habe gar viele Kindlein, die Ich als ein wahrer Lebensvater noch besuchen will, um auch ihnen des ewigen Lebens froheste Botschaft zu verkünden.«
   09] Hier stand ein Priester auf und sagte: »Herr, morgen darfst Du uns noch nicht verlassen; den jetzt erst hast Du uns recht entzündet, und wir werden dann noch gar vieles haben, wobei wir Deines heiligen Rates bedürfen!«
   10] Sagte Ich: »Bin denn Ich das Ich oder ist es Mein innerer Geist? Ich habe es euch ja gesagt, daß dieser bei euch verbleibt, und so ihr etwas benötiget, so wird er es euch geben ohne Vorenthalt. Meine Persönlichkeit ist euch fürder kein nütze, sondern allein der Geist, der euch nimmerdar verlassen wird, so ihr ihn nicht verlasset.«
   11] Sagte der Priester: »Herr, das glauben wir nun alle völlig ungezweifelt fest; aber wir alle haben nun eine große Liebe zu Dir gefaßt, weil wir Dich in der Fülle erkannt haben, und gerade jetzt willst Du uns auch schon wieder verlassen?! Wenigstens nur einen Tag noch, Herr, bleibe Du persönlich bei uns, und wir alle sind dadurch ja unendlich glücklich!«
   12] Sagten auch Jored und sein Sohn: »Ja, ja, Herr, also ist es! Bleibe wenigstens nur noch einen halben Tag bei uns, und wir wollen Dir dann das Geleite geben, wo Du auch nur immer hinziehen willst!«
   13] Sagte Ich: »Nun denn, so will Ich denn bei euch morgen früh noch das Morgenmahl nehmen, dann aber wohl ohne Rückhalt ganz schnell von hier weiterziehen!«
   14] Darauf sagte der vom Tode erweckte Sohn Jorabe: »Höret, meine Lieben alle! Diesen allein und ewig wahrsten Gott hält nur allein die Liebe zurück! Diese ist die einzige Macht, der Er sogar in Sich Selbst gehorcht! Daher fassen wir eine rechte Liebe zu Ihm, und Er bleibt uns auch bis Mittag!«
   15] Sagte Ich: »Du hast ganz richtig geredet - denn das hat dir nicht dein Blut, sondern das hat dir dein Geist eingegeben -; aber Ich kann dennoch nicht anders, als wie Ich es ehedem ausgesprochen habe. Aber um euch allen zu genügen, so werde Ich erst nach dem Aufgange der Sonne von hier fortziehen, aber im Geiste dennoch bei euch verbleiben. Es fragt sich jetzt nur, ob ihr alles verstanden habt, und ob niemand von euch irgend mehr um etwas zu fragen hat.«


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