Jakob Lorber: 'Das große Evangelium Johannes', Band 6, Kapitel

Das gute Zeugnis der Priesterweiber über Jesus.

   01] Wir kamen nun draußen an und trafen die Weiber und Kinder und Diener in der größten Tätigkeit, die bezahlten Wehklager auf den Baumästen und die Katzen in den Gebüschen loszumachen; aber die Wehklager auf den Ästen waren wie angenagelt, und den Katzen durfte sich niemand nahen, da sie gar grimmig waren und entsetzlich um sich bissen und kratzten ob des erlittenen Schmerzes.
   02] Als die fünf Priester ihre Weiber in solch einer verzweiflungsvollen Nähe antrafen, da fragten sie dieselben, was sie denn da machten.
   03] Eines der Weiber, nämlich das des Priesters der Minerva, war noch am meisten beherzt und sagte zu ihrem Gemahle: »Ach, siehe, wir haben uns gestern eine List wider euch ausstudiert, um euch wieder zu dem alten, viel Gewinn gebenden Göttertume zurückzubringen! Du siehst hier einige Heuler und Wehklager auf den Ästen der Bäume hocken und in den Gebüschen mehrere Katzen, die alle gestern nacht bei eurer Ankunft das Geheul machen mußten, um euch darum zu erschrecken, weil ihr wegen der großen Zaubertaten des fremden, vorgestern hier angekommenen Künstlers die Götter verlassen und unsere gute und sehr einträgliche Stellung mit einem Hiebe gänzlich vernichtet habt.
   04] Aber wir sind mit unserer List schmählich und eigentlich schon ganz entsetzlich eingegangen. Siehe, entweder haben wir durch diesen Frevel im heiligen Haine die alten Götter hart beleidigt oder den großen Zauberkünstler; denn die Strafe für unseren Frevel ist mehr als augenscheinlich vor unseren Augen! Die Heuler und Wehklager auf den Baumästen sind durch eine unsichtbare Macht wie angenagelt und können trotz aller Anstrengungen nicht von ihren Stellen, und den Katzen in den Gebüschen kann sich kein Mensch nahen; denn sie sehen mehr den grimmigsten Furien als irgendeinem Haustiere ähnlich, beißen und kratzen ganz entsetzlich um sich und können darum um keinen Preis der Welt losgemacht werden. Wir wissen uns nun nicht mehr zu raten und zu helfen. Was sollen wir da nun tun?! O des unglückseligsten Gedankens, durch den wir uns dazu haben verleiten lassen!
   05] Was wäre denn da mit dem großen Wundermanne?! Könnte der uns nicht helfen, da doch er an all dem die eigentliche Schuld trägt, dadurch, daß er durch seine unbegreifliche Willensmacht uns die Götterbilder vernichtet und den heiligen See in ein festes Erdreich umgewandelt hat?! Gehe du hin zu ihm und ersuche ihn darum in unser aller Namen!«
   06] Sagte der Priester: »Das wird da wenig nützen, sondern ihr alle müsset selbst darum zu Ihm hingehen! Er steht dort in der Mitte Seiner Jünger. Er weiß gar wohl darum und hat uns solches im Hause Joreds eröffnet, ansonst wir nicht hierher gekommen wären. Er will und wird euch helfen; aber ihr müsset zuvor selbst zu Ihm hingehen und Ihn um Vergebung bitten.
   07] Ihr habt dadurch, daß ihr solches hier angestellt habt, euch nicht an den alten Göttern, die nie und nirgends - außer in der Phantasie der blinden Menschen - bestanden haben, versündigt, sondern rein nur an dem großen, allmächtigen Gottmenschen, der in Seiner großen Liebe zu allen Menschen eigens darum auch zu uns gekommen ist, um uns aus unserer lange dauernden, großen Irre zu erlösen und uns zu zeigen und zu geben das allein wahrste Licht des Lebens. Durch Ihn und in Ihm wirkt der wahre, ewig unerforschlich weise und allmächtige Gott. Das ist eine Wahrheit, die von niemand mehr, der von Seinen Taten nur von fernehin Zeuge war, geleugnet werden kann. Und hat jemand Seine Taten, die nur einem Gotte möglich sein können, selbst auch nicht gesehen, sondern allein Seine Lehre angehört aus eines andern Munde treu und unverfälscht, so wird er daraus bald und gar leicht gewahren, daß solch eine Lehre niemals von einem Menschen, sondern nur von dem einigen und ewigen Gott abstammen kann; denn nur ein Gottesmund kann solche Worte reden, die wie lebendige Flammen in das Herz der Menschen dringen und im selben ein Bewußtsein schaffen, von dem zuvor nie irgend ein Mensch eine Ahnung hat haben können. Darum gehet selbst in aller Demut und Liebe zu Ihm hin, bittet Ihn, und Er wird euch nicht unerhört von Sich lassen!«
   08] Auf diese für einen Priester der Minerva wahrhaft gute und wahre Beredung eilte sein Weib zu ihren Kolleginnen hin und sagte ihnen dasselbe, was ihr ihr Gemahl gesagt hatte. Das hatte eine gute Wirkung, und die Weiber mit ihren Kindern und Dienern kamen zu Mir her und baten Mich, auf ihren Knien liegend, um Vergebung, und daß Ich die auf den Baumästen und die gewissen Tiere in den Gebüschen frei machen möchte.
   09] Ich aber sagte: »Wer nicht weiß, was er tut, der hat auch keine Sünde, und somit habt ihr auch keine Sünde! Aber in der Folge, da ihr nun wisset, wer Ich bin, würdet ihr in grobe Sünden verfallen wider alle göttliche Ordnung, die euch das ewig Beste anordnet und will, daß ihr ganz selig werden sollet, nicht soviel zeitlich, aber desto mehr für ewig.
   10] Wie aber der Mensch alles das erreichen kann in diesem Erdenleben, das werden euch eure Männer kundtun. Und nun gehet hin und sehet, ob eure Gefangenen schon frei sind!«
   11] Da dankten die Weiber, die Kinder und Diener und gingen hin. Und als sie hinkamen, da fanden sie alles, was da gefangen war, in der vollsten Freiheit und hatten eine große Freude daran.
   12] Sie kehrten jedoch alsbald wieder und dankten Mir auf ihren Knien, daß Ich sie befreit habe von solcher großen Angst.
   13] Ich aber hieß sie, sich vom Boden zu erheben, und sagte zu ihnen: »Was ihr nun gesehen habt und wisset aus dem Munde eurer Männer, das lehret auch in aller Geduld und Sanftmut eure Kinder und Diener, und später auch die Kinder anderer Eltern, und gründet sonach eine wahre Lebensschule in Meinem Namen, den ihr auch von euren Männern erfahren werdet, und ihr werdet von Segen aus den Himmeln umflutet sein - also, wie da umflutet ist eine Insel im Strome von dem Wasser des Stromes und zur Nahrung ihrer Pflanzen, Gesträuche und Bäume eines Weltregens aus einer finsteren und das Licht der Sonne verhüllenden Wolke nicht bedarf. Merket euch das und tut danach, so werdet ihr vom Tode dieser Welt zum Leben des Geistes also durchdringen, wie Ich Meinem irdisch-menschlichen Teile nach Selbst vom Gottesgeiste durchdrungen bin! Und so ihr wahrhaft glauben werdet an Meinen Namen, so wird euch in allem von Gott aus geholfen werden; denn Ich bin das lebendige Band zwischen Gott und den Menschen.«
   14] Als die Weiber, Kinder und auch die Diener das Heil dieser Meiner Worte in sich wahrnahmen, sagten sie: »Ja, wahrlich, wahrlich, also kann kein Mensch reden wie Du, o großer, gottvoller Meister! Wer Dich allein hört, der bedarf weiter keines andern Zeichens mehr, da ihm schon die Worte den allerklarsten Beweis dahin liefern, wer hinter Dem verborgen sein muß, der da solche Worte auszusprechen imstande ist. Du scheinst wohl ein Mensch zu sein, bist aber eigentlich doch nur Deiner geheiligten Haut nach ein Mensch für unsere Augen; aber unter Deiner Haut ist bei Dir alles Gott, und die Ohren, die bestimmt sind, das zu vernehmen, was inwendig im Menschen ist - als seine Gedanken, Wünsche und Entschlüsse, die er durch laute Worte ausdrückt -, vernehmen aus Deinem Munde nur rein Göttliches, und so bist und bleibst Du, o großer Herr und Meister, für uns der alleinige Gott! Und unsere späten Nachkommen werden es sicher noch mit der größten Lebenswärme und -glut erzählen, wie wir als ihre Voreltern wahrhaft Gott gesehen und mit Ihm geredet haben und von Ihm Selbst gelehrt worden sind, und wie wir Ihn wohl erkannt haben an Seinen Wirten und Zeichen, die Er vor unseren Augen gewirkt hat.«
   15] Sagte Ich: »Gut also! Bleibet in dem, und Ich werde im Geiste allzeit bei euch sein und bleiben - schon in dieser Welt und jenseits in Meinem Reiche, das Ich für Meine diesirdischen Freunde nun eigens zubereite und einrichte im Innern eines jeden Menschen, der eines guten Willens ist, und es wird unseres rein geistigen und seligsten Zusammenseins ohnehin nimmer ein Ende sein!«


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